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Trevisani-Premiere in der Schaubühne Lindenfels

4. Leipziger Tanztheaterwochen Trevisani-Premiere in der Schaubühne Lindenfels

Energiegeladenes Chaos: Zum Auftakt der Leipziger Tanztheaterwochen zeigt Choreograph Alessio Trevisani „1916 onenineonesix“ – eine Tanz-Collage zum 100. Geburtstag der Dada-Bewegung.

Das Stück „1916 onenineonesix“ präsentiert sich als Tanztheater-Collage aus Performance, Tanz, Musik und Sprache.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ausdrucksstarke Tänze, kraftvolle Bewegungen und nicht erkennbare Laute. In den Genuss einer etwas anderen Theateraufführung kamen die Zuschauer am Donnerstagabend in der Schaubühne Lindenfels. Zur Eröffnung der Leipziger Tanztheaterwochen präsentierte die Company des Leipziger Tanztheaters die Premiere von „1916 onenineonesix“ unter der Leitung von Choreograph Alessio Trevisani.

Dadaismus 1916 und 2016

Anlässlich des 100. Geburtstag der Dada-Kunstbewegung zeigen die Schauspieler eine Collage aus Tanz, Performance, Schauspiel, Gesang und Musik. Von den Anfängen der Dada-Bewegung 1916 in Zürich, in der Zeit des Ersten Weltkrieges, bis in die Gegenwart.

Schauspieler André Hinderlich springt Fahne schwingend und irre lachend über die Bühne und wiederholt dabei mantraartig den Schießbefehl-Tweet der Alternative für Deutschland (AfD) oder die Worte, die Recep Tayyip Erdogan einst eine zehnmonatige Haftstrafe einbrachten, als er bei einer Wahlveranstaltung 1998 den türkischen Publizisten Ziya Gökalp (1875 bis 1924) zitierte.

Trommeln, Schreie, Schluchzen

Dazwischen immer wieder Laute und Wortkombinationen, die keine Bedeutung zu haben scheinen. Ganz im Stile des Dadaismus soll die Sprache aufgelöst und sich in „die tiefste Alchemie des Wortes zurückgezogen und selbst die Alchemie des Wortes verlassen werden, um so der Dichtung ihre heiligste Domäne zu bewahren“. So erklärte Hugo Ball, Mitbegründer der Dada-Bewegung, 1916 die Idee des Lautgedichts mit seinen abstrusen Lauten.

Die Dadaisten lehnten sich auf gegen die biedere Gesellschaft und schufen in der neutralen Schweiz eine Parallelwelt aus Nonsens-Gedichten und Tanz. Trommeln, Schreie, Schluchzen – die Zuschauer im Zürich von 1916 reagierten zurückhaltend, später begeistert auf die neuen Ideen.

Perfektes Chaos

So ähnlich fühlt man sich auch in der Schaubühne Lindenfels. Zuweilen hat es den Anschein, als würden sich die Tänzer völlig unkoordiniert auf der Bühne bewegen, bevor alles doch irgendwie wieder Sinn ergibt, um sich dann im nächsten Moment wieder im Chaos aufzulösen.

Trotz der scheinbaren Unordnung schafft es Trevisani mit seiner Choreographie, jeden einzelnen Tänzer perfekt zu präsentieren. Sei es zu Beginn, allein auf der Bühne – nur im Licht eines Scheinwerfers – oder in der Gruppe. Die Bewegungen sind stark und bis zum Ende ausgetanzt. Mag sich einem nicht immer die Absicht hinter der Szene erschließen, spürt man auf eindringliche Weise die Energie der Tanzperformance. Dazwischen immer wieder Perkussionist Philipp Lamprecht, der auf dem Xylofon oder einer Trommel die Tänze begleitet, schreit und ruft, dass es einen bis ins Mark erschüttert.

Am Ende treffen 1916 und 2016 in Kurt Schwitters Ursonate aufeinander. Hinderlich präsentiert diese in einer erschreckenden, durchdringenden Klarheit – dazu Tänzer auf der Bühne. Zum Schluss bleibt ein seltsames Gefühl: So richtig weiß man nichts mit der Unordnung anzufangen, entziehen kann man sich ihr aber auch nicht.

Weitere Aufführungen Freitag und Samstag, jeweils 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels (Karl-Heine-Straße 50), Eintritt 12/9 Euro. Die Tanztheaterwochen laufen noch bis 1. Oktober.

Von Tatjana Kulpa

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