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Tübke zu Ehren: Nachlass wird des Leipziger Malers wird liebevoll gepflegt

Tübke zu Ehren: Nachlass wird des Leipziger Malers wird liebevoll gepflegt

Fast jeden Sonnabend das gleiche Prozedere. Brigitte Tübke verlässt am Morgen ihr innerstädtisches Zuhause und besucht ihr ehemaliges Wohnhaus, die Tübke-Villa in der Springerstraße 5. Das ist ihr Verpflichtung gegenüber ihrem heute vor zehn Jahren gestorbenen Mann Werner Tübke.

Das Ehepaar hatte das Haus 1977 erworben, lebte hier bis zum Tod des Malers. Zunächst hatte sich der Künstler seine Malwerkstatt in der ersten Etage eingerichtet, bei einer Renovierung des Hause entstand dann 1988/89 mit einem Aufbau das Atelier, das jetzt Heimstatt der 2006 gegründeten Tübke-Stiftung ist.

 Der neue Hauseigentümer, Galerist Karl Schwind, betreibt im Erdgeschoss der einstigen Wohnung seinen Kunsthandel, vermarktet unter anderem den Nachlass Tübkes, ist Initiator und Partner für Ausstellungen. In der ersten Etage kann die Sammlung des Kunstmäzens Fritz P. Mayer besichtigt werden; sie bietet einen repräsentativen Überblick über die Werke der Leipziger Schule. Auch mehrere Tübke-Werke sind zu sehen, so das grandiose Gemälde "Happening in Pompeji" (1980).

Am Dienstag vor zehn Jahren starb der große Leipziger Maler Werner Tübke. Sein Nachlass wird liebevoll gepflegt. Der neue Eigentümer der Malervilla, Galerist Karl Schwind, ist Initiator und Partner für Ausstellungen. In der ersten Etage kann die Sammlung des Kunstmäzens Fritz P. Mayer besichtigt werden.

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 Galerie, Ausstellung, Stiftung - Brigitte Tübke ist unverändert der engagierte und wache Geist vielfältiger Erinnerungsarbeit. "Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht mit Tübke in Berührung komme. Ganz privat verhehle ich nicht: Es wäre mir schon lieb, würde er am Abend auf der Couch liegen und Fernsehen schauen", sagt die Witwe. Mit der Gründung der Tübke-Stiftung konnte sie 2006 einen Wunsch ihre Mannes verwirklichen.

 Sie bietet Einblicke in Leben und Werk des Malers, zu sehen sind 19 Gemälde sowie Aquarelle und Zeichnungen, das gesamte druckgrafische Werk wird dokumentiert. Zum heute gut gepflegten Künstlererbe gehören die Skizzen- und Tagebücher, die Brigitte Tübke vor Jahren der Leipziger Universitätsbibliothek übereignete, und der schriftliche Nachlass mit Dokumenten, Katalogen und anderem, der schon zu Lebzeiten des Malers an das Germanische Nationalmuseum Nürnberg ging und seither ständig ergänzt wird.

 Brigitte Tübke kann vor allem zu den in der Stiftung gezeigten Ausstellungsstücken manch eine Geschichte erzählen, etwa die zum Gemälde "Geburtstagsfeier Springerstraße 5": "Es war Tübkes 51. Eigentlich feierten wir so was gar nicht, doch dann kamen auf einmal immer mehr Leute, Ärzte, Sammler, auch Werner Klemke, der Vater des ,Magazin'-Katers, war da. Es wurde im Garten ein lustiger Abend. Die spontane Feier hatte Tübke dermaßen inspiriert, dass er in den Tagen danach das Bild malte. Er verfremdete seine Gäste durch Kostümierung, mich ließ er im gelben Rock direkt über der Signatur tanzen."

 2014 ist Tübke-Jahr. Nicht nur seines zehnten Todestages ist zu gedenken, am 30. Juli wäre der Maler 85 Jahre alt geworden. Brigitte Tübke zieht anlässlich solcher Termine ihre Bilanz der Werkpflege, für die sie sich zuständig fühlt, seit sie 1976 Tübke geheiratet hat. Werkverzeichnisse der 400 Gemälde und der bis dato 510 erfassten Aquarelle konnten erstellt werden, die grafischen Arbeiten sind in zwei Publikationen komplett erfasst. Was zu tun bleibt, ist das Verzeichnis der schätzungsweise 6000 Zeichnungen. Das dürfte noch Jahre angestrengter Arbeit in Anspruch nehmen. Etwas eher erhofft sich die Malerwitwe die Realisierung zweier lokaler Problemfälle. Seitens des Leipziger  Museums der bildenden Künste gibt es neue positive Signale, Tübkes fünf Astoria-Gemälde, die derzeit noch ihr Dasein im Depot des Panorama-Museums in Bad Frankenhausen fristen, dauerhaft zu präsentieren. Und das Wandbild "Arbeiterklasse und Intelligenz", das wiederum im Depot des Bildermuseum aufbewahrt wird, dürfte schon bald seinen ständigen Platz im Campus am Augustusplatz finden. Solche Nachrichten stimmen die oberste Nachlassverwalterin "zunehmend heiter".

 Heute wird bei Brigitte Tübke freilich mehr als sonst Traurigkeit vorherrschen. "Er war vorbereitet auf das, was kommt. Auf seinem Schreibtisch lag viel herum, unter anderem auch ein kleiner, von ihm beschriebener Zettel: ,Es ist kalt im Reich der Toten'", erinnert sie sich. Sie hat auch noch jenen Tag Mitte Mai in Erinnerung, als er zur Mittagszeit nach einem Morgen mit dem Zeichenstift sagte: "Das war's." Brigitte Tübke: "Ich dachte, für diesen Tag. Doch er meinte für immer." Wenig später, am 27. Mai 2004, starb Werner Tübke. Auch sein letztes Werk, die Zeichnung "Alter Friedhof", ist in der Stiftung in der Springerstraße zu sehen.

 Ausstellung "Mit Werner Tübke auf Reisen": bis 15. Juni, Sa/So 14 bis 16 Uhr im Kunstverein Panitzsch. Die Tübke-Stiftung ist jeden Sonnabend von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

 Die Kunsthalle Rostock zeigt vom 22. Juni bis 14. September "Werner Tübke und Michael Triegel - Zwei Meister aus Leipzig"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.05.2014

Thomas Mayer

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