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Türkei kritisiert Dresdner Sinfoniker für Projekt zum Völkermord an den Armeniern

Ärger mit Musikprojekt Türkei kritisiert Dresdner Sinfoniker für Projekt zum Völkermord an den Armeniern

Politiker reagieren bestürzt auf die Einmischung der Türkei – der EU-Botschafter der Türkei hat gegen das Musikprojekt „Aghet“ bei der EU-Kommission in Brüssel interveniert.

Kritisiert die Einflussnahme der Türkei auf das Musikprojekt „Aghet“: Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker.

Quelle: dpa

Dresden. “Ich stehe voll und ganz hinter dem Projekt der Dresdner Sinfoniker. Es ist ein Projekt der Versöhnung und nicht der Konfrontation“, so äußerte sich Hanka Kliese, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion zum Projekt des Orchesters. Für sie sei es inakzeptabel, wie die türkische Regierung erneut versuche in anderen Ländern in grundlegende Freiheitsrechte einzugreifen. „Für uns sind Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit grundlegende Pfeiler der Demokratie und des gesellschaftlichen Zusammenlebens“, sagte die Politikerin.

„Entschärfungen“ in der Ankündigung

Das Projekt, welches im Herbst 2015 in Berlin uraufgeführt wurde und unter anderem auch in Istanbul gastieren soll, wird von der EU mit 200.000 Euro subventioniert. In Brüssel hatte der türkische EU-Botschafter interveniert und verlangt, dass die EU-Kommission die finanzielle Förderung des Projektes einstellt. Dem ist die Kommission bisher nicht nachgekommen. Allerdings wurden, nach Angaben der Dresdner Sinfoniker, „Entschärfungen“ in der Ankündigung auf der Internetseite vorgenommen. Es habe Bedenken bezüglich der Wortwahl gegeben, hieß es aus Brüssel. Daher sei der Text vorübergehend von der Webseite verschwunden. „Sie wollten, dass niemand davon erfährt und dass die Begriffe Genozid und Völkermord getilgt werden“, sagte Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker. „Wir können nicht drum herum, dass es um Völkermord geht.“ Allerdings ist am Montag weiterhin ein Text online, der das Wort Völkermord enthält. Chefsprecher der EU-Kommission Margaritis Schinas äußerte sich am Montag zu dem Fall. So habe man der Türkei mitgeteilt, dass der Text nicht die Meinung der Kommission darstelle, sondern von den Projektverantwortlichen selbst verfasst würde. „Die Kommission kann weder in den künstlerischen Inhalt oder Titel von geförderten Projekten noch in die auf unserer Website veröffentlichten Beschreibungen, die im Bereich der Freiheit der künstlerischen Meinung bleiben, eingreifen.“

Die Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles und Kultur bei der EU-Kommission stehe hinter „Aghet“, berichteten die Dresdner Neuesten Nachrichten. Die Umsetzung sei zu keinem Zeitpunkt infrage gestellt worden, so eine Sprecherin der EU-Kommission.

Kritik aus Politik und Kultur

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann sagte am Montag gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), eine Einmischung der Türkei in deutsche Angelegenheiten dürfe es keinesfalls geben. Er forderte die EU-Kommission auf, die Änderungen auf der Internetseite zurück zu nehmen und den Text der Sinfoniker im ursprünglichen Wortlaut zu belassen. Es ist nicht die Aufgabe der Kommission, sich in künstlerische Prozesse einzumischen“, betonte er.

Auch die Dresdner EU-Abgeordnete Cornelia Ernst (Linke) kritisierte die Einmischung der Türkei scharf. Die EU-Kommission müsse standhaft bleiben. Der Vorsitzende der Grünen Cem Özdemir und die sächsische Kultusministerin Eva-Maria Stange (SPD) äußerten sich ebenfalls besorgt über die Vorgänge.

Der armenische Begriff „Aghet“ (dt.: Katastrophe) steht für den Genozid an der christlichen Minderheit im Osmanischen Reich mit bis zu 1,5 Millionen Toten, der vor 101 Jahren im Ersten Weltkrieg begann. Die Türkei wehrt sich gegen diese Einstufung des Massakers zwischen 1915 und 1917 als Genozid.

Von kul/dpa

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