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Tut-tut-tut: Die Academixer fliegen tief

Tut-tut-tut: Die Academixer fliegen tief

Das kabarettistische Zielgebiet liegt im Schmerzzentrum. Satire mit all ihren hübschen Bösartigkeiten darf und soll ordentlich weh tun. Die jüngste Produktion des Kabaretts Academixer, die am Sonntag Premiere feierte, hat diese Vorgabe auf verhängnisvolle Weise erreicht: Das Programm "Traumziele" schmerzt, sehr sogar - durch seine inhaltliche Harmlosigkeit.

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Inspektion am Flughafen Berlin-Brandenburg: Peter Treuner, Ralf Bärwolff und Carolin Fischer in "Traumziele".

Quelle: Wolfgang Zeyen

H.G. Butzko, Selbstbezeichnung "Hirnschrittmacher des deutschen Kabaretts", mag als Solist einen tollen Job machen; als Autor für Fremderzeugnisse liefert er zumindest hier Beliebigkeitsstoff, den die Mixer mit einer Reihe von Texten anderer Autoren aufgepolstert haben. Das Ganze wirkt auf unselige Weise homogen - selten erreicht der Qualitätspegel das mittlere Maß.

Drehkreuz für "Traumziele" ist ein Flughafen; hier endet oder beginnt die Flucht, die Reise, die Geschäftstüchtigkeit, der Flugmodus des Mobiltelefons. Und natürlich schreit solch ein Spielrahmen nach einer Nummer zum Desaster des Berlin-Brandenburger Airports. Die Umsetzung hingegen mutet weniger kabarettistisch an, sondern wie das Ergebnis eines alkoholseligen Brainstormings am Stammtisch. Ob denn wenigstens die Toiletten jetzt Wasser hätten, will der Politiker beim Ortstermin wissen. "Ja, bei Regen", so die Antwort. Sensationell auch die Idee, Geld für den Brandschutz zu sparen: Überall postierte Hartz-IV-Empfänger rufen bei Rauchentwicklung "Tut-tut-tut". Wer das als Analyse politisch-planerischer Schildbürgerei verbucht, lacht auch darüber, dass der Tower gar nicht mehr schief gebaut ist, wenn man den Kopf entsprechend schräg hält.

Solch ein Niveau reicht selbst für das naturgemäß wohlwollende Premierenpublikum nur für vereinzeltes Kichern in einer von zahlreichen Szenen, die nicht auf den Punkt kommen. Was effektiv daran ist, von München aus mit dem Taxi nach Frankfurt zu fahren und dann zu Fuß nach Leipzig zu gehen, bleibt Geheimnis des Autors.

Ausreißer des Abends ist nicht von ungefähr eine spielerisch-musikalische Nummer: Pianist Enrico Wirth, der meist als Stimme für Flughafen-Ansagen fungiert, wirft seiner rechten Hand ein blondes Perückchen über und lässt sie in einer Art Playback-Bauchrednerei singen ("Jetzt ist es Liebe"); das überrascht und hat Schmiss. An den Tasten kommt Wirth eher selten zum Zug. Und dass Synthie-Sound aus der Konserve dazugeschaltet wird, mutet an wie ein Misstrauensantrag gegen Livemusik.

Am Schwung der Darsteller liegt's in dieser Produktion nicht, Regisseur Hans Holzbecher bringt zumindest Bewegung in die Starre der textlichen Vorlagen. Herausragend dabei: Ralf Bärwolff mit variablem Spiel, Sicher- und Lockerheit auch beim spontanen Reagieren.

Nach der Pause verlängert sich das Satire- und Pointen-Embargo, zunächst aufgepeppt mit der zackigen Soldatenepisode, in der es um Truppen-Verweichlichung durch Elternteilzeit und Heimurlaub für die Zeugungsphase geht. Den Einfluss von Militärmutti von der Leyen zu karikieren, bietet halt weniger Mühe als das Zuspitzen der politischen Gemengelage in der Ukraine. Dass man am Flughafen gestrandete Flüchtlinge an ihrem (Nicht-)Gepäck erkennt, muss reichen, um auch diesen Aspekt abhaken zu können.

Was letztlich im lange verschollenen Koffer von Passagier Kerkhoven lauert, ist unerheblich. Zum Zeitpunkt der Auflösung hat die Ansammlung aus Belanglosigkeit das Interesse an der Auflösung eingeschläfert. Höflichkeits-Applaus nach knapp zwei Stunden Nicht-Kabarett. So zäh, naiv und uninspiriert, dass es weh tut. Oder qualmt? Tut-tut-tut. Mark Daniel

iNächste Vorstellungen heute und morgen (jeweils 20 Uhr) sowie 4. bis 6. Mai, Kartentelefon 0341 21787878.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.04.2014
Mark Daniel

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