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US-Rockikone Bob Dylan erhält den Literaturnobelpreis

Neue poetische Ausdrucksformen US-Rockikone Bob Dylan erhält den Literaturnobelpreis

Der diesjährige Literaturnobelpreis geht an die US-Rockikone Bob Dylan. Der 75-Jährige werde für die Schaffung „neuer poetischer Ausdrucksformen“ in der großen Tradition der amerikanischen Musik geehrt.

Bob Dylan erhält den Literaturnobelpreis 2016.
 

Quelle: dpa

Stockholm.  - Der diesjährige Literaturnobelpreis geht an die US-Rockikone Bob Dylan. Der 75-Jährige werde für die Schaffung „neuer poetischer Ausdrucksformen“ in der großen Tradition der amerikanischen Musik geehrt, erklärte die Sprecherin der Schwedischen Akademie, Sara Danius, am Donnerstag in Stockholm.

Dylan, der bereits mehrfach für die Auszeichnung im Gespräch war, gilt als einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts.

Der am 24. Mai 1941 geborene Dylan prägt die Folk- und Rockszene seit rund fünfeinhalb Jahrzehnten. Bekannt ist er unter anderem für seine Songs „Blowin“ In the Wind„ und “The Times they Are A-Changin„. Legendär ist sein Auftritt beim Newport-Folkfestival 1965, als er die akustische durch die E-Gitarre ersetzte und damit eingefleischte Folk-Fans nachhaltig vergrätzte. Doch Dylan schrieb damit Musikgeschichte und wurde zu einem der Wegbereiter des Rock. Zuletzt veröffentlichte die Musiklegende mit “Fallen Angels„ ihr 37. Studioalbum - mit Popstücken, die einst Frank Sinatra sang.

Bob Dylan im Porträt

Rund 20 Jahre lang wurde Bob Dylan mit schöner Regelmäßigkeit für den Nobelpreis vorgeschlagen, doch stets ging der Dauerbrenner unter den Kandidaten leer aus. Zu gewagt erschien es offenkundig der Jury, einem Musiker - und sei es auch der berühmteste Songschreiber überhaupt - die höchste Literaturauszeichnung der Welt zuzuerkennen. Nun hat sie sich getraut. Diesmal haben die favorisierten Romanautoren und Dramatiker das Nachsehen.

Von einigen Skeptikern abgesehen, dürften die meisten gut 50 Jahre nach Dylans Karrierestart anerkennen, dass der Autor von Folk-, Blues- und Rock-Lyrik wie „Masters Of War“, „Like A Rolling Stone“ oder „Visions Of Johanna“ ein würdiger Preisträger ist. Den Pulitzer-Preis für „lyrische Kompositionen von außerordentlicher poetischer Kraft“ hatte er ja bereits.

Seinen Ruf als Revolutionär der Folk- und Rockmusik erwirbt sich Dylan schon Anfang der 60er Jahre, als er die Zeichen einer unruhigen Zeit richtig deutet. Seinen Start als Singer-Songwriter beschreibt er später in der literarisch anspruchsvollen Autobiografie „Chronicles“ (2004) so: „Amerika wandelte sich. Ich ahnte eine schicksalhafte Wendung voraus und schwamm einfach mit dem Strom der Veränderung.“

Der als Robert („Bobby“) Allen Zimmerman geborene junge Mann aus Duluth/Minnesota benennt sich vermutlich nach einem literarischen Idol um, dem walisischen Dichter Dylan Thomas. Der Erfolg stellt sich mit dem Song „Blowin' In The Wind“ (1963) ein. Wütende Lieder wie „Masters Of War“ oder „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ qualifizieren Dylan für die weltweite Jugend- und Protestbewegung.

Lyrics von beispielloser Qualität

Danach mutiert er zum Rockmusiker mit elektrischer Gitarre, komponiert und textet Mitte, Ende der 60er Jahre Album- und Songklassiker in Serie. Seine mit Metaphern, Symbolen und Anspielungen durchsetzten Lyrics sind von beispielloser Qualität.

Nach wechselvollen, künstlerisch oft unbefriedigenden 70er und 80er Jahren kommt Dylans Rehabilitierung 1997 mit dem ersten großen Alterswerk „Time Out Of Mind“ - einer Platte voller düsterer, anspruchsvoller Texte, die zu seinen besten zählen. Seitdem hat er einen Lauf, setzt alle paar Jahre Ausrufezeichen wie „Modern Times“ (2006) oder das erneut von literarischen, geschichtlichen und biblischen Anspielungen wimmelnde „Tempest“ (2012). Rund 100 Millionen Tonträger soll Dylan inzwischen verkauft haben.

Seinem deutschen Biografen Heinrich Detering zufolge beziehen sich die Songtexte des Amerikaners „auf Dichtungen unterschiedlichster Zeitalter und Kulturen: von der Bibel und Homers "Odyssee" über die Dichtungen der römischen Kaiserzeit (Ovid, Vergil, Juvenal), die mittelalterlichen Mysterienspiele und Shakespeares Dramen bis zur amerikanischen Romantik, den französischen "poètes maudits" und dem Theater Bertolt Brechts“. Und nicht zuletzt hebt der Literaturwissenschaftler die Geistesverwandtschaft Dylans mit „Beat-Poeten“ wie Jack Kerouac und Allen Ginsberg hervor.

Von LVZ

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Stockholm
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