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Über 20.000 Menschen pilgern zum Melt-Festival in der Stadt aus Eisen

Schlaflos in Ferropolis Über 20.000 Menschen pilgern zum Melt-Festival in der Stadt aus Eisen

In der Baggerstadt Ferropolis bei Gräfenhainichen (Landkreis Wittenberg) werden wieder Tausende Fans zum alljährlichen Melt-Festival erwartet. Die Veranstalter rechneten bis zum Sonntag mit rund 20.000 Besuchern.

Etwa 20.000 Menschen haben am Wochenende beim Melt!-Festival in Ferropolis gefeiert.

Quelle: Alexander Prautzsch

Leipzig/Gräfenhainichen. Blumenkinder, Glitzer und viel Liebe: Unter dem Motto „Meltfrieden“ haben am Wochenende über 20 000 feierwütige Musikliebhaber in Ferropolis bei Gräfenhainichen zusammengefunden. Wie immer ist das Melt von Vielfalt geprägt – und das auf verschiedenen Wegen. Das Festival-Line-Up: so international wie das Publikum. Auf dem Zeltplatz trifft man neben Deutschen viele Briten und Niederländer; aus ganz Europa reisen die Menschen an, um hier vier Tage zu feiern. So divers wie die Besucher sind auch die Genres: Indie, HipHop, Electro und Funk sind nur ein paar der Kleckse, die das Melt-Gesamtbild färben.

Am ersten offiziellen Festivaltag berauscht M.I.A., britische Sängerin und Produzentin, das Publikum. Mit einer Mischung aus HipHop und Funk bewegt sie die Massen. Ihre Texte sind politisch und gesellschaftskritisch, „Borders“ beispielsweise thematisiert die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer. Ihre Fans feiern sie tanzend im Regen – der an diesem Festivaltag leider nicht mehr aufhört.

Zum Melt!-Festival in Ferropolis bei Gräfenhainichen feierten am Wochenende etwa 20.000 Menschen zur Musik von Die Antwoord, M.I.A oder The Kills. (Bilder: Alexander Prautzsch)

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Die Bagger des ehemaligen Tagebaus leuchten in den verschiedensten Farben, die Pyrotechnik spuckt Feuer in die Nacht zu smoothen Klängen und wuchtigen Bässen der Indie-Rock-Band Glass Animals. Die Briten bringen neue und alte Hits, lassen Menschen bei Liedern wie „Gooney“ näher zusammenrücken.

Ein DJ, der sich selbst nicht als Marke sieht und die Musik in den zentralen Fokus setzt, ist Claptone. Der Mann der Heimlichkeiten, immer mit einer Maske hinter dem Pult, lässt die Menge seine House- und Pop-Beats im Sand zelebrieren. Gleich neben der Bühne am Strand liegt eine Chillout-Area, ausgestattet vom Leipziger Label Take A Shot.
Mit bestem Wetter geht es in den Samstag, an dem offiziell erst ab 16 Uhr die Boxen auf dem Festivalgelände aufgedreht werden, doch die Musikdurstig Stage auf dem Zeltplatz zieht schon ab Donnerstag mit ihrem Programm aus Newcomern und gestandenen Acts viele Leute an. Zur Pre-Party am ersten Tag fanden sich bis zu 2000 Besucher ein.

Veranstalterin Nadja Gärtner hat nicht mit dieser schnellen Entwicklung gerechnet: „Wir haben das Ganze erst vor einem Jahr aus dem Boden gestampft – und wir sind schon auf vielen Festivals vertreten.“ Nicht nur auf dem Melt, sondern auch auf dem Splash und dem Lollapalooza sind sie zu finden. Am Samstagnachmittag stimmt Leslie Clio hier auf den Tag ein.

Deutsche HipHop-Fans feiern später Cloud-Rapperin Haiyti und ihren „Reeperbahn-Assi-Rap“, wie die Hamburgerin das selbst bezeichnet. „Ich bin total geflasht, dass so viele gekommen sind“, sagt sie und schenkt ihren Fans mit dem neuen Song über ihren Mafia-Onkel einen Ohrwurm.

Einen krassen Gegensatz zum „Assi-Rap“ bildet die Band Bilderbuch. Die Musiker verteilen auf der Main Stage Endorphine, bekennen sich in ihrem Song „Babylon“ zur Religion der Liebe und wickeln ihre Zuhörer mit wärmenden Worten ein: „Das ist alles für die Liebe.“ Musikalisch befinden sich die vier Österreicher zwischen Funk und Indierock und scheuen sich nicht, die Grenzen der Genres zu verwischen – kreative Gitarrensoli und ironische Texte sind ihr Markenzeichen.

Doch nicht nur Liebe wird verteilt: DJ Konstantin vom Label Giegling aus Weimar hat seinen Slot durch sexistische Aussagen vorab im Grunde selbst gecancelt. Nach Diskussionen im Social Media gaben die Veranstalter bekannt, ihn nicht auftreten zu lassen. Sie sorgen in diesem Jahr mit ihrer ID-Afternoon Stage für mehr Transparenz, mehr Nahbarkeit, haben dort ein offenes Ohr für Fragen, und man kann sich in Panel-Diskussionen einbringen, an Talks mit Künstlern und an Workshops teilnehmen.

Im Art Space in der Orangerie gibt es die Weltpremiere von Feed II zu sehen, einer Raum- und Lichtinstallation von Kurt Henschläger. Der in Chicago lebende Künstler versetzt die Zuschauer in eine andere Welt. Töne dröhnen durch die verlassene Fabrikhalle, auf der Leinwand werden Menschenknäule zusammen und wieder auseinander getrieben – danach Nebel und flackernde Lichter. Ein einzigartiges Erlebnis.

Hinter den stählernen Kolossen führt ein schmaler Weg hinab in einen kleinen Wald. Birkenbäume umranden die Sisyphos Stage, die mit bunten Lichtern und mystischem Nebel wie ein spontanes Open Air im Grünen anmutet. Bunte Deko rankt in den Himmel, genauso wie die mitgebrachten Gebilde der Besucher: Quallenähnliche Objekte und Einhörner tanzen mit im bunten Pulk.

Mit atmosphärischen Synthesizern verzaubert Hauptact Bonobo. Der Produzent und Musiker lässt – wie beim Titel „Break Apart“ – minimale, ruhige Klänge mit einem Bühnenbild voller Gebirgsketten und Seen verschmelzen. Für all jene, die kein Auge zu bekommen können oder wollen geht es in die letzte Instanz: den Sleepless-Floor. Erst heute Mittag endet dort ein fulminantes Festivalwochenende.

Sarah Englisch

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