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Überflieger des neuen deutschen Jazz: Michael Wollny als Stargast der „Reihe 2“

Jazzclub Überflieger des neuen deutschen Jazz: Michael Wollny als Stargast der „Reihe 2“

Zum siebten Mal haben Schlagzeuger Philipp Scholz und Bassist Robert Lucaciu am Montagabend geistesverwandte Jazzmusiker zu ihrer „Reihe 2“ in die Nato eingeladen. Dass der Saal ausverkauft war, mag auch daran gelegen haben, dass mit Pianist Michael Wollny der aktuelle Überflieger des neuen deutschen Jazz dazu gehörte – aber bei weitem nicht nur.

Musikalische Bewusstseinsströme: Michael Wollny, Robert Lucaciu, Philipp Scholz und Ronny Graupe (von links) auf der Nato-Bühne.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Philipp Scholz und Robert Lucaciu kennen sich seit knapp zehn Jahren. Inzwischen haben sich der Schlagzeuger und der Kontrabassist nicht nur zu einem formidablen Duo entwickelt, das weit mehr ist als eine gut eingespielte Rhythm-Section. Sie sind entdeckerfreudige Klangabenteurer in eigenen Bands wie im Zusammenspiel mit anderen und als solche, unterstützt vom Jazzclub Leipzig und der Nato, Initiatoren ihrer in schönem Understatement „Reihe 2“ betitelten Unternehmung. Zu der laden sie sich als illustre Gäste geistesverwandte Jazzmusiker ein, deren Stücke sie spielen und neu deuten. Die Reihe ist eine Leipziger Institution mittlerweile. In der Montagnacht gab es schon Folge sieben.

Scholz und Lucaciu müssen sich vor niemandem mehr verstecken. Deswegen wird es nicht nur an der Gegenwart Michael Wollnys gelegen haben, wenn am Montag der im Jazz seltene Fall eintrat, dass mancher der Gekommenen nicht mehr ins Innere des Grals der Nato-Spielstätte eingelassen werden konnte, dichtes Gedränge also. Pianist Wollny ist der aktuelle Überflieger des neuen deutschen Jazz. Spätestens mit seinem Album „Weltentraum“ von 2014, das ein gigantischer Erfolg wurde, katapultierte er sich auf einen der vordersten Plätze der europäischen improvisierten Musik, wozu er auf seinem Trionahkampfplatz wie selbstverständlich hermetische Musiksozialisationen von Coldplay bis Schubert, von Monk bis Messiaen ebenso zupackend wie balladesk zusammenführte. Seit 2014 ist er als Professor an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy nicht weniger als ein Glücksfall.

Nicht der einfache Pfad

Scholz und Lucaciu wären nicht die Impulsgeber, die sie sind, hätten sie es in diesem besonderen Falle beim Klaviertrio belassen. Deswegen engagierten sie Ronny Graupe als Vierten im Bunde. Der ist ein sperriger Gitarrist, der zwischen der jungen Kultband Hyperactive Kid und Altmeister Rolf Kühn seinen Kosmos aufspannt und es in seinen Kompositionen liebt, in größeren Bögen zu denken und dabei die Grenzen von Notiertem und Freiem in ausgedehnten Reflexionen zu verwischen. Zwei Akkordinstrumente gab es also, ein gar nicht gängiges Quartettformat und nicht der einfache Pfad.

Das Ertasten und Entwickeln des Materials jenseits des Traditionellen geriet zum Spannendsten dieses Abends. Basis waren Stücke des Wollny Trios wie „Walpurgisnacht“ oder „Motette no. 1“ vom jüngsten Album „Nachtfahrten“ sowie eine von Star Wars inspirierte, sehr disziplinierte Suite Graupes. Die gegenseitige Annäherung war wie mit Händen zu greifen.

Im ersten Teil trat der allpräsente Wollny noch mit drei Soloausflügen nach vorn, während in Teil zwei dann das Interplay immer mehr an Dichte und Stringenz gewann und sich zu gar nicht auftrumpfenden Gedankenflügen verschränkte. Fern von Routine wurde vorgeführt, wie sich im neuen Jazz mit all seinen den orthodoxen Klang verfremdenden Spieltechniker eine nächste Generation konsolidiert hat, in der man sich ebenso souverän wie risikofreudig jenseits überkommener Muster aufeinander einzulassen in der Lage ist. Daraus entfaltete sich diese knisternde Spannung, die den Abend über das übliche Geschäft hob, in der jeder sich seine Freiräume erspielte, aus denen heraus gemeinsam etwas Größeres erwuchs: musikalische Bewusstseinsströme, die nicht hermetisch blieben, weil sie immer plausibler wurden. Langer, zugeneigter Beifall und zwei Zugaben.

Philipp Scholz begleitet auf seinem Schlagzeug am Mittwoch, 20 Uhr, im Horns Erben (Arndtstraße 33) die Dichterin Nora Gomringer, Eintritt 10/8 Euro

Von Ulrich Steinmetzger

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