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Ulkiges Krippenspiel mit Olaf Schubert im Leipziger Felsenkeller

Gesellschaftskritik subtil verpackt Ulkiges Krippenspiel mit Olaf Schubert im Leipziger Felsenkeller

Olaf Schubert und seine Kumpanen begeisterten ihr Publikum beim Krippenspiel im ausverkauften Felsenkeller. Es ist das 20. Mal, dass die Truppe die Lebensgeschichte des Jesu erzählt. Als Heiland will Schubert dieses Jahr die Fleischfresser missionieren, und die Heiligen Könige sind Flüchtlinge aus dem Orient.

Alles wurst: Olaf Schubert alias Jesus möchte nicht mit Mandy verheiratet werden. Er will lieber Gebote verfassen.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Eigentlich ist er Visionär, Pazifist und Vegetarier in einer Person. Aber seine Oma (Klaus Magnet) betreibt den Partyservice „Maria’s Fleischwelt“ und macht es ihm nicht leicht. Sie zwingt ihren Enkel Jesus Christus (Olaf Schubert), im Familienbetrieb mitzuhelfen. Statt aus 40 Wiener Würsten Frankfurter zu kreieren, verwandelt der junge Jesus lieber Wasser zu Wein und Becks zu Bier. Für diesen kleinen Abschmunzler gibt es vom Publikum im ausverkauften Felsenkeller in Leipzig-Plagwitz gleich begeisterten Applaus.

Am Montagabend verfolgten 750 Menschen Schuberts Krippenspiel „Jesus wird 20 – Die Fete geht weiter! Mit Best of Doppelhochzeit“. Die Aufführungen am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag sind ebenfalls ausverkauft. So beliebt ist das alljährliche Krippenspiel schon, das dieses Mal seinen 20. Geburtstag feiert. Betroffenheitslyriker und Publikumsliebling Olaf Schubert, der durch regelmäßige Auftritte im Quatsch Comedy Club (ProSieben), in der heute-show (ZDF) oder beim Satiregipfel (ARD) auch überregional bekannt geworden ist, präsentiert beim Krippenspiel soliden, bodenständigen Humor, der durch den Erfolg im TV-Geschäft nicht an Doppelzüngigkeit und geistiger Tiefe verloren hat.

Gesellschaftskritik subtil verpackt

Ob Angela Merkel, Sepp Blatter oder Martin Winterkorn – die größten Skandale aus dem Jahre 2015 servieren Schubert und seine fünf Kumpanen auf dem Silbertablett, abgeschmeckt mit einer Prise bitterböser Ironie und einem Teelöffel heiterer Schlagfertigkeit. Merkels Worte zur Flüchtlingsproblematik fasst Schubert alias Jesus zum Beispiel so zusammen: „Eine Obergrenze für Schwachsinn wird es nicht geben.“

Zu den Flüchtlingen äußert sich Schubert auch. Als Jesus Besuch von den drei Heiligen Königen bekommt, sagt er freudig: „Refugees willkommen. Mein Herz schlägt für euch“. Obwohl er findet, dass Caspar, Melchior, Balthasar schlecht gekleidet sind („Nicht jeder hat die Mittel, mit der modischen Zeit zu gehen“), will er die Fremden aus dem Orient mit Senfpeitsche und Kinderpastete bewirten. Typische Wortscharmützel („Plitzplotz“ und „Plotzplitz“) entwischen Schubert, als er alias Jesus erfährt, dass die drei kein Fleisch essen. Verwundert stellt er fest: „Wo sind wir denn hier?“

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Olaf Schubert und seine fünfköpfige Crew begeistern 750 Zuschauer im Felsenkeller. Alias Jesus will Schubert den zügellosen Fleischkonsum stoppen, scheitert aber und landet am Ende am Kreuz.

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Dahinter verbirgt sich eine Kritik, die den zügellosen Fleischkonsum der Gesellschaft trifft und ihren Höhepunkt in dem umgedichteten Glaubensbekenntnis „Vater unser“ findet: „Dein Fleischsalat komme“/„Unser täglich Wurst gib uns heute“/ „Wir vergeben den Vegetariern“/„Und führe uns nicht in den Obstladen“. Wer nicht in eine Knacker beißt, so scheint es, ist schon unten durch. „Wurst macht krank“, rügt aber der rebellische Jesus seine übergewichtige Oma, die zu 500 Prozent an Krebs erkrankt.

Jesus feilt am ersten seiner zehn Gebote

Nachdem der junge Messias von den Heiligen Königen das Rüstzeug fürs Verkündigungsbiz erhalten hat, möchte er gleich das erste von zehn Geboten manifestieren. Nicht wie ein Gesetz, sondern pfiffig und antiautoritär sollen die Thesen sein, um auch bei den Jugendlichen gut anzukommen.

Weiter als „Echt toll wäre, regelrecht krass, wenn du nicht deines Nächsten Weib begehrst – es sei denn ...“ kommt Jesus dann nicht, denn Josef (Jochen Barkas) und Oma Maria möchten ihn mit Mandy Mantelbaum (Stephan Gräber) verkuppeln: Jesus soll heiraten. Der aber möchte lieber „Buße tun“, als nach „Buse greifen“.

Aktivistin Mandy trägt übrigens weiße Nuttenstiefel und unter der Regenbogenfahne ein knappes Kleid mit Western-Korsett. Sie verkörpert den unentschlossenen Frauentypus, der zwischen Emanzipationsidealen und rollentradiertem Sexappeal schwankt.

Abendmahl und Kreuzigung wieder bibelgetreuer

Schließlich hält sich das Drehbuch strikt an die Bibel und der Messias wird beim Abendmahl verraten, während Musik der Bautzener Phantomdisko und Beethovens 5. Sinfonie durch den Raum wabern. Das Kreuz, an das Jesus gehängt wird, hat wie im Vorjahr ein paar Haken zu viel. Auch wenn Jesus es nicht schafft, die Fleischfresser auf der Erde zu bekehren, beschließt er – am Kreuz – einfach dranzubleiben.

Von Melanie Steitz

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