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Umstrittenes 3-Tage-Spiel: Drei Fragen an Uwe Bautz, Chefdramaturg am Centraltheater

Umstrittenes 3-Tage-Spiel: Drei Fragen an Uwe Bautz, Chefdramaturg am Centraltheater

Hermann Nitsch erregt wieder einmal den Protest von Tierschützern. Der Vertreter des Wiener Aktionismus ist vom 21. bis 23. Juni im Leipziger Centraltheater zu Gast und inszeniert sein 3-Tage-Spiel.

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Uwe Bautz, Chefdramaturg am Centraltheater Leipzig.

Quelle: Andreas Doering

Leipzig. Zum ersten Mal stellt der 75-Jährige seine spektakulären Aktionen, bei denen Bühnenaktionen mit Tierkadavern und viel Blut im Mittelpunkt stehen, im Osten Deutschlands vor. Jürgen Kleindienst sprach mit Cheframaturg Uwe Bautz über die heftigen Reaktionen im Vorfeld.

Frage:

Tierschützer halten Hermann Nitsch Tiermord im Namen der Kunst vor. Eine entsprechende Online-Petition wurde bereits von über 11.000 Personen unterschrieben. Was sagen Sie dazu?

Uwe Bautz:

Wir haben ja bereits klargestellt, dass auf der Bühne keine Tiere getötet oder gequält werden. Wir sehen uns als Gegner der Massentierhaltung und des wahnsinnigen Fleischkonsums in unserer Gesellschaft. Das ist aber gar nicht der Punkt, um den es Nitsch geht. Er nimmt für seine Kunst Tiere, die ohnehin geschlachtet werden, ohnehin in den Kreislauf des Verzehrs gebracht würden.

Wenn man gegen jegliches Schlachten von Tieren für menschliche Bedürfnisse ist, dann wäre ich sehr froh, wenn wir diese Bewegung permanent im Bewusstsein hätten. In einem solchen Sinne sehe ich Nitsch als Teil dieser Bewegung. Er ist ein Tierschützer.

Das ist jetzt aber nicht direkt Thema der Aktion ...

Ihm geht es um ein Erlebnis für die fünf Sinne, bei dem man die Grenzerfahrungen körperlich spüren kann. Wenn das manchen zu weit geht, sind wir ja die letzten, die das nicht respektieren. Aber hier im Theater findet kein Zynismus, keine Ironie, kein leichtfertiges Umgehen mit der Würde und dem Ansehen von Menschen oder Tieren statt, sondern ein hochkonzentrierter Versuch, einen Raum zu schaffen, in dem man bestimmte Grenzerfahrungen, die wir verdrängt haben, machen kann.

Da ist eine direkte Verbindung zur christlichen Kultur, und da sind wie ganz schnell bei Wagner und seinem Erlösungsgedanken. Was Nitsch an diesem Abend macht, ist Teil jedes Abendmahls, jeder Passion. Es geht ihm nicht um billige Effekte. Er arbeitet in einem hochkomplexen System von Partitur, opernhafter Arbeit, Theater- und Bildritual. Nitsch ist weit davon entfernt, mit dem Provokationsvorsatz herumzulaufen.

Was für Kadaver holt sich Herr Nitsch denn nun aus dem Schlachthof?

Ich glaube, es geht um einen Stier. Uns war klar: wenn wir uns einen bildenden Künstler holen, der sein Leben lang an einer Theatervision arbeitet, holen, dann bedeutet das etwas. Auch, dass sich das Theater jenseits von Theater erweitert. Grenzverschiebung und -erweiterung ist seit fünf Jahren unser Thema.

Jürgen Kleindienst

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