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Ungewohnt eindimensional: Murray Perahia spielt im Leipziger Gewandhaus

Ungewohnt eindimensional: Murray Perahia spielt im Leipziger Gewandhaus

Murray Perahia ist ein Mythos am Klavier. Wegen der auf ungezählten CDs dokumentierten Klarheit und Delikatesse seines Spiels - und wegen der Tragik, die seine Karriere für Jahre überschattete, als eine Entzündung seines Daumens ihm in den 90ern das Klavierspiel unmöglich machte.

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Murray Perahia am Gewandhaus-Flügel.

Quelle: André Kempner

Lang ist das her, längst ist er zurück auf dem Pianisten-Olymp, im Aufnahmestudio, wo er nicht nur, aber vor allem mit grandiosen Bach-Einspielungen auf sich aufmerksam machte, und auf der Bühne - beispielsweise am Montagabend im gut besuchten Leipziger Gewandhaus.

Ein sympathisch altmodisches Programm hat der 1947 in New York Geborene für sein Leipziger Recital zusammengestellt. Mit Haydns D-Dur-Sonate (Hob. XVI: 24) beginnend, spannt es den Bogen über Bach, Beethoven und Schubert bis Chopin. Und gerade der Start mit dem so sträflich vernachlässigten Haydn berechtigt zu den schönsten Hoffnungen. Da ist keine Spur von der harmlosen Heiterkeit, die bei diesem Komponisten allzu oft ins Unverbindliche kippt. Perahia nimmt Papa Haydn ernst, lässt vom ersten Ton an keinen Zweifel daran zu, dass ohne seine Klaviersonaten Beethovens Beiträge zur Gattung nicht denkbar gewesen wären. Und so lässt Perahia aus Haydns D-Dur-Sonate und Beethovens "Les Adieux" den gleichen Geist atmen. Dramatisch ist er, wuchtig, dabei kristallin und präzise. Bei Haydn tief beeindruckend, bei Beethoven vielleicht eine Spur zu handfest.

Überhaupt macht dieser Klavierabend nicht rundum glücklich. Denn den Herrlichkeiten bei Haydn steht in den anderen Werken des Abends eine befremdliche Oberflächlichkeit gegenüber und ein Hang zur Verhärtung des Anschlags, die man so gerade bei Perahia kaum erwarten würde. Bachs Französische Suite inEs-Dur (BWV 815a) bleibt seltsam kalt; in Schuberts Moments musicaux (op. 94) blitzt mitunter poetischer Zauber auf, aber auch hier, bei diesen grandiosen Miniaturen, bleibt vieles mit allzu großer Geste im Effekt stecken.

Weil Perahia beinahe den ganzen Abend über die Zartheit verweigert, zu der sein Anschlag ihn eigentlich befähigte. So wirkt auch Chopins Fis-Dur-Impromptu eher gewaltig als poetisch, und im b-moll-Scherzo, das überdies auch im Tempo merkwürdig instabil bleibt, schiebt sich motorisches Selbstläufertum vor gestaltende Beherrschung.

Virtuos ist das, von kleineren Ungereimtheiten abgesehen durchaus eindrucksvoll -aber auch ungewohnt eindimensional. Was auch für zwei der drei hartnäckig erklatschten Zugaben gilt: Chopins F-Dur-Nocturne aus Opus 15 und Schuberts Es-Dur-Impromptu aus Opus 90. Nur Brahms' Intermezzo Opus 119/2 zeigt noch einmal, zu welcher Farbenfülle, zu welcher Poesie, welcher Kraft Murrray Perahia eigentlich befähigt ist - wenn er einen besseren Abend hat als am Montag in Leipzig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.04.2013

Peter Korfmacher

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