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Urkomischer Klau der Identität: Theater Fact mit rasantem "Amphitryon" in Webers Hof

Urkomischer Klau der Identität: Theater Fact mit rasantem "Amphitryon" in Webers Hof

"Amphitryon" ist nicht unbedingt das erste, was einem als perfektes Stück fürs Sommertheater einfällt. Statt Leichtigkeit liegt eine fast schon bleierne Schwere über der Geschichte des Identitätsklaus, den Zeus am Feldherrn Amphitryon verübt, um mit dessen Frau Alkmene den Halbgott Herakles zu zeugen.

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Lüstern: Alkmene (Jördis Wölk) und Zeus (Manuel Wagner).

Quelle: André Kempner

Dass es dennoch für einen sehr vergnüglichen Abend taugt, zeigt Regisseurin Ev Schreiber in der aktuellen Sommertheaterinszenierung des Theater Fact, die sich freilich weniger an dem schweren Kleist-Text als der deutlich luftigeren, aber auch älteren Variante von Molière bedient und sie dabei deutlich aufpeppt.

So werden die bei Molière doch eher eindimensionalen Frauenbilder mit deutlich mehr Tiefe versehen, mit eigenem Willen zur Lust, aber auch durchaus eigenem Kopf - die Emanzipation ist auch hier nicht spurlos am Theater vorbeigegangen und lässt am Ende sowohl Zeus als auch den getäuschten Amphytrion ratlos zurück.

Schreiber erzählt die Geschichte mit fünf Darstellern, davon drei in Doppelbesetzungen plus der Identitätswechsel, die eh bereits zur Handlung gehören. Dem muss man erst mal folgen. Doch Sascha Kiesewetter und André Ryll, die als Amphitryon/Hermes und Sosias/Engel der Macht die größten Doppelaufgaben haben, schaffen diesen permanenten Spagat außerordentlich, da es ihnen gelingt ihre verschiedenen Rollen klar unterschiedlich anzulegen. Christoph Kukla hat für das Spiel Webers Hof mit zwei orangenen, felsartigen Podesten ausgestattet und die Wände in türkis-blaue Stoffflächen gewandet.

Darin können sich die Spieler nun austoben. Allen voran Christina Wöllner als Charis im tüllwallenden Kleid, bei der als lusthungriger Dienerin die Fäden im Hause Amphitryon zusammenlaufen und die besonders im Zusammenspiel mit der leicht distanzierten, bald aber aufbrausenden Alkmene (Jördis Wölk) eine humoristische Fallhöhe produziert. Urkomisch ist auch die Szene zwischen Sosias und Hermes, bei der Ryll ein wahres Furchtballett veranstaltet, auch wenn zur Premiere vergangenen Samstag der finale Effektschlag wegen eines fehlenden Feuerzeugs misslang.

Manuel Wagners Zeus wiederum ist ähnlich lüstern wie Charis, und die Liebesszene zwischen ihm und Alkmene gehört wohl zur putzigsten Laken-Bett-Action seit langem. Dagegen setzt Kiesewetter einen staatstragenden Amphitryon par excellence. Die Gemengelage stimmt, aber die Konzentration auf das Turbulente lässt die tragischen Momente, die sich ohnehin sehr schnell auflösen, nie die Oberhand gewinnen.

Damit nimmt Schreiber den Moment des Lustspiels ernst in ihrer knapp über zwei Stunden dauernden Inszenierung, die nicht nur flott, sondern auch durchaus einfallsreich mit tollen Bildern und Ideen daherkommt. Alles in allem ein kurzweiliges Sommertheater, das en passant sogar einen Stoff der klassischen Antike wieder aufleben lässt.

"Amphitryon - Aus den Wolken kommt das Glück", bis 6. September täglich (außer montags und 13. Juli), jeweils 21 Uhr, Webers Hof (Hainstraße 3), Karten für 17/9 Euro (mit Menü 29 Euro): 0341 9614080

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.07.2014
Torben Ibs

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