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Utopie zum Tanzen: Systemkritik mit Ja, Panik! im Conne Island

Utopie zum Tanzen: Systemkritik mit Ja, Panik! im Conne Island

"One world, one love, no nations": Die Idee ist gut, und die Welt am Mittwochabend im Conne Island auch bereit - dennoch weht beim Ja, Panik!-Konzert kein revolutionärer Geist und bleibt die Atmosphäre irritierend kühl.

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Andreas Spechtl (Mitte) und Kollegen: Ja, Panik! im Conne Island.

Quelle: Christian Nitsche

Das könnte am neuen Album liegen, das die österreichische, in Berlin ansässige Gruppe hauptsächlich spielt: "Libertatia" hat einen positiven Grundton, der ab und zu - wie im titelgebenden Stück - progressiv, aber meist belanglos wirkt. In "Dance the ECB" wird das größte Problem deutlich: Die Schizophrenie eines tanzbaren, sommerleichten Liedes, das sich auch so anfühlt - aber mit "Shake die Staatsfinanzen, zwing sie zum Tanzen" einfach ein zu komplexes Thema zum Bootyshaken vorlegt.

Was kann kommen nach einem Album wie "Dmd Kiu Lidt", "Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit"? Destruktion, Resignation, ja, Panik? "Libertatia" geht neue, andere Wege, ohne den Geist der Utopie und Kritik preiszugeben, was prinzipiell gut ist. Das Irritationsmoment besteht jedoch in der hübschen musikalischen Verpackung: Die Zuhörenden finden sich in einem eingängigen Pop-Potpourri wieder, abseits vom Hamburg-geschulten melancholischen bis hymnischen Indieklang der Vorgängeralben.

In Interviews betont Sänger Andreas Spechtl das Interesse, wie im Soul schwierige Inhalte durch leichte Musik zugänglich zu machen. Das erklärt den melodiösen Grenzgang zum Schlager und die funky Beats. Der musikalische Wandel ist inhaltlich-konzeptuell begründet: "Libertatia ist die Unmöglichkeit, für andere zu sprechen", lautet eine der Thesen zum neuen Album, und: "Orte zu befreien, befreit uns hundertmal mehr, als es irgendein freier Ort tun kann".

Konkret: Relativismus statt Totalitarismus, geistige statt konkreter Utopie. Utopie ist nirgendwo und deshalb überall. Die Idee eines anderen, "richtigen" Lebens innerhalb der bestehenden Verhältnisse beschreibt eine subversive Bewegung. Genauso subversiv will auch das Album sein, indem es kritische Inhalte in Mainstream-Musik verpackt - das Auseinanderklaffen von Form und Inhalt ist also gewollt.

Das klingt so verkopft, wie es sich am Ende anfühlt: Es ist interessanter, über die Musik zu reden, als ihr zuzuhören. Konsequent, dass man beim Konzert nicht "mitgerissen" wird, sondern in der Beobachtung verharrt. Musik ist aber mehr, Musik ist sinnlich - und Ja, Panik! können sinnlich sein.

Ganz deutlich wird das bei den letzten Stücken "The Evening Sun" und "Nevermind" vom Vorgängeralbum, eine Art Zugeständnis an das Publikum, das sich nach ernsteren, tieferen Klängen sehnt: "Vielleicht weil es dich nur als den Einen gibt, hinter dem das Viele liegt, bist du fürchterlich verängstigt - aber, nevermind, solang sich deine situation in meine Richtung neigt".

Vielleicht ein gutes Zeichen, wenn die Identifikation mit Musik verweigert wird, die alle Traurigkeit negiert und in Zufriedenheit und Leichtigkeit auflöst. Insoweit es diese Weigerung hervorbringt, ist "Libertatia" doch ein subversives Album: "Libertatia is the Look of Love, wenn die Nacht am tiefsten".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.02.2014

Eva Finkenstein

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