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"Verantwortungsloser Umgang": Fotokünstler verärgert, weil Telekom sein Bild verkaufte

"Verantwortungsloser Umgang": Fotokünstler verärgert, weil Telekom sein Bild verkaufte

Für die Telekom war der Verkauf des Werks "Paris Montparnasse" ein "ganz normaler Vorgang". Der Künstler Andreas Gursky ist über die Umstände des Geschäfts "erschüttert", wie er jetzt der LVZ sagte.

Wie berichtet war die Ikone der modernen Fotografie am 17. Oktober bei einer Sotheby's-Auktion für 1,74 Millionen Euro versteigert worden.

Bis zur Jahrtausendwende hing es in der Kantine der Leipziger Telekom-Niederlassung in der Querstraße. Das Werk hat ein Sondermaß, war von Gursky eigens für seine Geburtsstadt Leipzig angefertigt worden.

 "Der Hauptbeweggrund, überhaupt ein Künstlerexemplar an die Telekom zu verkaufen, war damals für mich die leider nur mündlich getroffene Vereinbarung, dass die Arbeit in den Räumen der Telekom in Leipzig, meiner Geburtsstadt, hängen sollte", sagte Andreas Gursky auf LVZ-Anfrage. Die Arbeit habe ein Sondermaß und sei größer als die eigentliche Edition, da sie extra für die Räumlichkeiten in Leipzig als eine Art "Kunst am Bau" gefertigt wurde, so der 1955 in Leipzig geborene, weltweit erfolgreiche Fotograf, der seit 2010 Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie ist.

 1996 von der Deutschen Telekom, die in diesem Jahr an die Börse gegangen war, für geschätzte 50 000 Mark angekauft, fand das zwei mal vier Meter große 1993 entstandene Werk den gewünschten Platz. Wenige Jahre später schon kam die aus mehreren Aufnahmen zusammengesetzte, einen riesigen lang gestreckten Wohnkomplex zeigende Arbeit in die Telekom-Zentrale nach Bonn, wurde ab 2004 in der Telekom-Hauptstadtrepräsentanz in Berlin untergebracht, bis es dann im Oktober für 1,74 Millionen Euro an einen anonymen Bieter versteigert wurde.

 Die Telekom hatte den Verkauf mit einer Neuausrichtung der eigenen Sammlung begründet. Der Schwerpunkt liege laut Sprecher Stephan Althoff jetzt auf zeitgenössischer Kunst aus Süd-Ost-Europa und der Türkei. "Da für den Aufbau dieser jungen Sammlung kein separates Budget zur Verfügung steht, finanziert sich die Art Collection Telekom aus dem Verkauf von Kunstwerken, die nicht in den Fokus der neuen Sammlung passen", so Althoff.

 Gursky hat für den gesamten Vorgang kein Verständnis: Er sei "erschüttert über den verantwortungslosen Umgang der Telekom mit einem Kunstwerk, das doch eine gewisse Bedeutung besitzt und dem Unternehmen unter der Prämisse anvertraut wurde, dass die Arbeit, die für Leipzig gemacht wurde, auch dort entsprechend verbleiben soll", sagte er. Noch kurz vor der Auktion habe es Versuche gegeben, der Telekom Alternativen anzubieten, "um die Arbeit in Deutschland zu halten und sie idealerweise an ein Museum zu vermitteln". Das jedoch sei ganz offensichtlich nur vorgeblich in Erwägung gezogen worden. Sein Eindruck: "Es scheint, dass das Geschäft mit dem Auktionshaus da bereits längst besiegelt war."

 Den Preis, zu dem das Bild angesetzt war, nannte Gursky "verantwortungslos". Die Arbeit habe sich in einem schlechten Zustand befunden, "der nicht verwundert, da sie jahrelang im hellem Tageslicht in der Kantine der Telekom in Leipzig hing". Ein Künstler sei nicht prinzipiell verpflichtet, einen Neuabzug zu erstellen, "schon gar nicht, wenn die Arbeit nicht mediumgerecht behandelt wurde."

 Die Telekom hoffe anscheinend, so der Fotograf weiter, "dass Probleme, die sich zwangsläufig aus diesem schlechten Erhaltungszustand zukünftig ergeben werden, dann nicht mehr ihre Angelegenheit sind, da sie ja dann den auf den Zustand bezogen unangemessen hohen Verkaufspreis bereits eingestrichen hat."

 Wie berichtet, hatte Leipzigs Kulturbürgermeister Michael Faber die Umstände des Verkaufs als "skandalös" bezeichnet, Hans-Werner Schmidt, Direktor des Museums der bildenden Künste, hatte gefragt, warum die Telekom das nötig gehabt habe. Eine solche Ikone der Fotografie hätte man gerne im eigenen Haus gehabt, so Schmidt.

 Gurskys Resümee ist bitter: "Ich finde es erschreckend, dass ein großes deutsches Unternehmen so unprofessionell und auf allen Ebenen verantwortungslos handelt; offensichtlich hat die Telekom wenig Erfahrung mit den Funktionsweisen des Kunstmarkts und setzt alleine auf Spekulation."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.11.2013

Jürgen Kleindienst

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