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Verdächtigungs-Karussell: Krimi-Komödie „8 Frauen“ im Kaos-Sommertheater

Premiere Verdächtigungs-Karussell: Krimi-Komödie „8 Frauen“ im Kaos-Sommertheater

Die Kulturwerkstatt Kaos in Alt-Lindenau bietet viele künstlerische Kurse. Die Theater-Workshops sind Anknüpfungspunkt für das jährliche Sommertheater. Am Samstag hat auf der idyllischen Seebühne „8 Frauen“ Premiere gehabt.

Acht Frauen, acht Lügen: Es spielen Christiane Liebau, Jasmin Hegele, Katrin Kappenberger, Susanne Lantermann, Madeleine Brandt, Sonia Glade, Romy Marienfeld und Anne John (von links). Im Hintergrund Sänger Felix Haiduk.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Wenn es schon einen Lastenaufzug gibt in der sanierten Kaos-Villa, dann kann man ihn auch gleich ins Szenario einbinden. Die Großmutter lässt sich von der elektrischen Rampe nach oben tragen und fährt im Rollstuhl auf die Terrasse des Landhauses. Gleich gibt’s Frühstück. Die ganze Familie kommt zusammen. Sogar Susanne aus dem englischen Internat hat sich angekündigt. Aber die Idylle trügt in „8 Frauen“, dem Kaos-Sommertheater, das am Samstagabend Premiere feierte. Nichts ist so, wie es scheint.

François Ozon hat das nur aus Frauenrollen bestehende Theaterstück 2002 aus der Mottenkiste geholt und auf die Kinoleinwand gebracht. Mit Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart ... kurz: mit den Stars des französischen Kinos. Doch zum Diven-Krieg kommt es nicht hinter den Kulissen, sondern gewitzt inszeniert auf der Leinwand. Als eine Art Kriminalkomödien-Kammermusical. Seither ist der Stoff von Robert Thomas, 1961 als „8 femmes“ uraufgeführt, wieder häufiger auf Theaterbühnen anzutreffen.

Erfrischend unbeeindruckt von den Interpretationen der Stars werfen sich die jungen Schauspielerinnen in die Rollen. Mitunter überengagiert, die Pose zu deutlich zur Schau gestellt, die Betonung übertourt. Was verzeihlich ist, denn erstens finden die Schauspielerinnen dennoch eine klare Stoßrichtung für ihre jeweilige Figur. Und zweitens vertun sich, wenn Komödienschwung angesagt ist und die Spielfreude tanzt, auch erfahrenere Kollegen mit der Feindosierung. Und hier, auf der Kaos-Sommerbühne, bekommt es das Publikum mit jungen Amateurinnen zu tun, die sich zum Teil zu Zeiten der Filmpremiere eher für „Biene Maja“ als für „8 femmes“ entschieden hätten.

Immer geht etwas zu Bruch

Die Kulturwerkstatt Kaos in Alt-Lindenau bietet viele künstlerische Kurse. Die Theater-Workshops sind Anknüpfungspunkt für das jährliche Sommertheater. Entstanden sind langjährige Kontakte. Lisa Wilfert, selbst häufig als Schauspielerin dabei, hält in diesem Jahr die Regie-Zügel in der Hand. Singen lässt sie ihre Protagonistinnen anders als im Film nicht. Dafür tritt zu schmalzigen Klängen (und mit ebensolcher Frisur) Felix Haiduk immer wieder auf dem Balkon ans Mikro. Zweiter Gag, der sich durch den Abend zieht: Wann immer das neue Zimmermädchen Louise (Katrin Kippenberger) ins Haus rennt, geht etwas zu Bruch. Scheint nicht so ihr Metier zu sein – aber sie ist ja auch nur im Haus, weil sie eine geheime Liaison mit dem Hausherrn Marcel pflegt.

Ach ja, der Hausherr. Den bekommt man gar nicht zu Gesicht. Er liegt tot in seinem Zimmer. Mit einem Brieföffner im Rücken. Und in der abgeschiedenen Villa dämmert den Damen die Erkenntnis, dass sich die Mörderin unter ihnen befinden muss. Dass die Telefonleitung gekappt und das Hoftor verschlossen ist, macht die Situation nicht behaglicher. Die jüngste Tochter Catherine (Sonia Glade), Krimi-Leserin, befindet sich auf einmal selbst in einem Agathe-Christie-Plot und reißt das Kommando an sich. Nach und nach werden die Geheimnisse der Frauen ans Licht gezerrt – und so gut wie jede hatte ihr Mord-Motiv. Selbst Ehefrau Gaby (Christiane Liebau) sitzt heimlich schon auf gepackten Koffern, um mit dem Herrn durchzubrennen, der ihren Gatten als Teilhaber in den Ruin gestürzt hat. Alles in allem „egoistische Drecksfotzen“, um es mit den Worten Catherines zu sagen.

Das turbulente Verdächtigungs-Karussell kreist. Gewürzt mit ein paar Gags, wenn etwa die Oma beim Fluchtversuch aus dem Rollstuhl schnellt und lossprintet. Am Ende hat Catherine den Mord nur inszeniert, um die anderen Frauen zu entlarven. Hier folgt die Inszenierung dem Original – setzt aber ein neues Schlussbild hinzu. Catherine wendet die Waffe gegen die übrigen Frauen. Was kein gutes Gefühl hinterlässt in Zeiten der Attentate. Und Gesprächsstoff bietet für den Heimweg.

„8 Frauen“ wieder am 10., 14., 19. und 20. August, jeweils 20 Uhr, Seebühne der Kulturwerkstatt Kaos (Wasserstraße 18). Der Kaos-Kultursommer setzt sich Freitag/Samstag mit dem Loop-Art-Festival fort; www.kaos-kultursommer.de

Von Dimo Rieß

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