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Verkleiden ja, Fasching nein – das Phänomen der Bad-Taste Partys hält sich seit Jahren

Verkleiden ja, Fasching nein – das Phänomen der Bad-Taste Partys hält sich seit Jahren

An manchen Abenden ist es völlig egal, ob Klamotten unmodern, zerknittert oder zu groß sind. Auch Kombinationen von lila Strumpfhosen und hellbraunen Stiefeln bestehen den sonst kritischen zweiten Blick.

Leipzig. Egal ob riesige Punkte oder enorme Schulterpolster: Bad-Taste-Partys holen modischen Absurditäten zurück.

Samstagabend in der Straßenbahn von der Südvorstadt in Richtung Innenstadt: Jugendliche treffen sich an den Haltestellen und begutachten ihre Outfits. Da ist der Junge im türkisen Trilobalanzug. Seine Freundin trägt eine überdimensionale Brille zu abstehenden Zöpfen. An den Füßen Buffalos, jene Schuhe mit schlauchbootartigen Absätzen, die gegen Ende der 1990er schlagartig in der hintersten Ecke der Kleiderschränke verschwanden. Als Reliquie des Jahrzehnts mit beinahe so vielen modischen Fehltritten wie die mittlerweile wieder einmal als stylish verklärten 1980er müssen sie an besonderen Tagen wieder herhalten...

Am Wilhelm-Leuschner-Platz verlässt die Masse schlagartig die Bahn. Wo gehen sie nur hin? Ein Blick ins Internet bestätigt, die Moritzbastei feiert wieder eine Bad-Taste-Party. Andreas Marschner organisiert diese Partys seit 2006. "In Zwickau ging es los, dann kamen Jena, Erfurt und Leipzig hinzu." Mittlerweile sind die Partys in zwölf Städte exportiert und die Besucher strömen zu den Feiern des schlechten Geschmacks.

Aber zum Fasching, nein danke!

Zum Fasching würden viele der Besucher niemals gehen, denn Büttenreden und Funkemariechen gelten als alles andere als cool. Da bereitet es sicher mehr Spaß, einfach einmal die Sau rauszulassen und sich in alten Klamotten danebenzubenehmen oder einfach einmal laut zu Scooter oder 2Unlimited mitzugrölen, ohne von den Kumpels ausgelacht zu werden. "Ungezwungen die Musik ihrer Jugend zu feiern", komme bei den Besuchern an, meint auch Marschner.

Bad-Taste-Partys scheinen überall aus dem Boden zu schießen. Dennoch, so Marschner, sei der Trend "zum Teil schon wieder rückläufig. Der Höhepunkt war im vergangenen Jahr und in dem davor." Es gäbe mittlerweile einfach so viele Veranstaltungen und Besucher kennen das damals neue Prinzip der Bad-Taste-Partys nun zur Genüge. Dennoch strömen in der Regel 1.500 Feierwütige in die Moritzbastei, wenn zum Tanzen zu Eurodance, Bravo Hits sowie Boy- und Girlgroups geladen wird.

Marschner hat eine interessante Theorie über den Reiz solcher Veranstaltungen: "Für meine Generation – er ist in den Achtzigern geboren – ist das so etwas wie Ü30-Partys für Leute, die in den Achtzigern groß wurden." Infolgedessen verbindet seine Generation mit den 1990ern die Musik ihrer Jugend. Hintern den übertriebenen Popnummern versteckt sich sicher hier und da ein geheimes Lieblingslied der Partygänger. Dabei kommen schnell Erinnerungen an Plastik-Kleidung und Billigtechno aus den Nachbarländern hoch und warum sollte man das alles auch nicht feiern, schließlich geht Verkleiden immer und anstatt zu unmoderner Schunkelmusik und schlechten Witzen, feiert es sich umso ausgelassener zu den Stücken der eigenen Jugend. Daher wird sich das Phänomen Bad-Taste-Partys sicher noch eine Weile halten: "No no, no no no no, no no no no, no no there's no limit!"

Momentan guckt einen der Wrestler Hulk Hogan grimmig vom Plakat des Club Velvet an. Dort wird am 3. September zu "Bäd Taste" der 1980er Jahre inklusive Eierlikör aus Schokobechern geladen. In der Moritzbastei ist es am 1. Oktober um 22 Uhr dann wieder Zeit für Jogginganzüge, Schnauzbärte und Musik von David Hasselhoff. "Stay cool! Stay ugly! Dresscode worst! Pfeffi für alle!" heißt das Motto der Party, die Andreas Marschner nach Leipzig gebracht hat.

Holger Günther

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