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Verleger Gerhard Steidl zum Tod von Loest: "Ich habe viel aus seinen Büchern gelernt"

Verleger Gerhard Steidl zum Tod von Loest: "Ich habe viel aus seinen Büchern gelernt"

Ab dem Jahr 2005 veröffentlichte Erich Loest seine Bücher im Göttinger Steidl-Verlag – nach einem Streit mit seinem Sohn Thomas, Chef des familieneigenen Linden-Verlags.

Wir sprachen mit dem 62 Jahre alten Verleger Gerhard Steidl über den Schriftsteller, dessen Wesen und dessen Werk.

LVZ:

Wie kam der Kontakt zwischen Erich Loest und Ihnen zu S

tande?

Gerhard Steidl:

Ich kannte ihn und seinen Sohn Thomas seit 1988, als sie sich in die Idee verliebt hatten, einen eigenen Verlag zu gründen, obwohl ihnen Günter Grass mit Hinweis auf die Logistik abriet. Ich habe die Publikationen von Beginn an gedruckt. „Nikolaikirche“ haben der Linden-Verlag und wir schon gemeinsam verlegt.

Wie haben Sie Erich Loest erlebt?

Im Lauf der Jahre hat sich eine Art Arbeits-Freundschaft entwickelt. Er war zu 100 Prozent Schriftsteller. Für einen Verleger gibt es nichts Schöneres, als ein starkes Manuskript pünktlich zu erhalten. Erich Loest hat mit Begeisterung mit unseren Lektoren am Stoff und an der Umsetzung gearbeitet.

Bis zuletzt hat er geschrieben.

Ja, vor kurzer Zeit schickte er mir einen Brief mit Hinweis auf ein weiteres Buch, an dem er arbeite. Mit seiner Witwe werde ich prüfen, ob man aus dem Fragment etwas machen kann. Aber das sind Gedanken, die so kurz nach seinem Tod keine große Rolle spielen sollen.

Er konnte durchaus knurrig sein, wie sind Sie damit umgegangen?

Als Norddeutscher bin ich manchmal auch verknappt oder grantig. Ich habe es sehr geschätzt, dass Loest so unverstellt war – egal, ob er mit seiner Frau, seinem Pfleger oder dem Bundespräsidenten geredet hat.

Was bedeutet Ihnen Erich Loest als Literat, welchen Stellenwert haben seine elf Titel im Steidl-Programm?

Einen hohen. In seinem literarischen Werk hat er große politische Themen angefasst, stets mit einem sarkastischen Humor, aber nie mit Resignation. Ich habe viel aus seinen Büchern gelernt.  Wir arbeiten momentan an einer Werkausgabe.

Welche Arbeit von ihm hat sie besonders angesprochen?

Das kurze Stück „Heute kommt Westbesuch“ – da ist er über das Verhalten von Westdeutschen hergezogen, in einer zugespitzten und nachvollziehbaren Form.

Wie gefragt ist Erich Loest in der Gegenwart?

Immer gut – alles über 7000 verkauften Exemplaren liegt, ist ein Bestseller. Die Hürde haben seine Bücher locker genommen, brauchten weitere Auflagen. Titel wie „Nikolaikirche“ haben die 100 000 überschritten.

Das Geschäft kann manchmal sehr zynisch sein. Vermuten Sie, dass die Nachfrage unter anderem von „Lieber Hundertmal irren“ durch Loests Tod stark ansteigen wird?

Ja, das dürfte so sein. Im Popgeschäft läuft so etwas aber weitaus perfider, weil die falschen Leute von den Todesfällen profitieren. Was dagegen in unserem Familienunternehmen verdient wird, wird über eine Stiftung wieder in Bücher von jüngeren Autoren investiert. Das war auch Erich Loest sehr wichtig.

Mark Daniel

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