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Versöhnlicher Fluch: In Extremo vor 3000 Fans im ausverkauften Haus Auensee

Versöhnlicher Fluch: In Extremo vor 3000 Fans im ausverkauften Haus Auensee

Zwei Jahre ist es her, dass die rockenden Mediävisten von In Extremo zuletzt in Leipzig waren. "Sterneneisen" hieß ihr damaliges Hit-Album. 2013 ziehen die sieben Mittelalter-Experten mit einem neuen Langeisen bewaffnet nach Leipzig.

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"Leipzig ist großartig": In-Extremo-Frontmann Michael Rhein alias Das Letzte Einhorn.

Quelle: André Kempner

Leipzig. "Kunstraub" nennt sich ihr Werk, erneut ist das Haus Auensee ihr Ziel. Eine Pyro-Show wie 2011 darf die Gruppe nicht abfackeln. Dafür gibt es Hits en masse für die 3000 Fans im ausverkauften Saal.

Während am vernieselten Samstagabend die letzten Gäste ins Haus Auensee durch die Sicherheitseingänge geschleust werden, wummern erste Takte durch das altehrwürdige Gemäuer. Seit seiner Wiederinbetriebnahme in den 90er Jahren ist das ehemalige Ausflugsziel und der einstige Tanzsaal Ort zahlreicher Rockkonzerte. Der Grund für den basslastigen Lärm ist eine Truppe aus Schwaben. Hassliebe beginnen überpünktlich mit ihrem Auftritt. Das Publikum aus Gothics, Punks, Normalos und Rockfans bekommt über eine halbe Stunde lang Vollgas-Rock'n'Roll mit Heavy-Spritzern und deutschen Texten um die Ohren gepustet. Der seit 2005 bestehende Fünfer schreibt "Heavy Rock" auf seine Fahnen, und die schwenkt das Quintett mehr als genug, um das Interesse in der Halle zu fesseln. Mit ihrem neuen Album "Sklave der Neuzeit" im Gepäck versteht sich die Band aus der süddeutschen Kleinstadt Harburg als Anheizer der Barden von In Extremo.

"Seid ihr alle perfekt!", ruft Frontmann Matthias "Matt" Münch ins Publikum. Sein Ruf nach Perfektion untermalt wenig später der alte Abzählreim "1-2-3-4-Eckstein", den die Band mit bratenden Heavy-Riffs und einem neuen Text verfremdet hat. "Unsere Aufgabe ist es, euch heiß zu machen", ruft der Sänger danach. "Seid ihr bereit für In Extreeemooo!" Ihm schallt ein tausendfaches "Jaaa!" entgegen.

Seine Rolle als Anheizer spielt die Neuentdeckung im Deutschrock-Sektor wirklich gut. In die alte Lady Auensee kommt dennoch keine Bewegung. Erst als in den letzten Minuten der Frontmann ins Publikum springt, um sich auf Händen tragen zu lassen, wird der Spaß rund. Als noch hinterher seine Aussage "Wir wollen euch nicht länger auf die Folter spannen" durch die Boxen dröhnt, kommt noch mehr Bewegung ins Spiel. Matt ruft: "Wegen wem seid ihr hier?!" Die Menge brüllt zurück: "In Extreeemooo!"

Ganz klar, wer im Haus Auensee der Herr im Ring ist. Keine halbe Stunde nachdem die Vorband die Bühne verlassen hat, blicken die In-Extremo-Fans auf einen schwarzen Vorhang, das Saallicht blendet ab. Erste Pfiffe durchschneiden die dicke Luft. Das kleinste Geräusch hinter dem Vorhang weckt die Aufmerksamkeit der Zuschauer, steigert ihre Spannung. Sie entlädt sich in spontanen "In Extremo"-Chören und Beifallsbekundungen, bis der Vorhang fällt.

Mit einem Donnergrollen stürmt Deutschlands erfolgreichste Mittelalter-Rockband die Bühnenbretter. "Kunstraub" steht auf dem Plan. Das Letzte Einhorn, die Lutter, Dr. Pymonte, Yellow Pfeiffer, Flex der Biegsame, Van Lange und Specki schwitzen um die Wette, während sie das neue Erfolgsalbum vorstellen, immer wieder alte Hits und Klassiker einstreuen. Vom Titelstück ihres neuen Albums "Kunstraub" über Nummern wie "Feuertaufe", "Alles schon gesehen", Liam", "Belladonna", "Vollmond", "Himmel und Hölle", "Lebemann", "Ai Vis Lo Lop" und "Herr Mannelig" bis hin zu den Klassikern "Mein rasend Herz", "Viva La Vida", "Spielmannsfluch", "Siehst du das Licht" und "Villeman Og Magnhild" im Zugabenteil reicht das Liedgut.

Die "In Extremo"-Chöre wollen nicht abbrechen, die Fans singen die Refrains mit, Einhorn dirigiert die Massen. Wermutstropfen der ansonsten heißen Show ist die fehlende Pyro-Show. Das Leipziger Ordnungsamt hatte wohl Bedenken wegen des alten Gemäuers. Ein herzhafter Fluch des Sängers in Richtung Amtsstube versöhnt sowohl Band als auch Fans mit der außergewöhnlichen Situation. In Extremo gilt auch ohne Feuerball als Dauerbrenner in der deutschen Rockszene. Wermutstropfen Numero zwei: Der Schwerpunkt Mittelalter-Musik hat sich zugunsten moderner Punkrock-Nummern verlagert.

Die Fans feiern In Extremo bis zum letzten Ton. Den längsten Applaus des Abend widmet das Publikum aber der Tour-Crew der 1995 in Berlin gegründeten Mittelalterband. Natürlich hat das Letzte Einhorn die Anhänger dazu angestiftet. "Leipzig ist großartig", röhrt der Frontmann. Längst kocht der Saal vor Euphorie. Nur etwas bewegungsarm erscheinen In Extremo an diesem Abend. Fehlt doch ein kleines Knäckerchen auf der Bühne?

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.11.2013

Wilbur Ebenezer Wilcox

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