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Verstehendes Denken: Poet stellt schönste Wanderwege in der Moritzbastei vor

Verstehendes Denken: Poet stellt schönste Wanderwege in der Moritzbastei vor

Julius Fischer weiß, was Worte wollen. Der Slam-Poet und Kabarettist legt Wert auf vielversprechende Buchtitel: "Ich will wie meine Katze riechen" heißt eine Sammlung seiner Bühnentexte aus dem Jahr 2011, jetzt klingt "Die schönsten Wanderwege der Wanderhure" nach mehr, nach Verständnis für Reflexe nämlich.

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Hat keinen Reiseführer geschrieben: Julius Fischer.

Quelle: Oz Ordu

Weshalb der Untertitel "Kein historischer Roman" an dieser Stelle wegweisend zu nennen ist. So wie auch "Kein Reiseführer" es gewesen wäre.

Zum Gesamtkunstwerk rundet das Buch nicht nur die beigefügte CD, auf der Fischer spricht und singt, sondern auch das Glossar, in dem es heißt: "Glossar, das: beliebige Auswahl scheinbar substanzieller Begriffe zur Erhöhung der Illusion der Wissenschaftlichkeit eines historischen, philosophischen, medizinischen oder Science-Fiction-Romans." Dort steht auch, dass FKK zum Kommunismus führt, eine CD ein Buch für Musik ist und Politik nicht mit Ironie zu verwechseln. Worin das Maß der Sachlichkeit dieser Texte seine Formel findet.

Der Leipziger Autor, 1984 in Gera geboren, ist Teil des Slam-Duos "Team Totale Zerstörung", Mitglied der Lesebühnen Sax Royal und Lesedüne sowie Mitbegründer der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz. Mit Christian Meyer tourt er als "The Fuck Hornisschen Orchestra".

Julius Fischer sagt "Ich" und meint es so. Nicht nur im "Lebenslauf", in dem er sein Slammer-Dasein reflektiert, es aber eigentlich um das Absurde an originell zu verfassenden Lebensläufen geht - beispielhaft für Mainstream-Erwartungen an "Authentizität". In anderen Texten erinnert sich Fischer an seine Jugend zwischen Dresden Neustadt und Vorort, erzählt vom Umgang mit Nachbarschafts- lärm, von vor Glück jauchzenden Tieren im Hof einer Bio-Metzgerei, der Angst der Menschen vor Künstlern oder der Angst des Schriftstellers vor dämlichen Fragen. Er erklärt einer Radiojournalistin die Poesie im Alltag und performt sein "verstehendes Denken" stilistisch irgendwo zwischen Kolumne und Kurzgeschichte.

Fischer phantasiert sich in Zu- oder Umstände wie die Karriere eines "Outdoor-Autors", der für Funktionskleidung Werbung macht. "Ich würde gerne für The North Face den dichtenden Wikinger geben, Figur und Fresse würden auf jeden Fall dazu passen." Seine Idee wäre, die Leute bei ihrer Angst zu packen: "Ohne diesen auf den Rücken schnallbaren Wasserbeutel werden sie morgen auf dem Arbeitsweg einfach sterben."

Drei rote Fäden ziehen sich durchs Buch, "Platonisches Plaudern mit philosophischem Proll" überschrieben oder "Ich hasse Menschen" oder gar nicht. In der ersten führt eine Art Kommunikation mit dem stark Dialekt sprechenden Jugendfreund Enrico an die Grenzen der Sprache; in der zweiten kanalisiert Fischer seinen Hass auf Friseurinnen zum Beispiel oder auf einen Junggesellenabschied, der ihn nach Prag und nah an das Ende einer Freundschaft brachte. In der dritten Reihe entsteht in kurzen Dialogen mit dem Autor quasi im Buch das Buch zum Buch.

Das ist - beim Lesen wie beim Hören - kurzweilig und witzig. Nicht nur der Autor, auch seine Freunde und Gedanken wachsen ans Herz.

Buchpremiere mit Julius Fischer: 29. November, 20 Uhr, Moritzbastei (Universitätsstraße 9), Karten (10/8 Euro) gibt es an der Abendkasse

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.11.2013

Janina Fleischer

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