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Volker Klüpfel vor seiner Show in der Leipziger Theaterfabrik über den Abhör-Skandal

Volker Klüpfel vor seiner Show in der Leipziger Theaterfabrik über den Abhör-Skandal

Er ist der Gescheitschwätzer unter den beiden, sagt Volker Klüpfel. Wahrscheinlich weil er des Hochdeutschen mächtiger als Michael Kobr sei. Die bislang sieben Kluftinger-Krimis des Duos wurden in mehr als 4,5 Millionen Exemplaren verkauft.

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2003 erschien ihr erster Kluftinger-Krimi "Milchgeld": Michael Kobr (Jahrgang 1973, links) und Volker Klüpfel (Jahrgang 1971).

Quelle: Helmut Henkensiefken FinePic

Leipzig. Nicht alle Leser können da im Allgäu zu Hause sein. Ihren Dialekt wollen die Autoren am Mittwoch in der Theaterfabrik trotzdem nicht vermeiden, wie Klüpfel verspricht.

Frage: Wie unterscheidet sich eine Lesung in Leipzig von einer, sagen wir, in Ulm oder Biberach?

Volker Klüpfel:

Nur örtlich! Wir werden irgendetwas zu Leipzig machen, wir waren ja da, auf der Buchmesse etwa. Aber wir werden uns sprachlich nicht assimilieren, das probieren wir gar nicht erst. Die Leipziger werden uns trotzdem verstehen. Und falls doch mal ein unbekanntes Wort fällt, verbuchen wir das als kleinen Sprachkurs in Allgäuerisch.

Was passiert, wenn Sie eine Woche später zu Hause in Altusried auftreten?

Das wird ein bissel anders, weil wir auf einer riesigen Freilichtbühne spielen. Wir fahren mit einem Original-Kluftinger-Passat vor. So etwas wird in Leipzig nicht möglich sein (lacht).

Haben Sie Ihr schauspielerisches Talent wie Kluftinger von den Freilichtspielen in Altusried?

Dass ich Talent hätte, haben Sie gesagt. Ich unterstelle jetzt einfach, Sie haben Recht. Es ist mir wahrscheinlich in die Wiege gelegt worden. Aber geschult habe ich es in Altusried. Ich habe schon als kleiner Junge bei den Freilichtspielen mitgespielt. Wir haben da auch ein kleines Theater, und da war ich sogar bei Klassikern dabei. Das war sicher eine gute Schule für das, was ich jetzt mache.

Wie erklären Sie einem Sachsen, was es für Kluftinger bedeutet, wenn er im neuen Roman "Herzblut" nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Kässpatzen verzichten soll?

Es bedeutet für ihn einen erheblichen Verlust von Lebensqualität. Der Spruch, dass Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhält, ist im Allgäu eine Art Mantra. Wer nicht richtig reinhaut, tut sich schwer. Anderswo ernährt man sich momentan ja eher kohlenhydrat­arm, Low-Carb nennt sich das, und ich versuche das auch. Jetzt laufen aber wieder die Freilichtspiele in Altusried, und ich spiele mit: Wenn ich also dort am Wochenende hinter der Bühne bin, wo die Spieler ihr Essen bekommen, wird's schwierig mit Low-Carb. Da kann ich ein paar Landjäger essen, das war's aber. Kässpatzen sind Grundbestandteil der Allgäuer Ernährung. Man muss sein Leben umkrempeln, wenn man anders isst.

Erfahren Zuschauer, die "Herzblut" nicht kennen, in der Theaterfabrik, was es mit der Mordserie auf sich hat?

Wir sind zwar aus dem Allgäu. Aber wir sind ja nicht blöd. Es wird ein paar Anspielungen auf den Krimi geben, doch wir verraten nicht zu viel. Das sollen die Leute schon selber lesen. In der Show geht es ganz klar mehr um den humoristischen Aspekt unserer Bücher als den Kriminalfall.

Nachdem sich Kluftinger in den ersten Büchern bei der Verbrechensaufklärung vor allem mit regionalen Konstellationen auseinandergesetzt hat, stößt er später auf die große Welt, etwa auf den Terrorismus. Wie wichtig ist es Ihnen, Themen der Zeit in die Bücher zu integrieren?

Unser Anspruch ist nicht, ein gesellschaftskritisches Buch zu schreiben. Aber natürlich leben wir und sogar das Allgäu in einer Zeit, die sich verändert. Gerade dass die terroristische Bedrohung auch die Provinz angeht, ist gar nicht so weit hergeholt. Immerhin wurden schon Sprengstoff-Attentate vereitelt, die Regionalzüge in Ulm getroffen hätten. In einem Regionalkrimi muss der Tote ja nicht entweder eine Mistgabel im Rücken haben oder mit der Sense guillotiniert werden. Kempten war lange Zeit Mafia-Umschlagplatz Nummer eins in Europa. Das Allgäu ist vom internationalen Verbrechen nicht abgehängt.

Welche aktuelle Nachricht könnte es bald in Kluftingers Welt schaffen?

Wir haben noch nicht angefangen, das nächste Buch zu konzipieren. Aber diese Abhör-Geschichte würde sich schon anbieten. Wenn man sich vorstellt, dass in Amerika jemand sitzt, der ein Telefongespräch im Allgäu belauscht, in dem die Mutter ihrem Sohn, der längst ausgezogen ist, sagt, er soll vernünftig viele Kässpatzen essen, damit er nicht vom Fleisch fällt - das hat einen gewissen humoristischen Aspekt.

Stellen Sie sich Kluftinger mittlerweile auch in der Haut Herbert Knaups vor?

Gott sei Dank nicht. Ich meine das aber nicht despektierlich gegenüber Herbert Knaup, er ist eine großartige filmische Verkörperung. Wir wollen aber nicht, dass sich unser Bild ändert, weil sich dadurch auch der Ton beim Schreiben ändern würde. Und die Bücher sollen für sich stehen können, ohne den Film.

Wie schreiben Sie zu zweit?

Wir erdenken und besprechen die Handlung zu zweit, und zwar ganz detailliert, bis in die Dialoge hinein. Dann teilen wir Szenen auf. Jeder schreibt seine Szene, schickt sie dem anderen, der redigiert sie. Sie sieht danach ganz anders aus, geht zurück, und bei 99 Prozent sagt der ursprüngliche Autor: Okay, die Änderungen akzeptier' ich. Das eine Prozent, das übrig bleibt, geht so lange hin und her, bis einer aufgibt.

Und wie verteilen Sie die Rollen in Ihren Live-Shows?

Ich stehe oft als der Gescheitschwätzer da, der auch mal ein Fremdwort verwendet. Und der Michael ist eher der, der mit beiden Beinen rustikal auf der Erde steht. Ich weiß nicht, warum das so ist, vielleicht weil ich des Hochdeutschen mächtiger bin als mein Kollege. Wobei wir das nicht bis zum Exzess durchziehen. Die Figuren auf der Bühne sind schon zu 90 Prozent deckungsgleich mit uns selbst.

Zu Ihren Lieblingsbüchern gehört "Der Grüffelo". Wie kommt das denn?

Wenn man ein Kind hat, ändert sich vieles, auch der Büchergeschmack. Man ist gezwungen, viel schwachsinnige Kinderliteratur vorzulesen. Wenn dann so etwas wie "Der Grüffelo" daherkommt, ist es wie eine Offenbarung. Das Buch ist kurz, trotzdem irgendwie nett und kann auch einem Erwachsenen Spaß machen.

Inwiefern ist davon das eigene Schaffen berührt?

Ob sich der Grüffelo ganz unterbewusst einschleicht, weiß ich nicht (lacht). Wie es ist, ein Kind zu haben, wird aber sicher irgendwann die Kluftinger-Bücher erreichen. Dann, wenn der Markus Nachwuchs kriegt, Kluftinger also Opa wird.

Sie waren Kulturredakteur der Augsburger Allgemeinen. Welche Frage hätten Sie als Journalist Ihnen als Krimiautor gestellt?

Wie konnten Sie nur Ihren Beruf aufgeben, um freischaffender Autor zu sein?

Wie lautet die Antwort?

Um morgens noch länger schlafen zu können als eh schon, wenn man bei der Zeitung arbeitet (lacht).

Aber nicht mit einem kleinen Kind.

Ja, das stimmt auch wieder. Das hätte mich aber so oder so ereilt. Nein, der zweite Vorzug ist die Freiheit. Allein schon, was die Zeilenzahl anbetrifft. Wenn es mir gefällt, kann ich eine Szene über 15 Seiten auswalzen und muss nie diese Schere im Kopf haben: Oh, jetzt muss ich aufhören.

"Kluftinger - die Show", Mittwoch, 20 Uhr, Theaterfabrik (Franz-Flemming-Straße 16), Eintritt ab 29,75 Euro. Das Buch "Herzblut" ist bei Droemer erschienen und kostet 19,99 Euro.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.07.2013

Interview: Mathias Wöbking

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