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Von Geheimnisvolle Exotik - Druckkunst aus Japan im Leipziger Grassi-Museum

Von Geheimnisvolle Exotik - Druckkunst aus Japan im Leipziger Grassi-Museum

Noch bevor 2010 der zweite Bereich der ständigen Ausstellung „Asiatische Kunst. Impulse für Europa“ eröffnet wird, zeigt das Grassi-Museum für Angewandte Kunst bis zum 31. Januar 2010 eine faszinierende Facette fernöstlicher Kultur: Druckkunst aus Japan, die eine große Bedeutung für die europäische Kunst hatte – und auf der Insel im Pazifik mit Manga und Anime nachwirkt.

Leipzig. Sie bereitete im Teehaus Naniwaya nach altem Zeremoniell den Tee, und ihre Gäste haben sie wie einen Star verehrt. Kein geringerer als der große Meister Utamaro hat die Kellnerin Okita um 1793 in einem farbigen Holzschnitt dargestellt wie sie im hibiskusgeblümten Kimono eine Schale des Getränks serviert. Dagegen ist der Name der Kurtisane, die in lasziver Pose ihren Joint raucht, unbekannt.

Das Hohelied auf die schönen Frauen nannten die Japaner bijin-e. Als sich das Inselreich 1854 nach zwei Jahrhunderten der Isolation öffnete, schaute die Welt auf eine völlig unbekannte Kultur, selbst deren Sprache lässt sich keiner anderen eindeutig zuordnen. Ukiyu-e bedeutet soviel wie Bilder aus der vergänglichen fließenden Welt. Diese linearen, schattenfreien Holzschnitte erreichen mit sparsamen Mitteln und kompositorischer Freiheit maximale Ausdruckskraft.

Das Grassi-Museum für Angewandte Kunst besitzt davon eine umfangreiche Sammlung aus der Edo-Periode (1603-1868) und der Meiji-Zeit (1868-1912). Die Sonderausstellung ist gewissermaßen auch eine überraschende Öffnung: Seit vielen Jahrzehnten hat dieser Schatz in den Archiven gelagert, und um ihn jetzt  präsentieren zu können, bevor der zweite Bereich „Asiatische Kunst“ Anfang 2010 dauerhaft eröffnet wird, waren aufwendige Restaurierungsarbeiten notwendig. Die Exponate sind äußerst sensibel und scheuen das Licht.

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Noch bevor 2010 der zweite Bereich der ständigen Ausstellung „Asiatische Kunst. Impulse für Europa“ eröffnet wird, zeigt das Grassi-Museum für Angewandte Kunst eine faszinierende Druckkunst aus Japan, die eine große Bedeutung für die europäische Kunst hatte – und auf der Insel im Pazifik mit Manga und Anime nachwirkt.

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Bilder von der anmutigen Okita oder der verführerischen Kurtisane, den stillenden Müttern, spielenden Kindern, Szenen von Fischern beim Fang, von erotischen Freuden und modischen Vergnügungen waren volkstümliches Wanddekor, vielleicht ähnlich den Postern von heute. Dagegen wurden die mit Tusche gezeichneten und auf Brokat oder Seide montierten Rollbilder, kakemono genannt, in einer separaten, mit Blumen und Kerzen geschmückten Nische aufgehängt. Sie gaben dem zum Teezeremoniell geladenen Gast das Thema der Zusammenkunft an oder waren ein Hinweis auf die Stimmung des Hausherrn.

Dabei entfalten vor allem die kalligraphischen, kunstvoll mit Schriftzeichen „gemalten“ Arbeiten einen geheimnisvoll exotischen Reiz. Auf die westliche Welt hatte die japanische Kunst enorme Wirkung (man denke an Madame Butterfly und Land des Lächelns in der Musik).

Die Ausstellung zeigt dazu exemplarisch Werke von Emil Orlik, der sich überwältigt von den Bildern aus Edo, wie Tokio damals hieß, die Techniken der japanischen Druckkunst vor Ort beibringen ließ. In einer Mappe liegen seine Alltagsbilder aus dem Land der aufgehenden Sonne vor.

Eine aktuelle Rezeption ist „Die große Welle“ von Tobias Stengel, die als Plastik auf der Dresdner Augustbrücke an die Flutkatastrophe von 2002 erinnert. Meister Hokusai hat die vernichtende Welle von Kanagawa um 1830 als Blatt 1 seiner 36 Ansichten des Fuji im Farbdruck aufgelegt. Um dieser, auf genaue Betrachtung angewiesenen Ausstellung einen effektvollen Hingucker zu geben, wurde ein Perspektivbild aus dem Japan des 19. Jahrhunderts auf wandfüllende Größe gebracht. Es ist ein Motiv aus einem Theaterstück: Sieben Samurai-Krieger besiegen die Erdspinne, sehr dramatisch und auch ein wenig gruselig – und das längst vor den heute so beliebten Manga-Comics.

Japanische Druckkunst vor Manga; bis 31.1.2010 im Grassi-Museum für Angewandte Kunst; Geöffnet: di-so, Feiertage 10 - 18 Uhr.

Christine Hochstein

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