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Von Liebe, Schule und Alltag, von heute und anderer Zeit - Reinhard Mey in der Arena

Von Liebe, Schule und Alltag, von heute und anderer Zeit - Reinhard Mey in der Arena

Ein Mann. Eine Gitarre. Eine Stimme. Ein Mann ganz in schwarz. Ganz allein auf einer großen Bühne in einer großen Halle. Keine Band als Rückversicherung. Geht etwas schief, steht er schief da.

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Reinhard Mey in der Arena.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ganz allein. Bei Reinhard Mey geht nichts schief. Licht aus, dann kommt er. Kleine Verbeugung. Im Ohrläppchen blitzt ein Stein. "Gib mir Musik" als tiefstaplerischer Einstieg.

Reinhard Mey braucht nicht zu bitten. Reinhard Mey hat. Er dreht an den Saiten am Gitarrenhals, sagt "Da bin ich wieder" - und ist zu Hause. "Rotten Radish Skiffle Guys", eine Erinnerung an jene musikalischen Anfänge, bei denen die Petticoats wippten und die Nietenhosen an den Oberschenkeln klebten. Solche Geschichten von damals, die liebt Reinhard Mey. Solche Geschichten singt er immer wieder, während das Damals zwischen den Zeilen warm zu leuchten beginnt.

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Leipzig. Ein Mann. Eine Gitarre. Eine Stimme. Ein Mann ganz in schwarz. Ganz allein auf einer großen Bühne in einer großen Halle. Keine Band als Rückversicherung. Geht etwas schief, steht er schief da. Ganz allein. Bei Reinhard Mey geht nichts schief. Licht aus, dann kommt er in die Arena Leipzig. Kleine Verbeugung.

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Aber wer außer Reinhard Mey schreibt auch schon solche Kleine-Leute-Lieder wie die von der Imbissbudenfrau "Antje" oder den Verrückten, die trotz aller sozialer Misere irgendwie selig sind. Wer beichtet schon so listig, dass er ein "Bunter Hund" ist. Oder malt zum versteckten Liebesgeständnis Stimmungsbilder vom "Herbstgewitter über den Dächern".

Reinhard Mey ist ein Ich-Sänger. Ein Gesteher. Kein Rollenspieler. Er mag den ironischen Blick, wenn er von seinem Alltag erzählt ("Ich bin"). Er spottet mit bissigem Spaß am musikalischen Spiel über "Männer im Baumarkt" - und meint immer ein bisschen auch sich selbst. Er singt, nach einer langen Geschichte über seine ewige Angst vorm Arzt, milder als auf der CD über den "Ficus Benjamini". Er wird zum Stéphane Hessel der deutschen Bürger-Rebellion, wenn er mit sarkastischen Zeilen vor schnelllippigen Politikern warnt ("Sei wachsam"). Da ist Reinhard Mey ganz bei sich - und einig mit dem begeisterten Saal.

Etliche Lieder von der letzten CD "Mairegen", aber auch immer wieder ältere Lieder. Nachdenken über verflossenes Leben und bilderreiches Eintauchen in jene Jahre, als die Zeit noch langsamer tickte ("Das war ein guter Tag ", "Viertel vor sieben"). Wunderschön die "Eisenbahn-Ballade", deutsche Geschichte im Rhythmus des Schienenstrangs. Reinhard Mey singt ohne Arabesken. Reinhard Mey vertraut seinen Texten, die wunderbar einfach komplizierte Dinge sagen können, und seinen eingängigen Melodien. Egal, ob es um den "Mairegen" oder das "Butterbrot" geht, immer sind es szenische Skizzen, zu denen jener nicken kann: Ja, kenne ich. Diese Verse leuchten alltäglich, haben den Geschmack und den Geruch des wirklichen Lebens. Das ist die Kunst von

Reinhard Mey, bei dem man sich wünscht, man hätte Rhabarberblatt-Ohren, um ja keine Zeile zu verpassen. Auch von diesem Kinder-Schlaflied "Drachenblut". Auch von diesem Schulrückblick auf die "Gute Seele". Zum Schluss zwei neue Lieder, eines für den Freund Klaus Hoffmann ("Bruder Klaus"). Dann der Abschied von einem Saal nach dem Konzert ("Lebwohl, adieu, gute Nacht"). Gehen wollte da wohl noch keiner.

Norbert Wehrstedt

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