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Vor Gastspiel im Gewandhaus: Dirigent Wayne Marshall im Interview

„Jede Art von Musik muss für alle verfügbar sein“ Vor Gastspiel im Gewandhaus: Dirigent Wayne Marshall im Interview

Gleich drei Gastspiele gibt der britische Dirigent, Pianist und Organist Wayne Marshall in dieser Woche im Leipziger Gewandhaus, dirigiert das Große Concert und greift bei der Audio Invastion in die Orgeltasten. Im Interview spricht er über die deutsche Erstaufführung von Wayne Marsalis’ „Concerto in D“ und die Zukunft klassischer Musik.

Der britische Dirigent Wayne Marshall, 55, im Gespräch.

Quelle: André Kempner

Leipzi.  

Dirigent, Pianist und Organist – der Brite Wayne Marshall wird mit Fug und Recht als Multitalent bezeichnet. Sein Können am Taktstock stellt er in dieser Woche im Rahmen der Großen Concerte im Gewandhaus unter Beweis, in die Tasten greift er an gleicher Stelle zur Audio Invasion am Samstag. Ein Gespräch über amerikanische Komponisten, die deutsche Erstaufführung von Wynton Marsalis’ „Concerto in D“ und die Zukunft der klassischen Musik.

Sie dürfen sich im Großen Concert ausführlich Ihrer Leidenschaft für US-Komponisten des 20. Jahrhunderts widmen. Was reizt Sie am Schaffen von Bernstein oder Copland?

Es fing alles damit an, dass ich mit ungefähr acht Jahren im Radio eine Aufnahme von Gershwins Klavierkonzert hörte – und völlig fasziniert von dieser neuen Klangwelt war. Ein paar Jahre später habe ich das Stück dann in der Schule gespielt und wollte schließlich auch Gershwins restliche Werke entdecken, Stücke wie etwa die zweite „Rhapsody“. Vollständig eingetaucht in die Klangwelt bin ich dann, als ich zum Dirigieren kam, mit Ouvertüren wie „Porgy and Bess“. Bei Bernstein war es ähnlich, „West Side Story“ war das erste Werk, das ich hörte. Es war eine neue Welt für mich. Da ich zudem viel Freude am Jazz hatte, passte diese Musik perfekt zu meiner Persönlichkeit – und zu meinem Temperament.

Neben Coplands „El Salón Mexico“ und Bernsteins „The Age of Anxiety“ bringen sie in Leipzig erstmals Wynton Marsalis’ „Concerto in D“ auf die Bühne. Inwiefern unterscheidet sich das Werk von ihren üblichen Arbeiten?

Zunächst ist Marsalis ein großartiger Jazz-, aber auch ein klassischer Musiker. Wir konnten schon mehrmals zusammenarbeiten, ich habe etwa seine „Swing Symphony“ dirigiert. Es ist immer wieder interessant, in seinen Sound einzutauchen. Wynton ist in allen Varianten des Jazz zuhause – und das Violinkonzert bildet da keine Ausnahme. Es nimmt verschiedene Stile auf und fügt sie zu einem faszinierenden Werk zusammen. Durch Jazzelemente und Improvisationen braucht es zudem einen bestimmten Typ von Orchester und Dirigent zur Umsetzung. Man muss großes Verständnis dafür haben, welche Aspekte den Jazz auszeichnen oder wie Blues und Groove funktionieren.

Vor welche Herausforderungen stellt sie das Werk als Dirigent?

Marsalis ist zuerst ein klassischer Musiker. Er versteht das Orchester, den Klang der Instrumente, wie sie harmonieren und interagieren. Deswegen funktionieren seine Stücke für Orchester so wunderbar. Zwar gibt er eine Art Richtlinie für die Musiker vor, besonders im dritten Satz sind jedoch viel Improvisation und Imagination gefordert. Man muss sich voll und ganz in die Klangwelten stürzen.

Sie bewegen sich oft auch aus ihrer Komfortzone, haben etwa mit dem WDR-Orchester für das „Vivaldi-Experiment“ Klassik und Hip-Hop zusammengebracht um junge Menschen anzusprechen. Ist die junge Generation inzwischen klassischer Musik gegenüber aufgeschlossener geworden?

 

Mit der Audio Invasion verfolgt das Gewandhaus einen entsprechenden Ansatz – ein Modell mit Strahlkraft?

Es ist ein fantastisches Konzept! Ich könnte jetzt kontrovers sein und sagen, dass viele Konzertprogramme aus dem immer gleichen Repertoire bestehen. Ich persönlich hingegen liebe es, neue Werke zu hören, egal ob klassische oder kombinierte Stile. Wir müssen uns entscheiden, wohin wir uns bewegen wollen, können uns nicht immer auf die Vergangenheit berufen, sondern müssen uns vorwärts bewegen, unsere Augen und Ohren für andere Stile und Musik öffnen. Etwas wie die Audio-Invasion ist ein großartiger Weg, dieses Ziel zu erreichen.

Zur Audio Invasion lassen Sie erstmals die Gewandhaus-Orgel in diesem Rahmen erklingen. Was dürfen die Besucher erwarten?

Ich improvisiere auf Themen aus Coplands „Salón México“ – mache also das, was ich als Organist am meisten schätze. Und dann: einfach schauen, wohin die Reise führt.

 

Großes Concert (10. & 11.11., jeweils 20 Uhr): Wayne Marshall dirigiert Aaron Coplands „El Salón México“, Wynton Marsalis’ „Concerto in D für Violine und Orchester“ und Leonard Bernsteins „The Age of Anxiety“ mit Nicola Benedetti (Violine) und Benyamin Nuss (Klavier). Karten für 5 bis 69 Euro; Audio Invasion am 12.11. ab 22 Uhr, Karten für 29,50 Euro jeweils an der Abendkasse oder unter Tel. 0341 1270280.

Von Bastian Fischer

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