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Vor dem heutigen Konzert in der Red-Bull-Arena: Interview mit Coldplay-Schlagzeuger Champion

Vor dem heutigen Konzert in der Red-Bull-Arena: Interview mit Coldplay-Schlagzeuger Champion

Es ist das Konzert des Jahres in Leipzig: Heute Abend spielen Coldplay in der Red-Bull-Arena vor zehntausenden Fans. Im Interview spricht Schlagzeuger Will Champion (36) über Schüchternheit, Energie, Rihanna und ein Leipzig-Erlebnis vor fast zwölf Jahren.

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Coldplay treten am Freitag in der Leipziger Arena auf.

Quelle: Wolfgang Heisel

Leipzig. Frage: Coldplay werden größer und größer. Wachen Sie manchmal auf und haben Angst, dass das alles eine riesige Blase ist, die plötzlich platzen könnte?

Will Champion: "So ähnlich. Ich wache auf und kann nicht glauben, dass das mein Leben ist. Es ist immer noch seltsam für mich, da ich andererseits ein sehr privates Leben führe. Nicht viele Leute wissen, wer ich bin. Das ist sehr angenehm, dass ich einerseits mit Coldplay diese unglaublichen Dinge erlebe - und dann nach Hause kommen und ruhig mit meiner Familie leben kann."

Sie scheinen eigentlich eher schüchterne, introvertierte Typen zu sein, die da auf der Bühne abgehen. Täuscht das?

"Stimmt schon, jeder für sich ist wirklich eher schüchtern. Aber wenn wir zusammenkommen und Musik machen, passiert etwas. Alles, was wir uns sonst nicht zu sagen trauen, kommt über die Musik ans Licht. In dieser Band zu sein, hält uns gesund. Wenn einer fehlt, ist es nicht dasselbe."

Sänger Chris Martin sagt, alle Bandmitglieder würden nur für Sie, den Schlagzeuger, spielen. Glauben Sie ihm das?

"Nein! Es sagt gerne solche Sachen. Es ist die Kombination aus uns Vieren, die uns so einzigartig macht. Wir alle sind Diener der Gruppe."

Ihr aktuelles Album heißt "Mylo Xyloto", ein Wort, das es zuvor nicht gab. Ist das eine Metapher für die Sehnsucht, etwas völlig Neues zu erschaffen?

"Definitiv. Es hat uns frei gemacht, so eine weiße Leinwand auszurollen. "Was ist das?", fragten die Leute, als wir ihnen von dem Titel erzählten. Genau das wollten wir hören. Denn das war der Punkt. Wir wollten eine völlig neue Welt aus Farbe, Musik, Lärm und Energie erschaffen."

Auf "Mylo Xyloto" gibt es ein Duett mit Rihanna. Warum?

"Weil wir einen Song hatten, der eine Sängerin brauchte. Wir haben sehr intensiv darüber diskutiert, wer den weiblichen Teil in "Princess of China" singen sollte. Am Ende sagten wir: Wenn wir eine weibliche Stimme auf dem Album haben, soll es die beste sein. Rihanna ist eine fantastische, sehr präsente Sängerin. Sie klingt übrigens rauer, emotionaler, als man es sonst von ihr kennt. Die Kooperation ist etwas, das man von ihr und von uns nicht erwartet hat. Wir sind schon eine ziemliche Weile als Band unterwegs - da ist es nicht mehr so einfach, noch etwas Unerwartetes zu machen. Wir wollten uns auf Trab halten."

Es ist natürlich auch ein raffiniertes Crossover-Marketing: Viele, die bislang nur Rihanna kannten, hören jetzt auch Coldplay - und umgekehrt.

"Das war nicht die Absicht, aber wir freuen uns über den schönen Nebeneffekt."

Bereits 2005 haben Sie in der Arena gespielt. Ist Leipzig für Sie einfach ein Ort, an dem Sie Ihre Lieder spielen und gefeiert werden?

"Nun, vor langer, langer Zeit sind wir mal als eine von mehreren Bands bei der "Rolling Stone Roadshow" aufgetreten. Wir waren sehr jung, mit sehr vielen Leuten im Bus unterwegs. Wir wurden müde, krank, wir hatten eine schwere Zeit als Band. Es war ausgerechnet in Leipzig, wo wir unseren Auftritt (es war am 7. Dezember 2000 im Haus Auensee, Anm. d. Red.) absagten und uns entschieden, die Tour abzubrechen. Ich erinnere mich, wie ich damals dachte: Mann, du musst wirklich tough sein, um in einer Band zu überleben. Diese Tour, diese abgesagte Show in Leipzig war ein Weckruf für uns: Du kannst nicht erwarten, geradewegs zum Gipfel zu kommen, du musst hart dafür arbeiten. Wieder nach Leipzig zu kommen, heißt auch, diesen Geist von damals endgültig zurück in die Flasche zu bringen."

"Coldplay" ist ganz im Gegensatz zu seiner wörtlichen Bedeutung ein Synonym für Emotion und Leidenschaft. Wie schaffen Sie es, sich beim Schreiben immer wieder in diese Stimmung zu versetzen?

"Für uns geht es dabei nur um Ehrlichkeit. Wir schnüffeln sehr schnell raus, wenn etwas unecht, unaufrichtig ist. In unseren Liedern wollen wir Emotionen rüberbringen. Wenn da etwas nicht ehrlich ist, fühlt es sich falsch an, in den Ohren, im Körper, überall."

Haben Sie als Schlagzeuger ein Lieblingslied von Coldplay?

"Im Moment ist es "Charlie Brown" vom neuen Album. Es ist geradeaus, einfach - und sehr befriedigend und kraftvoll. Schon immer habe ich auch sehr gerne "The Scientist" gespielt. Ich kann dabei gut durchatmen, mich auf diesen schönen entspannenden Groove konzentrieren."

Man sagt, wir stehen auf den Schultern von Riesen. Auf welchen musikalischen steht Coldplay?

"Als Band stehen wir auf allem, was es vor uns gab. Alles, was wir hören, inspiriert uns, interessiert uns, macht uns neugierig: Wie haben die diesen Klang erzeugt? Natürlich haben uns die großen Bands unserer Generation beeinflusst: Oasis, Blur, Nirvana. Doch letztlich stehen wir alle auf den Schultern der Beatles."

Was ist mit Folk?

"Ich bin damit zu Hause aufgewachsen. Im Folk wie in unserer Musik geht es nicht um blitzende Produktionen und stylisches Zeug, sondern um das Herz eines Songs: die Melodie und den Text. Ich mag Tanzmusik und Hip-Hop, aber ein guter Song schlägt für mich alles."

Es ist vermutlich nicht einfach, eine der erfolgreichsten Bands auf dem Planeten zu sein. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

"Es gibt den Druck, den wir uns selbst machen, das Beste aus uns herauszuholen. Aber wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem wir sehr zufrieden mit dem sind, wer wir sind und was wir machen. Ich glaube, Druck entsteht, wenn man sich nicht sicher, nicht mit sich im Reinen ist. Wir lieben, was wir tun. Wir fühlen keine Erwartung von außerhalb. Wir sind wie eine verrückte männliche Vier-Wege-Hochzeit - glücklich, voller Energie."

Das klingt, als gehe es noch sehr lange weiter mit Coldplay.

"Lassen Sie uns erstmal nach Leipzig kommen!"

Heute in der Red-Bull-Arena in Leipzig (Karten 63 bzw. 75 Euro) gibt es noch an der Abendkasse.

Interview: Jürgen Kleindienst

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