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Vor der Uraufführung: Gabriela Monteros Latin-Concerto

MDR-Masken-Festival Vor der Uraufführung: Gabriela Monteros Latin-Concerto

Am Sonntag, 120. März, hebt Kristjan Järvi im Rahmen seines Masken-Festivals im Gewandhaus Gabriela Monteros Klavierkonzert „Latin“ aus der Taufe. Solistin ist die Komponistin höchstselbst.

Gabriela Montero am Klavier.

Quelle: Armin Kühne

Leipzig. Improvisation war einst der Urgrund aller Komposition: Mozart und Beethoven, Chopin und Liszt, Rachmaninoff, selbst noch Ravel ließen auf dem Klavier ihren Gedanken freien Lauf, bevor sie sich ans architektonische Aufbereiten machten, Improvisation in Komposition überführten. Das ist längst passé. Viele Komponisten wurden zu Konstrukteuren oder zu Bastlern, und das freie Spiel verabschiedete sich in Exil, in den Jazz und auf die Orgelbank.

Aber es gibt ja noch Gabriela Montero, 45, die Ausnahme-Pianistin aus Venezuela. Ihr erstes Konzert spielte sie als Achtjährige mit jener Sinfónica de la Juventud Venezolana Simón unter der Leitung José Antonio Abreu, der mit seinem „El Sistema“ getauften Musik-Projekt Kinder aus den Slums holte und einen Mythos schuf. Kurze Zeit später sagte die große Martha Argerich, nie sei ihr ein solches Talent begegnet: „Gabriela Montero ist ein Solitär unter den Pianisten unserer Zeit“. Und das nicht nur, weil ihre fabelhafte Technik sie auf Augenhöhe mit den Größten ihrer Zunft musizieren lässt, sondern weil sie so ziemlich die einzige ist, die die hohe Schule der pianistischen Improvisation in der Klassik am Leben erhält. Mehrfach schon hat sie dies in den letzten Jahren in Leipzig bewiesen, und wer einen dieser Abende erlebt hat, wird den Zauber dieses aus dem Moment geborenen Klavierspiels schwerlich wieder vergessen. „Improvisation, sagt Montero, „ist ein Teil meines Lebens – von Kindesbeinen an“.

Nun geht Montero konsequent den nächsten Schritt. Den von der Improvisation zur Komposition, von der Flüchtigkeit zur Notation, vom Augenblick in die Hoffnung auf Ewigkeit. Klavierwerke hat sie schon zahlreiche zu Papier gebracht. Aber am Sonntag steht im Gewandhaus ihr Erstling in der Königsgattung der Klassik und Romantik zur Uraufführung an: Ihr Klavierkonzert „Latin“. Am Pult des MDR-Sinfonieorchesters steht Kristjan Järvi, und das Konzert, in dem Werke von Strauss und Rimski-Korsakow die Novität rahmen, ist der Abschluss seines Masken-Festivals.

In dessen Programmen hat der Funker-Chef viel mit den Mischungen der Stile und Stilhöhen experimentiert. Insofern passt auch Monteros Latin Concerto gut in diesen Rahmen. Denn wie in ihren Improvisationen zeigt sie in dieser großformatigen Komposition, dass sie ganz selbstverständlich verfügt über die Musikgeschichte. Was nichts zu tun hat mit tonsetzerischer Sorglosigkeit. Virtuos entwickelt Montero diesen klaviersinfonischen Kosmos aus den Motivzellen einer verschattet herben einleitenden Beschwörungsformel heraus, bevor sie die Sprengladung zündet, die den Mambo des Kopfsatzes in Gang bringt. Trotz aller überschäumenden Energie bleibt der pulsierende und so anspruchsvolle wie wirkungssichere Klaviersatz filigran und durchhörbar. Mehr Ravel verpflichtet als Rachmaninoff. Was auch für die kleinteilig durchbrochene Instrumentation des Orchestersatzes gilt. Doppeltes Holz steht da den Streichern gegenüber und zwei Perkussionisten, die dem Pauken-Kollegen an üppig ausdifferenziertem Schlagwerk assistieren.

Fragt man Gabriela Montero nach ihrem Klavierkonzert, sprudelt es nur so aus ihr heraus: „Mein Konzert“, sagt sie, „ist ein festliches, rhythmisches, dunkles und dramatisches Stück. Es hat drei Sätze, Mambo, Andante moderato und Allegro venezolano, ist voll von virtuosen Herausforderungen für den Solisten wie fürs Orchester. Und es ist, wie sich das für lateinamerikanische Musik gehört, voll von Extremen. Es ist unerbittlich, bewegend, pikant, stürmisch, delikat und kraftvoll. Die musikalische Sprache ist modern und eklektisch zugleich und reichlich durchzogen mit Latino-Rhythmen, wie Mambo, Salsa, Bolero und venezolanischen Tänzen.“

Gabriela Montero hat in den berühmtesten und größten Sälen der Welt gespielt. Aber die Leipziger Uraufführung ist doch noch etwas besonderes für sie. Denn „nichts ist vergleichbar mit der Aufregung, ein eigenes Werk zum ersten Mal zu spielen. Ich kann es kaum abwarten, dass Latin-Concerto zum ersten Mal zu hören.“

Sonntag, 20. März, 19.30 Uhr, Gewandhaus: Kristjan Järvi dirigiert, Gabriela Montero spielt die Uraufführung ihres Latin Concerto. Außerdem auf dem Programm: „Aus Italien“ von Richard Strauss und Nikolai Rimski-Korsakows Capriccio espagnol. LVZ Media Store in den Höfen am Brühl Leipzig, in allen LVZ-Geschäftsstellen, über die gebührenfreie Tickethotline 0800 2181050 sowie auf der Internetseite www.lvz-ticket.de .

Von Peter Korfmacher

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