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"Wachsam bleiben": Auch Sebastian Krumbiegel will am Sonnabend "Courage zeigen"

"Wachsam bleiben": Auch Sebastian Krumbiegel will am Sonnabend "Courage zeigen"

Am Sonnabend wird auf der Alten Messe in Leipzig das schon traditionelle Courage-Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Antisemitismus stattfinden.

Leipzig. Es ist die bereits 14. Ausgabe des gleichermaßen musikalischen wie auch politischen Events. Seit Anfang an dabei: Sebastian Krumbiegel. Wir sprachen mit dem Sänger der Popgruppe Die Prinzen über sein Engagement gegen Rassismus und warum es auch noch 2011 notwendig ist, am Vorabend des 1. Mai gemeinsam Courage zu zeigen.

Wann und aus welchem Grund wurden die Courage-Konzerte initiiert?

Sebastian Krumbiegel:

1998 wollten Neonazis am Völkerschlachtdenkmal aufmarschieren. Diese Wahrzeichen der Stadt Leipzig in Beschlag zu nehmen und an diesem Ort öffentlichkeitswirksam zu demonstrieren war denen wohl wichtig. Wir haben damals einfach gesagt: Wir besetzen den Platz und initiieren ein Konzert. Das war rückblickend sicher etwas naiv und blauäugig, aber es hat funktioniert. Seit damals haben die Nazis um Christian Worch immer wieder versucht, am Völki zu demonstrieren und sie haben es nie geschafft. Das "Courage"-Konzert findet seitdem in schöner Regelmäßigkeit statt - dieses Jahr zum 14. Mal.

Warum brauchen wir auch 2011 noch dieses Festival?

Sebastian Krumbiegel:

Die Themen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus sind leider immer noch sehr aktuell. Auch wenn sie in den Medien nicht mehr so präsent sind, jeden Tag passieren in Deutschland Dinge, die in dieses Raster passen. Seit dem Mauerfall sind in Deutschland über 140 Menschen durch rechtsradikale oder rassistisch motivierte Übergriffe zu Tode gekommen. Ganz abgesehen davon sind Rassismus und Rechtsextremismus mittlerweile in die sprichwörtliche Mitte der Gesellschaft gerückt. Verantwortungslose Politiker profilieren sich am rechten Rand um Wahlen zu gewinnen und Leute wie Sarrazin zündeln gefährlich und populistisch um Bücher zu verkaufen und finden sich damit in den Bestsellerlisten wieder. Auch wenn wir in Leipzig in den letzten Jahren alle Naziaufmärsche erfolgreich verhindert haben, sollten wir wachsam bleiben. Nach wie vor gibt es ein NPD-Büro in der Odermannstrasse, nach wie vor sitzt diese unsägliche Partei im Leipziger Stadtrat und sogar im sächsischen Landtag.

Was sind die Besonderheiten beim Courage-Konzert in diesem Jahr?

Sebastian Krumbiegel:

Dieses Jahr haben wir von Anfang an versucht, den politischen Charakter des Konzertes wieder mehr in den Vordergrund zu stellen. Im Laufe der Jahre hat es Abnutzungserscheinungen gegeben, was sicherlich normal ist. Die Leipziger Konzertagentur "Kontraproduktiv" um Robert Linke hat sich um ein frischeres Line-up gekümmert. Junge Bands, die inhaltlich zum Thema passen, werden dabei sein.

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Auch 2011 wird das Courage-Konzert wieder auf der Alten Messe stattfinden. Der Eintritt ist frei. (Archivfoto 2010)

Quelle: André Kempner

Warum und seit wann engagieren Sie sich für das Courage-Festival?

Sebastian Krumbiegel:

Ich bin von Anfang an dabei und das wäre nicht so, wenn mir das Thema nicht so wichtig wäre. Die Wendezeit im Herbst '89 hat mich politisch "angeknipst". Damals habe ich hautnah miterlebt, dass wir etwas verändern können, wenn wir uns einmischen. "Wir sind das Volk" war damals der Haupt-Slogan und "Keine Gewalt". Beides ist heute nach wie vor aktuell und in dieser Tradition sehe ich auch das "Courage"-Konzert.

Wie können die Leipziger in ihrem Alltag Courage zeigen?

Sebastian Krumbiegel:

Es sollte wohl selbstverständlich sein, sich einzumischen, wenn um dich rum irgendwas passiert, was nicht cool ist. Dabei geht es gar nicht vordergründig um kampfsport-mäßiges Heldentum. Es geht darum, Augen und Ohren offen zu halten und schon dann verbal dazwischen zu grätschen, wenn irgendwo von "Negern" oder "Kanacken" gesprochen wird. In der Straßenbahn, auf dem Schulhof, im Supermarkt, im Büro oder in der Clique - solche Vokabeln sind rassistisch und gehören nicht in meinen Wortschatz. "Du schwule Sau" oder "Du Behinderter" - wenn jemand in meiner Gegenwart so spricht, gehe ich dazwischen - damit geht es los. Und natürlich mit dem "Courage"-Konzert.

Es spielen wirklich großartige Bands und es geht um eine gute Sache. Ab 18 Uhr geht es los und es lohnt sich auch wirklich von Anfang an da zu sein, weil es keinen wirklichen Top-Act gibt und die Reihenfolge der Bands kurzfristig entschieden werden wird. Ich selbst werde mich dieses Jahr musikalisch zurückhalten und zusammen mit der charmanten Wiebke Binder von Radio Sputnik moderieren - wir haben jede Menge zu erzählen und freuen uns auf hoffentlich viele Leute.

Annett Riedel

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