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Wagner und Bruckner für Kinder in Not

Mathias Goerne und Christoph Eschenbach im Benefizkonzert für „Leipzig hilft Kindern“ Wagner und Bruckner für Kinder in Not

Für den Vorabend des Ersten Advents laden Gewandhaus, Leipziger Volkszeitung, Verbundnetz Gas AG, Porsche Leipzig und die Sparkasse Leipzig auch in diesem Jahr wieder zur Benefiz-Gala in den großen Saal des Gewandhauses. Auf dem Programm stehen Meisterwerke von Richard Wagner und seinem Verehrer Anton Bruckner.

Christoph Eschenbach

Quelle: Luca Piva

Leipzig. Die Benefiz-Galas am Vorabend des Ersten Advents im Gewandhaus blicken auf eine lange Tradition zurück. Seit 2009 gehen die Erlöse dieser Konzerte, die Gewandhaus, Leipziger Volkszeitung, Sparkasse Leipzig, Verbundnetz Gas AG und Porsche Leipzig gemeinsam präsentieren, an die gemeinsame Stiftung „Leipzig hilft Kindern“. Die hat sich „die Unterstützung und Förderung der Jugendhilfe, insbesondere der Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit, des erzieherischen Jugendschutzes, der Erziehung in der Familie, in Tageseinrichtungen sowie die Förderung von Volks- und Berufsbildung und Erziehung“ zum Ziel gesetzt – vor allem in Leipzig und Umgebung. Denn auch vor der Haustür gibt es Not, auch jenseits der besonderen Situation der Flüchtlinge.

Auf dem Programm der diesjährigen Gala stehen am 28. November Werke von zwei Komponisten, die eine sehr spezielle Beziehung miteinander verbindet, zumindest in eine Richtung: Anton Bruckner (1824 – 1895) und Richard Wagner (1813 – 1883). Denn der Meister aus Linz verehrte den Kollegen aus Leipzig beinahe abgöttisch und bettelte nachgerade darum, ihm seine dritte Symphonie widmen zu dürfen. Wagner reagierte allerdings auf entsprechende Briefe gar nicht, so dass der bescheidene bis schüchterne Bruckner sich im Herbst 1873 nach Bayreuth aufmachte, um persönlich vorzusprechen. Auch diese Begegnung der beiden verlief keineswegs auf Augenhöhe. Aber nach eingehender Prüfung der Partitur nahm Wagner die Widmung schließlich an – und die beiden tranken noch ordentlich einen über den Durst, wovon Bruckner den Rest seines Lebens zehrten. Als er im Februar 1883 vom Tod des Angebeteten hörte, schlug sich dies in seiner (mit gewaltigem Erfolg im Leipziger Gewandhaus uraufgeführten) Siebten nieder.

Auf dem Programm der Benefiz-Gala steht indes nicht die, sondern die grandiose Neunte. Und deren Widmungstzräger ist der einzige, den Bruckner über Wagner gelten ließ: „der Liebe Gott“. Eine Widmung nicht ohne Hintergedanken, denn der Komponist war bereits von Krankheit gezeichnet, und mit dieser rührend naiven Geste wollte er sicherstellen, dass er noch lang genug leben würde, um sie vollenden zu können: „Wenn sie nicht fertig wird“, soll er gesagt haben, „ist er halt selbst schuld“. Sie wurde nicht fertig, der Schlusssatz fehlt.

O oder auch nicht. Denn was hätte noch kommen können nach diesem monumentalen und „feierlichen“, Adagio, diesem Finalsatz, der keiner sein sollte, der aus den vielen himmlischen langsamen Sätzen Bruckners nochmals herausragt? Folglich überzeugten bisher auch die zahlreichen Versuche nicht wirklich, aus dem überkommenen Skizzen-Material ein zusätzliches Finale zusammenzubauen. Bei Bruckners Neunter verhält es sich wie bei Schuberts Unvollendeter: Es ist ein vollkommener Torso.

Um dessen Klangwerdung kümmert sich im Benefizkonzert Christoph Eschenbach, Jahrgang 1940 und den Sinfonien Anton Bruckners vom Beginn seiner Karriere an eng verbunden: Seinen Durchbruch als Dirigent erlebte der bereits sehr erfolgreiche Pianist 1972 in Hamburg mit der Wagner gewidmeten Dritten des Linzers, die übrigens wie die Neunte in d-moll steht.

Eschenbach dirigiert in der ganzen Welt. Er war Chef in Ludwigshafen (1979 – 1981), und beim Tonhalle-Orchester in Zürich (1982 – 1985), in Houston (1988 – 1999), und beim NDR-Orchester (1998 – 2004), in Paris (2000 – 2010) Orchestra und beim Philadelphia Orchestra (2003 – 2008). 2010 übernahm Christoph Eschenbach die künstlerische Leitung des National Symphony Orchestra in Washington. Daneben ist er bei den großen Orchestern der Welt gern gesehener Gast. Bei seinem vorletzten Dirigat beim Gewandhausorchester lag im Mai des vergangenen Jahres ebenfalls Bruckner auf dem Pult: die „Romantische“ vierte Sinfonie.

Die erste Hälfte der 2015er Benefiz-Gala gehört Richard Wagner, zwei seiner beeindruckendsten Bariton-Szenen stehen auf dem Programm: „Die Frist ist um“ aus „Der fliegende Holländer“ und „Leb wohl, du kühnes herrliches Kind“, Wotans Abschied von seiner Lieblingstochter Brünnhilde, und der Feuerzauber vom Ende der „Walküre“. Als Bariton konnte Matthias Goerne verpflichtet werden, geboren 1967 in Weimar und einer der international erfolgreichsten Sänger Deutschlands.

Auch er singt auf den Opern- und Konzertbühnen der ganzen Welt und ist Dauergast in den Großen Concerten des Gewandhausorchesters. Riccardo Chailly etwa buchte ihn regelmäßig für Beethovens Neunte, im letzten Jahr gestalteten die beiden zum Strauss-Jubiläum einen beeindruckenden Abend mit Orchesterliedern.Vor ziemlich genau einem Jahr übernahm er mit der ernsten Durchdringung und gestalterischen Tiefe seiner samtenen Stimme im von John Eliot Gardiner dirigierten Deutschen Requiem von Johannes Brahms die Bariton-Partie. Mit Musik Richard Wagners hat er sich bislang an der Pleiße noch nicht hören lassen, was die Angelegenheit noch interessanter macht.

Große Interpreten also für Große Musik also, die man nicht verpassen sollte, für Kleine, die unverschuldet in Not geraten sind.

Samstag, 28. November, 20 Uhr, Gewandhaus: Gala für die Stiftung „Leipzig hilft Kindern“, Tickets (5 bis 65 Euro) gibt’s noch unter Tel. 0800 2181050, in allen LVZ-Geschäftsstellen oder unter www.lvz-ticket.de, an der Gewandhauskasse respektive unter Telefon 0341 127280. Wenn Sie über den Kauf einer Konzert-Karte hinaus die Arbeit der Stiftung Leipzig hilft Kindern unterstützen möchten, ist ihre Spende natürlich herzlich willkommen. Denn jeder Euro hilft helfen: Sparkasse Leipzig IBAN: DE16860555921100902003; BIC: WELADE8LXXX; Verwendungszweck: Spende für die Stiftung „Leipzig hilft Kindern“; www.leipzig-hilft-kindern.de

Von Peter Korfmacher

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