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Wahr bleibt, was wahr ist: Wie die Sterne in Leipzig ihren 25. Bandgeburtstag feiern

Conne Island Wahr bleibt, was wahr ist: Wie die Sterne in Leipzig ihren 25. Bandgeburtstag feiern

Am Ende werden die Leute nicht zu singen aufhören ... Auf ihrer Tour zum 25. Bandgeburtstag haben Die Sterne am Sonntag auch im Leipziger Conne Island vorbeigeschaut – und wurden ausgiebig gefeiert.

„Ich sag ja / Ich will nur hier sein“: Frank Spilker Sonntagnacht im Conne Island.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Die Schlange vorm Conne Island ist am Sonntagabend so lang, dass man in der Kälte bibbernd ein vages Gefühl dafür bekommt, wie lang 25 Jahre sein könnten. Drinnen ist aber geheizt, und kuschelig wird es sowieso bei so vielen Menschen. Die reagieren dann aber doch eher unterkühlt auf die Vorband Egotronic. Sicher, die Knie werden langsam eingefedert. Aber man ist zweifelsohne wegen der Sterne hier.

Und die schleichen kurz nach zehn auf die Bühne. Frank Spilker begrüßt das Publikum, furchtbar nett, etwas unsicher, mit einer Stimme, die nach wie vor klingt, als wäre er Anfang 20. Hemdsärmelig nannte man sowas früher mal. „Zum Aufwärmen“ spielt das Trio, das live ein Quartett ist, einen Song vom letzten Album, „den wir noch gut können.“ Von 25.-Jubiläumsroutine ist die Band circa 20 Jahre entfernt. Synthieflächen und New-Order-Bass in „Nach fest kommt lose“ – „was für ein Getose“ schon beim zweiten Stück!

Das am Freitag erschienene Album „Mach’s Besser – 25 Jahre Die Sterne“ versammelt 25 Songs der Hamburger, die von 25 Bands gecovert wurden. Spilker lobt an diesem Abend jede einzelne, die sich des jeweils folgenden Songs angenommen hat. „In diesem Sinn“ habe Family 5 „fast noch besser als wir“ gemacht – und live fehlen dann tatsächlich die Bläser. Aber andererseits verfliegt dieser Gedanke schnell, die Songs grooven ohne Ende. Der zwei Meter große Frank Spilker tanzt dazu wie ein zwei Meter großer Deutscher eben so tanzt. Später schwingt er am Bühnenrand die steifen Hüften, dass es eine Freude ist.

Nur Spilkers Stimme und die leiseste Gitarre der Welt

Das eh schon düstere „Ihr wollt mich töten“ singt er mit Keyboarderin Dyan Valdes, die den Song mit The Blood Arm fürs Album coverte. Mehr Nick-Cave-und-Kylie-Minogue-Schauer kann man in so kleinem Rahmen nicht bekommen. Ein Ritt durch die Bandgeschichte führt dann in ein Finale furioso. Es orgelt wie in besten Zeiten mit Frank Will (und später Richard von der Schulenburg). Und dann: „Wahr ist was wahr ist“, dieser nun schon 15 Jahre währende Aufschrei, der am Anfang gar keine Melodie hat, eigentlich gar kein Song ist. Da ist nur Spilkers Stimme und irgendwo die leiseste Gitarre der Welt. Der ganze Saal singt von der ersten Silbe an mit. Die allgemein gedachten Zeilen „Ich sag nein / Ich will hier nicht sein!“ bedeuten für diesen konkreten Moment im Conne Island ganz entschieden: „Ich sag ja / Ich will nur hier sein!“

Nach diesem Stück kann nur eins kommen: „Was hat dich bloß so ruiniert“, der „Song 2“ der Sterne. Kein Publikum der Welt würde die Band danach ohne Zugabe davonkommen lassen. Nicht jede Band würde das mit sechs Liedern belohnen. Darunter „Anfang verpasst“, einer der frühen Songs, in denen man immer den Eindruck hat, dass da viel zu viel Text für nur ein Lied ist. Zum Abschluss „gibt es keine Parolen wie die: Fickt das System“. Aber das Publikum will noch eine siebte Zugabe.

Thomas Wenzel tritt ans Piano, Frank Spilker ans Mikro, die Leute hören nicht auf zu singen: „Wir finden schon nach Hause, so oder so. Bis neun bist du O.K., bei zehn erst k.o.“ Die Band verlässt winkend die Bühne. Stars sind sie in 25 Jahren nicht geworden. Mussten sie aber auch nicht, sie waren ja schon von Anfang an Die Sterne.

Von Benjamin Heine

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