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Wahrscheinlich war er nie besser

„Auf den Kopf gestellt“: Roland Kaiser in der Arena Leipzig Wahrscheinlich war er nie besser

In der mit 4000 begeisterten Fans gut gefüllten Arena Leipzig hat Roland Kaiser am Montagabend sein aktuelles Album „Auf den Kopf gestellt“ präsentiert – und viele Hits aus vier Jahrzehnten.

Roland Kaiser in der Arena Leipzig.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Es ist noch nicht halb neun, folglich Roland Kaisers Leipziger Konzert am Montagabend keine halbe Stunde alt. Doch in der mit gut 4500 Fans gefüllten Arena sitzt man bereits nur noch ausnahmsweise. Er weiß eben, wie’s geht, der 64-Jährige, der sich im Laufe von vier Jahrzehnten vom smarten Schlager-Barden zum veritablen Crooner, zum Grandseigneur gehobener Unterhaltung entwickelt hat. Auf diesem Gipfel wohnt es spätestens seit Udo Jürgens’ Ableben allein, was ein Grund dafür sein mag, dass er sich im Rahmen der aktuellen Tour auch auf der Bühne musikalisch verbeugt vor dem großen Kollegen – und wo er schon mal dabei ist, sich zu verbeugen: „Über sieben Brücken musst du geh’n“ hat nun also auch Roland Kaiser gesungen.

Doch so weit sind wir noch nicht. Es ist fünf vor halb Neun, die spitzen Schreie der Begeisterung, die den Saal seit Konzertbeginn durchgellen, wachsen zur Wand zusammen – vorn gibt es unter der so aufwendigen wie geschmackvollen Licht- und Video-Show den ersten Hit von früher: „Dich zu lieben“. 36 Jahre hat die Nummer auf dem Zähler. Aber sie zündet wie am ersten Tag. Wahrscheinlich war sie nie besser.

Das liegt zum einen daran, dass Kaisers Bariton viel von dem Leben aufgesogen hat, das sein Besitzer seither führte. Natürlich fordert die Lungen-Erkrankung, die seine Karriere beinahe beendet hätte, nach wie vor ihren Tribut. Aber das sonore Raspeln dieses Baritons in tiefer und tiefster Lage, auch die nicht unangestrengte, aber umso eindringlichere Höhe der tiefergelegten Version befördern so etwas wie Glaubwürdigkeit.

Entscheidend aber ist etwas Anderes: Es ist das Aufeinandertreffen eines in Würde gereiften Bühnenkünstlers mit einer fabelhaften Band: Alt-Saxophon, Trompete und Posaune sorgen für BigBand-Reflexe, Stromgitarren für rockigen Druck, zwei Keyboards, ein Schlagzeug, Percussion treiben und pumpen in opulenter Klangfarben-Fülle vorwärts. Bei Bedarf helfen die Herren der Combo auch bei ihrer Kollegin von den Vocals aus. Das alles ist nicht überarrangiert, aber fett – ohne Kaisers Stimme allzu sehr auf die Pelle zu rücken. Denn um die geht es ja hier. Der Chef lässt sich seinerseits nicht lumpen, reagiert flexibel auf seine Band – und insgesamt bleibt festzustellen: Man muss, um das zu mögen, kein Freund des Genres sein, über das dieses Konzert weit hinauswächst.

Und das gilt keineswegs nur für die alten Hits, von denen Kaiser so viele hat, dass es ihm sicher nicht leicht fällt, für jede neue Tour eine Auswahl zu treffen: „Midnight Lady“, „Santa Maria“, „Manchmal möchte ich schon mit dir“, „Schach matt“ ... es sind so viele, und doch fehlen noch viel mehr. Die Fans aus mittlerweile drei Generationen jedenfalls geraten mit jedem weiteren tiefer in den Taumel der Glückseligkeit, tanzen, schunkeln, singen mit – soweit der verständliche Wunsch noch Kapazitäten lässt, das Erlebte mit dem Smartphone vor der Nase für die Ewigkeit zu bannen – oder wenigstens für die Lieben daheim.

Dass, wer eine Karte für ein Roland-Kaiser-Konzert löst, bei den alten Hits textsicher ist, erscheint nicht weiter verwunderlich. Doch auch bei den Songs vom neuen Album „Auf den Kopf gestellt“, das der Tour den Namen gab, verhält es sich kaum anders. Sie beherrschen den ersten Teil des langen Abends, der mit dem Titelsong beginnt und fügen sich nahtlos ein in dieses Hitfeuerwerk: Auch sie kreisen vornehmlich um die drei großen Themenkreise: Liebe, Liebe und Liebe. Auch sie zeigen, das Kaisers Komponisten wissen, wie man einen Mitsing-Refrain bauen muss. Und auch sie sind live mit dieser Band um Klassen besser als auf dem Album.

Das scheint auch der Kaiser selbst so zu sehen, der sich in souveräner Lässigkeit in der allfälligen Begeisterung sonnt – und dem am Schluss der Abschied von seinen Fans tatsächlich nicht leicht zu fallen scheint.

 

Von Peter Korfmacher

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