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Warum Olav Amendes Versuch misslingt, Büchners „Woyzeck“ als Komödie zu spielen

Cammerspiele Warum Olav Amendes Versuch misslingt, Büchners „Woyzeck“ als Komödie zu spielen

Am Donnerstag hatte die Cammerspiele-Produktion „Woyzeck. Eine Komödie“ Premiere in der ausverkauften Nato. Leider doktert Regisseur Olav Amende an Büchners Sprache herum wie der Doktor im Stück am armen Woyzeck – was nur einer von vielen Gründen ist, deretwegen aus dem Text leider kein mitreißendes Spiel wird.

Georg Herberger, Falko Köpp, Anne Rab, Christian Backhauß (von links).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Als „Woyzeck. Eine Komödie“ ist das Stück betitelt. Und natürlich mag da der Bildungsbürger gleich so ein „Oh, là, là“ von sich geben. Wissend, dass dieser Stoff doch alles andere als lustig ist. Und ahnend, wenn nicht fürchtend, dass sich da wohl jemand mit einem gesunden Maß Ambition, Büchners berühmtes Dramenfragment zur Brust nahm. Am Donnerstag hatte die Cammerspiele-Produktion „Woyzeck. Eine Komödie“ Premiere in der ausverkauften Nato.

Nun sind, man weiß es nur zu gut, Komödien auf deutschen Bühnen ja eher selten lustig. Gilt auch für diese Inszenierung, die das Spiel im leeren Raum riskiert. Kaum Requisiten, kaum szenische Bilder, Lichtdramaturgie so gut wie keine. Die Reduzierung soll wohl auf das Wesentliche zielen. Auf die Essenz, auf den Text.

So weit, so gut. Nur, dass genau dieser Text hier eben nicht zum Tragen und damit dieses Stück nicht in Gang kommt. Das hat verschiedene Gründe. Der Wesentliche: Regisseur Olav Amende doktert an Büchners Sprache herum wie der Doktor im Stück am armen Woyzeck. Und das mit ähnlichen Folgen. Gefüttert mit – bleiben wir bequemerweise bei dem Wort: Ambition – so wie der Woyzeck mit Bohnen, erscheint hier doch recht oft gebläht, was eigentlich kantig und harsch ist.

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Am Donnerstag hatte die Cammerspiele-Produktion „Woyzeck. Eine Komödie“ Premiere in der ausverkauften Nato.

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Das meint weniger jene fraglos legitimen Freiheiten des Textumarbeitens, des Hinzufügens und Weglassens, die sich diese Inszenierung genommen hat, als vielmehr ein Unvermögen, Büchners Sprache tatsächlich den Puls zu fühlen, ihren Herzblut-Rhythmus zu hören und diesem nachzufolgen. Auf dass das Wort Fleisch, sprich: Spiel werde.

In „Woyzeck. Eine Komödie“ geschieht genau das nicht. Die Folge, wie gehabt in derlei Fällen: Schauspieler, die – jeder auf seine Art – das Aufzusagende lediglich modellieren. Die Gesten machend Sprache kneten. Die sich, mal dramatisch plusternd, mal ironisch karikierend, an Emotionsillustrationen und Figurenzeichnungen versuchen.

Dass dabei nun Christian Backhauß seinen Woyzeck selbstbewusster, viriler und gefährlicher auch gibt als gemeinhin gewohnt, hätte reizvoll werden können – wenn darüber nicht die dramatische Fallhöhe dramatisch geschrumpft wäre. Karikieren doch zugleich, wenn auch durchaus unterhaltsam, Falko Köpp (Doktor) und Georg Herberger (Hauptmann) ihre Figuren zu bizarr-pittoresken Wesen, deren fatale Dominanz zumal über diesen Woyzeck reine Behauptung ist und sich nur mit der wenig originellen Schimäre „gesellschaftliche Umstände“ wenig originell erklärt.

Bleibt noch Anne Rab als Marie, die in ihrer Rolle wirkt, als halte die Regie sie im Stückkontext für eine bloße, wenn auch fraglos dekorative Notwendigkeit, deren Facetten sich im Grunde mit einem Kostümwechsel vom unschuldigen Weiß zum verführerischen Schwarz erschöpfend darstellen lassen. Freilich, kaum was ist im Theater zählebiger als derlei Theaterchauvinismus. Und dass der sich wiederum seiner selbst oft so wenig bewusst ist, hat dann durchaus tatsächlich auch was von einer Komödie.

Weitere Aufführungen von „Woyzeck. Eine Komödie“: heute und am morgigen Sonntag, je 20 Uhr, sowie 9. bis 11. April, Nato (Karl-Liebknecht-Straße 46), zudem von 5. bis 8. April in Halle D (Werk 2, Kochstraße 132), Eintritt 12/8 Euro

Von Steffen Georgi

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