Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Was treiben die da? - Zeitgenössische Kunst erobert das Neue Augusteum

Was treiben die da? - Zeitgenössische Kunst erobert das Neue Augusteum

Wer den quadratisch-praktisch-guten Ausstellungsraum der Uni-Kustodie im Kroch-Haus kennt und nun in die kleinere Galerie im Neuen Augusteum kommt, kann sie besichtigen, die "engeren Spielräume", von denen allerorten die Rede ist.

Es gibt dort seit gestern aber auch die sehenswerte Ausstellung "Spektrum". Gezeigt werden die Arbeiten von sechs künstlerischen Lehrkräften, die am Institut für Kunstpädagogik unterrichten. Fast alle Genres sind vertreten.

 In der Mitte treiben es fast drei Meter hoch und lang ein Bär und ein Stier. "Was ist Sodomie?", fragt die Arbeit von Tobias Rost, solle laut Künstler aber keineswegs eine Aufforderung zu sexuellen Handlungen sein. Der Skandal sei vielmehr das, worauf er hier drastisch-wütend hindeutet: das Treiben an den Börsen. Hier steht der Bär für fallende, der Stier für steigende Kurse. Die Skulpturen bestehen aus Plastikmüll, sind umhüllt mit Blasenfolie. Das passt. Fragen lässt die Arbeit keine offen.

 Ein Pool-Billardtisch, auch von Rost in den Raum gestellt, schon eher. Hier sollen im Rahmen einer Performance, Spieler, die alle nicht spielen können, gegeneinander antreten. Dazu wechselt ein Schiedsrichter ständig die Regeln. "Ein Sinnbild für eine Zeit. Keiner weiß, wie es geht, aber jeder tut so", meint Rost.

 Beide Arbeiten dominieren den lang gezogenen Raum, der vom Foyer des Neuen Augusteums aus gleich links auf Besucher wartet. Rund 160 Quadratmeter stehen hier zur Verfügung, weniger als die Hälfte der früheren Ausstellungsfläche, die aus der Galerie im Hörsaalbau (Nutzung bis 2005, rund 170 Quadratmeter) und dem Ausstellungszentrum im Kroch-Haus (bis 2007, rund 225 Quadratmeter) bestand. Dafür, so Uni-Kustos Rudolf Hiller von Gaertringen, lasse der Raum klima- und beleuchtungstechnisch nichts zu wünschen übrig. "Wir planen im Jahr parallel zum Semester-Rhythmus zwei größere Projekte." Kleinere Ausstellungen seien auch zwischendurch denkbar. Im Herbst soll eine Ausstellung studentisches Leben historisch und heutig in den Fokus rücken. Die erste Schau zur Eröffnung im Oktober 2012 hatte "Das Hauptgebäude der Universität Leipzig im Spiegel der Zeiten" untersucht, rund 2500 Besucher waren gekommen. Zeitgenössische Kunst könne auch in Zukunft immer wieder gezeigt werden. Wichtig ist Hiller von Gaertringen aber der Bezug zur Universität. "Wir werden uns nicht einfach in den Galeriebetrieb der Stadt einordnen."

 Die gestern eröffnete Gruppenausstellung "Spektrum" bringt sehr unterschiedliche Genres und Sichtweisen zusammen. Auch wenn von den sechs Künstlern nur jeweils eine kleine Auswahl zu sehen ist, ist es doch ziemlich voll geworden. Unter kuratorischer Federführung von Frank Schulz, Direktor des Instituts für Kunstpädagogik, wurden die Werke aber nicht in Nischen verfrachtet, sondern wechselseitig zum Rapport bestellt. Markus Laubes an der Linie orientierten geätzten Radierungen sprechen leise. Der in Schönebeck geborene Künstler zeigt Elblandschaften; er hat seine Heimat künstlerisch und räumlich in die Galerie geholt.

 Wilfried Huy operiert am Grenzgebiet von Wissenschaft und Kunst. Die 14 "Würfel" betitelten Blätter gehen auf eine Ausstellung von 1996 zurück, die sich mit dem Oktaeder beschäftigt hatte. Mit etwas Abstand betrachtet, meint er, ließen sich möglicherweise bestimmte Zahlenbedeutungen erkennen.

 Huys vertrackte Harmonien korrespondieren interessant mit Roland Meinels abstrakten Gitter- und Linien-Landschaften, in denen aber stets ein Bruch, eine Verwerfung lauert. Deutlich wird das auch auf einem anderen Betätigungsfeld. Aus Japanlack und handgeschöpftem Papier fertigt er - oft in jahrelanger Arbeit - Gefäße, von denen einige hier in einer Vitrine zu sehen sind. Mittendrin liegt eine Handgranate.

 Irritationen sind auch bei Andreas Wendt nicht ausgeschlossen. Der Grafikdesigner zeigt Ausstellungsplakate für die Kunsthalle der Sparkasse, aber auch Fotografien, in denen das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt hart und gar nicht herzlich thematisiert wird.

 Politik, Psychologie und Soziales geraten Verena Landau von Anfang an in die Kunst. Im Neuen Augusteum zeigt sie Menschen, die auf etwas warten, etwas anstarren. "Waiting for Stars", heißt die Reihe, die sich auf eine Arbeit von Jeremy Blake bezieht, die sie mit Besuchern im Museum of Modern Art in New York fotografierte und in Malerei übertrug. Ganz real erscheinen in Blakes Digital Painting Sterne. In der Wartehalle des Flughafens von Venedig sind es Flugzeiten, die sie im Bild verwischt - und auch damit das Absurde dieser ganzen Szenerie erwischt.

 Bis 15. Juni 2013, geöffnet Di-Fr 11-18, Sa 11-14 Uhr, in der  Galerie im Neuen Augusteum am Augustusplatz

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.04.2013

Jürgen Kleindienst

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2017/2018 im Schauspiel Leipzig. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Eine Papierfabrik stellt sich vor: "Edle Papiere aus Gmund" im Druckkunstmuseum Leipzig. Zur Schau des Monats! mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr