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Weiter Rätselraten um Chailly

Weiter Rätselraten um Chailly

Wird Riccardo Chailly seinen Vertrag als Gewandhauskapellmeister im Jahr 2020 erfüllen? Oder sich früher zurückziehen? Sicher scheint einstweilen nur: Die Jahreszahl 2018, seit vorgestern hinter vorgehaltener Hand im Umlauf, wir berichteten, ist reine Spekulation.

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Riccardo Chailly, Gewandhauskapellmeister 2005-20??. Wenn Sie das Foto scannen, sehen Sie ein Video.

Quelle: André Kempner

ist reine Spekulation. Was bei Lichte besehen nicht bedeuten muss, dass sie falsch ist, aber natürlich auch heißen könnte, dass der Absprung schon früher vollzogen wird. "Aus unserer Sicht", sagte gestern dazu knapp Gewandhaus-Sprecher Dirk Steiner, "ist das kein Thema, zu dem wir Stellung beziehen müssten".

Jedenfalls nach außen. Intern indes scheint es durchaus Klärungsbedarf zu geben. Kurzfristig wurde gestern Mittag eine Orchestervollversammlung einberufen, bei der es konkret um zweierlei ging: Erstens darum, dass Riccardo Chailly die Anzahl seiner Konzerte in Leipzig weiter reduziert (für die kommende Saison sind derzeit 21 Große Concerte mit ihm am Pult geplant) und sich in der Tat vor Vertragsende aus dem Tournee-Geschäft zurückzieht: Die Residence-Tour, die im Oktober für zehn Konzerte mit Werken von Mozart und Strauss nach Wien, Paris, Birmingham und London führt, wird wohl seine letzte mit dem Gewandhausorchester sein. Für die Asien-Konzertreise im März 2016 springt der 87-jährige Ehrendirigent Herbert Blomstedt ein, Chaillys Vorgänger, Gewandhauskapellmeister von 1998 bis 2005.

"Darüber bin ich", kommentierte gestern auf Nachfrage ein Orchestermusiker, der namentlich nicht genannt werden wollte, diese Informationspolitik, "menschlich tief enttäuscht. Wir haben zehn Jahre lang großartig mit Riccardo Chailly gearbeitet, wir haben in Leipzig und auf der ganzen Welt spektakuläre Erfolge miteinander gefeiert. Da hätte ich es für normal gehalten, dass er uns so etwas persönlich darüber sagt."

Des Weiteren ging es in der zunächst recht hitzig verlaufenden Vollversammlung um ebenfalls laut gewordene Spekulationen um die Chailly-Nachfolge. Was das anbelangt, so war zu erfahren, habe die Gewandhausleitung eingeräumt, bereits vielversprechende Gespräche zu führen. Wenn man so weit sei, würde das Orchester selbstredend umgehend informiert.

Das allerdings ist zunächst einmal nichts Besonderes. Denn dass der 62-jährige Chailly, der seit 2005 Gewandhauskapellmeister ist und Anfang des Jahres überdies Daniel Barenboim als musikalischen Oberleiter der berühmten Scala in seiner Heimatstadt Mailand beerbte, in Leipzig noch einmal verlängern könnte, davon war ohnehin niemand mehr ausgegangen. Und da Dirigenten der obersten Liga auf viele Jahre im voraus gebunden sind, ist es nicht nur normal, sondern dringend notwendig, beizeiten mit der Suche zu beginnen. Ebenso normal ist es, dass nun die Spekulationen ins Kraut schießen. Schließlich herrscht, nachdem die Berliner-Philharmoniker sich am 11. Mai nicht auf einen neuen Chef haben einigen können, an dieser Front nun erst einmal Zwangspause.

Von Christian Thielemann, dem amtierenden Chef der Staatskapelle in Dresden einmal abgesehen kommen als künftige Gewandhauskapellmeister im Grunde alle in Frage, die auch für Berlin gehandelt wurden: Der fabelhafte Venezolaner Gustavo Dudamel, 34, beispielsweise wird immer wieder gern genannt. Doch erstens ist der noch bis 2021 ans Los Angeles Philharmonic Orchestra gebunden, und zweitens hat er bislang nur einmal das Gewandhausorchester dirigiert: im Oktober 2007. Auch Yannick Nézet-Séguin, 40, derzeit Chef in Philadelphia käme gewiss in Frage. Aber auch den müsste das Orchester erst näher kennenlernen. Der Lette Andris Nelsons, 36, seit 2014 und noch bis 2019 Chef in Boston, ist dagegen seit 2011 Dauergast in den Großen Concerten, zuletzt hat er im Dezember am Augustusplatz dirigiert, und das Orchester war, hört man, jedes Mal hellauf begeistert von diesem kommenden Superstar - in der kommenden Saison ist er wieder eingeladen. Gleiches gilt für Alan Gilbert, 48, seit 2009 Chef der New Yorker Philharmoniker, ebenfalls ein sehr interessanter Name, zumal er im Februar angekündigt hat, 2017 von seinem New Yorker Amt zurückzutreten. Die laufende Spielzeit hat er als Einspringer für den verletzten Chailly eröffnet, mit Mahlers Siebter im Gewandhaus und mit Beethovens Neunter auf dem Augustusplatz. Danach ist er mit dem Gewandhausorchester auf Tour gegangen, und auch war die Begeisterung groß, soll die Chemie gestimmt haben.

Alles durchaus glanzvolle Optionen, und die Liste ließe sich fortsetzen, in den letzten Tagen hat sich beispielsweise auch Michael Sanderling, 48, Chefdirigent der Dresdner Philharmonie, die Herzen der Musiker erobert. Kurzum: Wer in den letzten Jahren das Orchester dirigierte und dabei gut ankam, der ist - theoretisch - im Rennen.

Sicher ist zweierlei. Erstens: Wer in diesem Zusammenhang sein Haupt zu früh aus der Deckung in die dünne Luft an der Spitze reckt, ist aus dem Rennen. Und zweitens: Wir werden es Jahre vor dem Abgang Riccardo Chaillys erfahren - wann auch immer der sein mag.

Vom Maestro selbst jedenfalls war gestern zu diesem Thema nichts Erhellendes in Erfahrung zu bringen: Er sehe derzeit, ließ er aus Mailand schmallippig wissen, keine Veranlassung, die um seine Person kursierenden Spekulationen zu kommentieren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.05.2015
Korfmacher, Peter

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