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Weltherrschaft zu verschenken: Raschid D. Sidgi über Platte und Gig von Schwarzkaffee

Interview Weltherrschaft zu verschenken: Raschid D. Sidgi über Platte und Gig von Schwarzkaffee

Leipzigs Lieblingsfreaks haben es wieder getan: „Hands Up!“ heißt der vierte Streich der Funkmonster von Schwarzkaffee. Vor dem Record-Release-Konzert am Freitag im Täubchenthal beantwortet Sänger und Gitarrist Raschid D. Sidgi unsere Fragen.

Händehoch! Eine Szene aus dem neuen Schwarzkaffee-Video „Hands Up!“, das Sie sich anschauen und anhören können, wenn Sie das Bild scannen.

Quelle: Schwarzfilm

Leipzig. Leipzigs Lieblingsfreaks haben es wieder getan: „Hands Up!“ heißt der vierte Streich der Funkmonster von Schwarzkaffee. Das Album ist ein einziges Tanzfest voller Funk, Rap, Jazz, Soul, fetter Programmings, aber auch internationaler Sounds. Bei so viel guter Laune kann auch ein Gespräch mit Sänger und Gitarrist Raschid D. Sidgi nicht immer bierernst verlaufen.

Gleich zu Beginn eine Runde Tabu: Beschreibe eure Musik ohne die Begriffe Funk, Hip Hop, Jazz, tanzbar und groovy.

Haha, das ist ja mal ein cooler Beginn ... denn natürlich beschreiben die genannten Begriffe nach der Einteilung der Genreschubladen ganz gut was Schwarzkaffee ist. Okay, man stelle sich vor: Bootsy Collins, Chaka Khan und D’Angelo hätten in einer Ménage à trois bei einer Orgie auf dem Raumschiff der Mothership Connection eineiige Zwillinge gezeugt, während im Hintergrund The Meters liefen. Bei der Geburt der Kids waren Dr. Dre und De La Soul die Hebammen. Später stellte sich heraus, dass einer der Zwillinge hyperaktiv ist und voller ungebremster Neugierde durchs Lebens bounced, während sein Bruder ein hochbegabter, feinsinniger Nerd ist. Beide eint die Vorliebe für aufputschende Getränke und die Gabe, Love, Happiness und Deepness und verbreiten. Als Team sind sie unschlagbar. Sie gründen eine Hippie Kommune und veranstalten Happenings um ihre Botschaften zu verbreiten. Auf einem dieser Happenings haben sich die Schwarzkaffee- Bandmitglieder kennengelernt. Oder so ähnlich ...

Hält man eurer neues Album in der Hand, fragt man sich als erstes: Wo sind die Monster hin?

Sie sind in uns. Wir selbst sind die Monster geworden. Im Ernst: Das Artwork hat sich aus zwei Gründen gewandelt: Zum einen hatten wir das Gefühl, dass die Story um die Monster von den Platten „Diggin’ The Funk“ über „In The Machine“ bis „Radio Freaquenzy“ quasi als Trilogie zu Ende erzählt ist. Zum anderen war das Comic-Monster-Artwork sehr eng mit dem Zeichner Patrick Vollrath verbunden, den es künstlerisch in neue Bereiche zog.

Ihr seid also immer noch dieselben Freaks, oder hat sich auch in der Band was verändert?

Klar sind wir immer noch dieser freakige Haufen, aber Fakt ist auch: Es hat sich viel bewegt. Niemand bleibt exakt, was und wie er ist, alles fließt und verändert sich ständig. Schwarzkaffee hat seit der letzten Platte viel probiert, es hat Veränderungen in der Besetzung gegeben, neue musikalische Einflüsse und Inspirationen sind aufgepoppt. Man könnte sagen, die Freaks haben an musikalischer Breite und Tiefe zugelegt. Aber ey: Freaks sind die Typen deswegen immer noch.

Wer soll eigentlich die Hände heben?

Alle! Wer die Hände hebt, kann damit schwer was anderes machen. Er liefert sich den Good Vibez der Musik aus. Es reicht aber nicht, einfach die Hände zu heben, es geht um das Handzeichen, das auf dem Cover von „Hands Up!“ ist. Das ist das Zeichen der Zugehörigkeit zur Schwarzkaffee-Religion, zur Sekte des sanftmütigen Sakrilegs, zur Community der Blumenkindeskinder, zum Geschwader Post-Generation-XYZ-hoch-2 und 4.0, zur Wertegemeinschaft der Lebens- Liebes und Exzessbejaher... also verstehste? Kein Café Latte, sondern doppelt-doppelter Espresso, nicht aus diesen Minitassen sondern aus einem Scheuereimer. Okay, ist das jetzt ein wenig zu schräg? Egal. Man könnte auch einfach sagen: „Hands Up!“ ist sowas wie der Party On Button, und jeder weiß was gemeint ist... oder?

Einst habt ihr in einem geheimen Bergwerk des Schatz des Funks gehoben, dort tief unten dann den Funkomat erbaut, aus diesem heraus sendet seither Radio Freakquency in unser aller Köpfe und Beine. Jetzt heißt es: Hände hoch! Für mich gibt es da nur eine Erklärung: Ihr wollt die Weltherrschaft, richtig?

Yep! Absolut richtig! Aber nur um die Herrschaft dann wieder zu verschenken! Es gibt ja kaum etwas Langweiligeres als die Weltherrschaft... Eigentlich interessiert uns das Universum als Ganzes.

Erstmals sind in eurem Album die Texte abgedruckt, mit „Under This Sky“ gibt es einen toll souligen aber sehr ernsten Song zur Weltlage: Habt ihr den Leuten mehr zu sagen als früher?

Ja und nein. Wir haben diesmal bei einigen Songs einen klareren Weg des Ausdrucks gewählt. Das war für uns gerade dran und richtig. Unsere Messages waren auf den früheren Alben eher umspielt mit Sätzen wie: „All you need is funk and love“. Ob wir mehr oder weniger zu sagen haben, ist also gar nicht die Frage. Wir haben uns diesmal bei einigen Tracks für ein eindeutigeres Wie entschieden. Man ist ja auch immer ein wenig Medium dessen, was einen umgibt, und vielleicht braucht es gerade im Moment ein paar klare Statements. Zumindest fühlte sich das für uns richtig an.

Um gleich mal einen Text aufzugreifen: Ihr fragt: „Can you party enough?“ Was erwartet einen auf einem Schwarzkaffee-Konzert?

Erhöhter Endorphin-Adrenalinaustoß. Sexuelle Stimulanz ohne direkten Körperkontakt. Direkter Körperkontakt. Atmosphärische Reisen und Trancezustände. Schweiß. Muskelkater. Also Wechselklamotten einpacken!Wir haben ja immer den Anspruch, dass unsere Konzerte zu einem Happening werden. Letztes Jahr haben wir das Werk 2 mit Luftballons geflutet und waren selbst fasziniert, wie sich das Publikum binnen Sekunden in eine riesige Kindergeburtstagsparty verwandelt hat. Solche Momente lieben wir. Das Zentrum der Schwarzkaffee-Gigs ist immer die Freude, die wir selber haben, und das scheint sich zu übertragen. Wir haben neulich darüber gesprochen, mal eine Liste der Paare zu machen, die sich auf einem Schwarzkaffee-Konzert gefunden haben. Da sind allein aus unserem Umfeld schon so einige zusammengekommen ... Na ja, das sagt einiges, oder?

Ganz ehrlich: Wie oft denkt man beim Produzieren eines Albums: Wir schmeißen es hin? Woran zieht man sich wieder hoch?

Ganz ehrlich: Während einer Produktion haben wir noch nie ans Hinschmeißen gedacht. Das sind immer die Phasen, wo wir am meisten mit Schwarzkaffee verbunden sind. Es sind dann eher die Momente, wo man wenig mit der Musik zu tun hat, wo man zweifelt. Marketing, Booking und Organisation sind für eine Band wie Schwarzkaffee alles andere als easy, und da schleicht sich ab und zu das Gefühl ein: Oh Mann, lohnt sich dieser Aufwand überhaupt? Aber irgendwie werden solche Gedanken immer gekontert. Ein neuer Song in der Probe und man ist wieder geil auf den Shit. Oder: zusammen sitzen und sich das nächste Musikvideo ausdenken, und schon ist man wieder motiviert.

Wie viele Liter schwarzer Kaffee verbraucht so ein Tag im Studio, oder braucht man für euren Sound etwa noch ganz andere Mittel?

Der momentane Durchschnitt liegt bei 12,7 Liter pro Studiotag, wobei allein 7,4 Liter von Hendrik und Raschid verbraucht werden. Natürlich ist es nicht der Kaffee allein, der diesen Sound ergibt. Man muss schon auch ein wenig hyperaktiv und naturstoned geboren sein.

Ein Teil des Albums wurde über Crowdfunding finanziert. Wärt ihr lieber steinreiche Musiker, die ab und zu mal ’ne Platte aus dem Ärmel schütteln, anstatt Freunde eurer Arbeit „anzupumpen“?

Sicher wären wir gern in einer finanziell entspannteren Situation, und gegen „steinreich durch Musik“ ist an sich auch nichts einzuwenden. Aber das ist nicht die Situation aus der heraus wir agieren, also ist es auch kein wirkliches Thema für uns. Genaugenommen sehen wir das Prinzip Crowdfunding sehr positiv. Wenn man so ein Projekt für eine Crowdfundingaktion vorstellt, stellt man ja auch gleichzeitig ein wenig die Frage: Wie sieht‘s aus Leute, möchtet ihr, dass das Produkt existiert, oder ist euch das egal? Und bisher haben wir immer das Feedback gekriegt: Ja, wir wollen, dass ihr das macht! Und das fühlt sich ziemlich gut an. Es gibt ja auch keine weitere Vereinbarung mit den Unterstützern. Wie die Platte am Ende aussieht und klingt, liegt absolut bei uns. Da steckt also auch so eine Art Vertrauensvorschuss in dieser Finanzierungsart. Nach dem Motto: Ich gebe erstmal ein bisschen was dazu, weil ich glaube, ihr werdet das schon gut machen und freue mich auf das Album! Es wohnt dem Crowdfunding auch ein Community-Gedanke inne, den wir als Funk-Hippies natürlich sehr schön finden. Alle schmeißen was in den Pot, am Ende hat jeder was schönes in der Hand, und der Welt ist ein wenig Freude hinzugefügt. Klingt vielleicht ein wenig weltfremd, ist aber trotzdem so. Also Leute, pumpt lieber Freunde an, als zu einer Bank zu gehen.

Am Freitag kommt „Hands Up!“ mit großer Release-Show im Täubchenthal in die Welt. Wie geht es dann weiter mit Schwarzkaffee?

Das könnte man zusammenfassen mit: Weiter geht’s! Schwarzkaffee wird im nächsten Jahr wieder mehr live unterwegs sein, worauf wir uns freuen. In den nächsten Wochen werden wir, so oft es geht, Leuten von der neuen Platte erzählen, und es wird auch schon an neuen Tracks geschraubt. Augen auf!

Die Utopie zum Schluss: Euch erscheint die gute, natürlich verrückte Fee des Funk, die Band hat drei Wünsche frei. Welche wären das?

Mhm... Einen Welthit, eine Welttournee, und klar: die Weltherrschaft. In welcher Reihenfolge wäre egal.

Das Album „Hands Up!“ geht am Freitag in den Handel und kann unter anderem unter www.schwarzkaffee.de bestellt werden. Die Band feiert das mit einem Release-Konzert Freitag, 21 Uhr, im Täubchenthal (Wachsmuthstraße 1), Vorverkauf 13,20 Euro

Von Karsten Kriesel

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