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Weltschmerz-Party mit 11000 Fans: Placebo in der Arena Leipzig gefeiert

Geburtstags-Tour Weltschmerz-Party mit 11000 Fans: Placebo in der Arena Leipzig gefeiert

20 Jahre Placebo werden in diesem Jahr gefeiert, und die Londoner Band lieferte in der Arena Leipzig am Samstagabend ein abwechslungsreiches Konzert – natürlich mit einer Extraportion Melancholie.

Placebo mit Verstärkung in der Arena Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Künstlerbetreuung in der Arena muss flexibel sein: Das vergangene Wochenende las sich von Freitag bis Sonntag wie ein Zapping durch weltverschiedene Kanäle: Andrea Berg, Placebo, Eckard von Hirschhausen.

Auch vor einem Placebo-Konzert kann eine gewisse Flexibilität in der Erwartung nicht schaden, weiß man doch nie, ob sich Front-Diva Brian Molko gerade entscheidet alles toll, doof oder egal zu finden. Sie sind auf Geburtstagstour, 20 Jahre Placebo gilt es zu feiern, am Samstag folgten etwa 11000 Gäste dieser Einladung in die nahezu ausverkaufte Arena.

Wo andere nach zu viel Party ihren 20. eher auf der Zielgerade in den Sand setzen, patzten Placebo zur Eröffnung: Den Tourstart in Aarhus mussten sie nach zwei Songs abbrechen, weil Molko sich wiederholt verspielte und wirr redete, Medikamentennebenwirkung ist die offizielle Version. Seither aber läuft die Party reibungs- wenn auch überraschungslos: Sie spielen, so heißt es, auf jedem Konzert dasselbe Set bis in die einstudierten deutsch-englischen Ansagen hinein, einzig die Stimmungstemperatur schwankt. Leipzig hat Glück und bekommt einen sehr guten Abend ab.

So gut später Placebo abgestimmt sein wird, so dramaturgisch ungünstig ist die Wahl der Vorband: Deaf Havana aus Großbritannien dienen mit ihrem unspektakulären Stadionrock weder als Kontrast noch als ernsthafte Stütze. Aber da ist man flexibel und holt eben erst mal noch ein Bier. Viele fotografieren in der Zwischenzeit per Handy die Handy-Verboten-Einblendung, die so unlogisch wie charmant wirkt, zeigt sie doch ein Tastentelefon mit Antenne, quasi aus den Anfangstagen von Placebo. Später wird Molko diese Irritation aufklären: Man überlässt die Entscheidung zwar jedem selbst, empfiehlt aber, das Konzert pur, ohne Display-Zwischenschaltung zu genießen.

Rock gewordener Weltschmerz

Unterstützt werden die beiden Stammplacebos Molko und Stefan Olsdal fünfköpfig und mondän, wobei das instrumental Aufgepumpte den Songs erstaunlich gut tut. Wo es im Instagram-Format millionenfach überflüssig ist, geben hier Filter auf den Video-Übertragungen tolle Effekte. Einzig die aufwendige Lichtshow ist für diesen Rock gewordenen Weltschmerz etwas zu epileptisch.

Nach einigen Songs richten Molko und Olsdal das Wort ans Publikum: Sie begrüßen, nachdem man schon eingangs Foto- und Videoschnipsel aus 20 Jahren präsentiert hat, zur gemeinsamen Geburtstagsparty. Seine Ansagen richtet Molko konsequent an Männer, Frauen und diejenigen, die sich dazwischen finden, schon immer appellierten sie gern an Flexibilität in Lebens- und Liebesmodellen. Trotz bester Stimmung bei Band und Gästen wird das zweifellos tolle Konzert dennoch der überstrapazierten Geburtstagsbetonung nur wenig gerecht: keine Überraschungsgäste, keine Spiele, nicht mal was Süßes. Nur der am Samstag tatsächlich Geburtstag feiernden Violinistin der Band wird kollektiv ein Ständchen gesungen.

Oasis, Bowie und Kate Bush wiederum heißen die immerhin indirekten Gäste oder zumindest Vorbild-Referenzen, dramaturgisch auf Anfang, Mitte und Ende verteilt: Mit der an Oasis angelehnten Nummer, den größten Hit vom Band zu spielen, beginnt das Konzert mit einem Musikvideo von „Every You And Every Me“. In der Mitte wird „Without you, I’m nothing“ mit Videoaufnahmen von Molko zusammen mit Freund und Mentor David Bowie unterlegt, ein großer Gänsehaut-Moment. Als letzte Zugabe schließlich schaut man per Kate Bush Cover („Running Up That Hill“) melancholisch vom Hügel in eine ungewisse Zukunft.

Tanzen und Gänsehaut

Melancholisch eingefärbt ist die erste Stunde des Konzertes, in der Placobo ziemlich auf die Bremse treten. Das trägt bei aller schönen Schwermut seine Zeit, aber spätestens als „36 Degrees“ auch langsam gespielt wird, ist das als einzelne Version zwar toll, in der Reihung aber zu viel, man sehnt sich nach mehr Geburtstagsparty. Als diese dann kommt – Molko betont, das einzig Konstante im Leben sei Wandel und erklärt den Melancholie-Teil offiziell für beendet –, stellt man fest, wie sehr das Konzert einer Dramaturgie folgt: Jetzt folgt der natürlich trotzdem mit Placebo-Weltschmerz unterlegte Spaß, und die Partygastgeber eröffnen die Tanzrunde mit energischeren Stücken. Spätestens mit „Bitter End“ kulminieren Tanzen und Gänsehaut.

Vom Hügel aus betrachtet, erweist sich die Geburtstagsfeier zwar auch als Rückblick, keineswegs jedoch als Abgesang. Was die Zukunft mit und um Placebo bringt? Man wird sehen. Flexibel bleiben.

Von Karsten Kriesel

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