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Weltschmerz en miniature

Weltschmerz en miniature

Einmal gehört der Applaus Wolfram Rieger ganz allein, da bejubelt das Publikum auch ihn, den Pianisten an der Seite von Bariton Thomas Hampson. Denn zu einem grandiosen Liederabend wie diesem im Rahmen der Leipziger Mendelssohn-Festtage gehören immerhin zwei: Sänger und Pianist, und am Dienstagabend im Gewandhaus sind Thomas Hampson und Wolfram Rieger verdammt nah dran an einer göttlichen Einheit.

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Bariton Thomas Hampson (r.) und Wolfram Rieger im Gewandhaus.

Quelle: André Kempner

Ein göttliches Ganzes, das Franz Schubert schon in die Noten seiner Heine-Lieder des "Schwanengesangs" D957 schrieb, mit denen der Abend beginnt, ebenso wie Hugo Wolf, Felix Mendelssohn Bartholdy und Gustav Mahler es in ihren Liedern taten, die darauf folgen.

So lässt Rieger in Schuberts "Die Stadt" sacht die graue Wasserbahn kräuseln, dräuen dunkle Klavierakkorde dumpfen Nachtglocken gleich in "Der Doppelgänger", perlen liebliche, harfenartige Arpeggien aus den Tasten in Hugo Wolfs "Harfenspieler I", meißelt der Pianist im "Harfenspieler III" das Leid in Töne, und Hampson gießt es hernach aus: Weltschmerz en miniature.

Natürlich ist das Publikum hauptsächlich wegen Thomas Hampson gekommen. Der amerikanische Sänger wird besonders als Liedsänger auf der ganzen Welt geschätzt und verehrt. In Leipzig wird er gefeiert.

Hampsons Bariton, der seine Zuhörer warm umfängt, sie gefangen nimmt mit seiner packenden Gestaltung und seiner Innigkeit, er kann alles: erzählen, deklamieren, klagen, zagen, leiden, lieben, schwelgen. Das tut er mit eleganter Geschmeidigkeit wie in Schuberts "Das Fischermädchen", mit heiterer Leichtigkeit wie in Mendelssohns "Jagdlied" oder mit stählernem Funkeln wie in Mahlers "Revelge". Ganz selten nur klingt er etwas spröde in den Höhen - ein Abstrich, den man gerne hinnimmt, weil auch hier die Seele spricht.

Parkett und Saalemporen im Großen Gewandhaussaal sind voll besetzt an diesem Liederabend. Ausfüllen kann Hampsons Volumen diesen gewaltigen Raum mit Leichtigkeit, und die Akustik gibt genug Transparenz her für all die Nuancen, die Hampson und Rieger aus ihrer unerschöpflichen Dynamik-Palette einfühlsam tupfen, sacht pinseln, energisch streichen. Und doch: Im Parkett funktioniert die Intimität eines Recitals wunderbar, weiter oben nur bedingt.

Nichtsdestotrotz ist die Begeisterung im Publikum riesengroß. Schon zur Pause mischten sich Bravo-Rufe in den reichlichen Beifall, am Ende wird stehend und tosend geklatscht, gejubelt und gefeiert. Mit Zugaben knausern Hampson und Rieger glücklicherweise nicht. Eine davon, Mahlers Rückert-Lied "Liebst du um Schönheit", widmet der Bariton seinem in Leipzig geborenen und Anfang des Jahres fast hundertjährig gestorbenen Lehrer Horst Günter.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.09.2013

Birgit Hendrich

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