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Weltstar Al Jarreau im Interview: "Meine Arbeit ist meine Bestimmung"

Weltstar Al Jarreau im Interview: "Meine Arbeit ist meine Bestimmung"

Am 17. Juli singt er im Gewandhaus.

Frage:

Sie gelten weltweit als einer der besten Jazzsänger. Was bedeutet Ihnen Ruhm?

Al Jarreau:

Ruhm ist mir wichtig. Denn er bedeutet, dass es ein Publikum gibt, dem meine Musik gefä

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Weltstar Al Jarreau tritt am 17. Juli in Leipzig auf.

Am 17. Juli singt er im Gewandhaus.

Frage:

Sie gelten weltweit als einer der besten Jazzsänger. Was bedeutet Ihnen Ruhm?

Al Jarreau:

Ruhm ist mir wichtig. Denn er bedeutet, dass es ein Publikum gibt, dem meine Musik gefällt. Es ist ja so: Die Fans, die mich berühmt gemacht haben, bringen zum Konzert mittlerweile ihre Kinder und seit neuestem sogar ihre Enkelkinder mit. Das heißt, dass ich gute Arbeit leiste. Das ist sehr befriedigend.

Ist es für Sie kein seltsames Gefühl, vor Teenagern zu singen - da spürt man doch das eigene Alter umso mehr?

Das ist doch das Beste! (lacht) Bei einem Konzert stand mal eines dieser Kinder hinter der Bühne bei mir und erzählte: Mein Großvater und meine Mutter hören Dich seit ich denken kann, ich bin auch schon zum zweiten Mal da - und heute habe ich Geburtstag. Das passiert mir. Und ich liebe das.

Ihre Fans sagen, dass Sie ihre Lieder nicht nur präsentieren, sondern mit dem Publikum teilen. Sehen Sie das als ein Erfolgsgeheimnis?

Wenn ich mit dem Publikum singe, ist das wie in der Kirche, sehr kommunikativ, wir werden eine Gemeinschaft. Es ist ein soziales Experiment. Das unterscheidet sich sehr davon, einfach dazusitzen und sich die Berliner Philharmonie anzuhören. Wenn Sie zu einem meiner Konzerte kommen und wir zusammen (singt:) we' re in this love together, we got that kind that lasts forever anstimmen, ist das eine andere Erfahrung.

Ich meinte eigentlich die Haltung, die Sie dem Publikum gegenüber einnehmen, wenn Sie solo ein Lied singen...

Ich teile meine Lieder auf die tiefste Art und Weise, zu der ich fähig bin! Und zwar aus den Tiefen meiner Seele, mit dem ganzen Körper. Ich zeige den Menschen mein Innerstes. Ich stelle mich hin und sage: Hier bin ich, lasst mich für euch singen. Und ich hoffe, es gefällt euch. Das tue ich jeden Abend, mein ganzes Leben.

Hat diese Einstellung etwas mit Ihrer Vergangenheit als Gospel-Sänger und Sozialarbeiter zu tun?

Ich denke, alles, was wir im Leben tun oder gemacht haben, formt jeden Einzelnen. So spielt es sicher eine Rolle, dass ich mit der Kirche aufwuchs, dass ich mir ein paar tiefere Gedanken über Spiritualität gemacht habe, dass ich überzeugt bin, dass der Körper, in dem wir uns fortbewegen, nicht nur Fleisch und Blut ist. Mit diesen Ideen hängt zusammen, dass ich Sozialarbeiter werden wollte. Und all dies zusammen hat dazu geführt, dass ich eben die Lieder singe, die ich singe.

Wenn wir gerade über Ihre Vergangenheit sprechen: Stimmt es, dass sie erst durch einen kleinen Club in Hamburg groß rausgekommen sind?

Das stimmt. 1975 fing ich gerade an, in den etablierteren Clubs von L.A. zu singen, war im Vorprogramm von Les McCann. Ein Plattenmanager überlegte gerade, mich unter Vertrag zu nehmen. Zufällig war der deutsche Produzent Fritz Loch dort. Der sagte zu dem Typen: Was überlegen Sie noch, was stimmt nicht mit Ihnen? Nehmen Sie den Mann unter Vertrag und schicken Sie ihn sofort nach Hamburg. So geschah es. Sechs Monate nachdem ich mein erstes Album aufgenommen hatte, landete ich in Hamburg. Ich suchte noch immer nach einem Publikum für meine Musik, und die Hamburger sagten nach den Auftritten immer (Jarreau spricht Deutsch): "Ja, das war ein super Abend". Das Publikum in einem fremden Land geht mit offenem Herzen auf mich zu - für mich als jungen Künstler war das ungemein wichtig.

War der Erfolg in Europa insofern wichtiger als jener in den USA?

Heute ist das internationale Publikum für mich zumindest wichtiger als je zuvor. Die US-Musikindustrie hat sich so sehr verändert. Man hört meine Musik dort nicht mehr oft. Dort kommen keine Leute unter 20 zu meinen Konzerten, wie in Deutschland oder Frankreich.

Haben Sie dafür eine Erklärung?

Ich denke, Amerika ist süchtig nach dem Neuen. Dort suchen sie immer den frischen 20-Jährigen und vergessen den 20-Jährigen, den sie vor 30 Jahren noch geliebt haben. In anderen Kulturen hält das Publikum an dem fest, was es gerne mag. Man verfolgt das Werk eines Künstlers über lange Zeit, während dieser reift. Oft wird die Arbeit im Laufe der Zeit besser. Ich glaube, bei mir ist das so.

Aber die Anstrengungen fordern auch Opfer. Während ihrer Welttournee vergangenes Jahr war ihr Gesundheitszustand zeitweise kritisch. Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Was damals passierte, war eines der wundervollsten Dinge überhaupt! Ich hatte Atemprobleme, kam ins Krankenhaus. Man fand heraus, was es war, und es gab eine kleine Prozedur. Letztlich hat sich alles gelöst: Meine Schwierigkeiten beim Atmen, mein Bluthochdruck und die Herzprobleme. Heute nehme ich fünf Pillen am Tag und habe ein paar Angewohnheiten geändert. Ich rauche jetzt tatsächlich nie mehr wieder (lacht) und trinke nur noch einige wenige Cocktails.

Sie sind fast 40 Jahre auf der Bühne. Haben Sie je ans Aufhören gedacht?

Nein, nicht so richtig. Ich fühle, dies ist etwas, was ich tun muss. Ich müsste ja sonst etwas anderes finden, was mich morgens zum Aufstehen bewegt, was das innere Feuer entfacht. Meine Arbeit ist meine Bestimmung. Die Bestimmung, für und mit Menschen zu singen. Mit dem Ziel, dass die Leute sich gut fühlen. Dann fühle auch ich mich gut.

Interview: Alexander Laboda

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