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Wenn Kurt das noch erlebt hätte: Leipziger Bands covern zwei Nächte lang Nirvana

Ilses Erika Wenn Kurt das noch erlebt hätte: Leipziger Bands covern zwei Nächte lang Nirvana

Sie gehören seit Jahren zum Leipziger Nachtleben: Ende Januar bittet das Tanzcafé Ilses Erika stets Bands der Stadt, einer Musikgröße zu huldigen. Drei Lieder darf jeder Künstler covern – am Wochenende wurde die Ehrung der Grunge-Legende Nirvana zuteil.

Im Nirvana: die Leipziger Band Bungalow4.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Schließlich wartet alles auf Leo. Während auf der Bühne im Ilses Erika Samstagnacht schon das Schlagzeug aufgebaut ist und die Stimmen geölt werden, muss Leonardo DiCaprio ein Stockwerk weiter oben noch ausgiebig durch den Matsch robben, um seine Erlösung erfahren zu können.

Die Kinobar „Prager Frühling“ zeigt den aktuellen Hollywood-Blockbuster „The Revenant“, und seine Überlänge führt dazu, dass die Möchtegern-Kurt-Cobains und -Dave-Grohls sich gedulden müssen. „Ihr habt noch Zeit, vom linken aufs rechte Bein zu wechseln“, kündigt Moderator Chris an, der später noch als DJ Kurdt Cocaine auflegen wird.

Punkt 23.58 Uhr ist es dann doch so weit, der zweite Teil der Nirvana-Cover-Nächte – nach der ersten Hälfte am Freitag – kann beginnen. Die ersten Akkorde von „In Bloom“ erklingen unter dem lauten Jubel des Publikums in der rammelvollen Ilse.

„Ich fühl mich gut“, unterbricht Jens Grimm-Reichert, Gitarrist und Sänger der ersten Band „Formation Ranzen“ sein Zupfen nach einer halben Minute. Und tatsächlich, das Instrumentenspiel beherrschen er und seine Kollegen Károly Csépke am Bass und Steffen Bär an den Drums vorzüglich. Auch die weiteren Songs „Pennyroyal Tea“ und „Love Buzz“ klingen nah am Original. Nur stimmlich reichen die Leipziger nicht an die Seattler heran.

Zuerst die Erlösung, dann das wirkliche Nirvana-Feeling

Die vokalen Diskrepanzen steigen noch bei der nächsten Kapelle, die sich sinnigerweise „Nirvannabe“ nennt. Diesmal versucht sich eine Frau am Meister und scheitert auf eher niedrigem Niveau. Wie bei den anderen Formationen hat auch „Nirvannabe“ genau drei Songs und wie bei Leo wirkt es am Ende wie eine Erlösung.

Wirkliches Nirvana-Feeling kommt erst bei „Fox On The Run“ auf. Zu ihrer Interpretation von „Come As You Are“ bildet sich der erste kleine Moshpit vor der Bühne, bei „In Bloom“ wird erstmals ausgiebig getanzt.

Wie es bei einer Cover-Nacht eigentlich laufen sollte, zeigen im Anschluss „mjuix“. Denn die Leipziger Indiepop-Band stülpt den Nirvana-Klassikern ihren ganz eigenen Stil über: Sängerin Tru D. Mjuic, mit feuerrotem Haar und Rosentattoo über der Brust, sorgt mit ihrem Keyboardeinsatz für einen eigenwilligen Elektroanteil, dazu werden auch die Rhythmen und Tonhöhen deutlich anders gesetzt als bei der Urfassung. „Wir kommen jetzt zu unserem letzten Song“, ruft Tru D. Mjuic nach dem zweiten Stück – ein Running-Gag, der anschließend noch das eine oder andere Mal aufgegriffen werden soll.

Dann ist Zeit für eine Pause, die von Moderator Chris sogleich für eine gute Tat genutzt wird. Ein Schlagzeug-Fell wird zu Gunsten der Naturbackstube in der Wolfgang-Heinze-Straße versteigert. Der Bäcker wurde am 11. Januar ebenfalls Opfer der rechten Randale in Connewitz, immerhin 16,50 Euro kommen durch die Auktion zu seiner Unterstützung zusammen.

Kurt Cobains sonniges Gemüt

Etwas Humor bringen daraufhin „Bungalow4“, die laut Selbstbeschreibung sonst „Schrammelpop auf Deutsch“ spielen, in die Veranstaltung. „Kurt Cobain war ja bekannt für sein sonniges Gemüt“, heißt es vor „Heart-shaped Box“ von der Leipziger Band. Deswegen textete der Nirvana-Frontmann in dem Track wohl auch „Ich esse deinen Krebs, wenn du schwarz wirst“.

Die folgende Band „Hillock“, war immerhin schon mal mit Calexico auf Tour, wie Moderator Chris einwirft, von „Ted Ed Fred Hildred & Mildred“ bleibt vor allem der eingängige Name in Erinnerung.

Schließlich darf noch Relief ran, die sich als Erste an der Ballade „On A Plain“ versuchen. Die „Schroffrocker mit Profil“ (Eigenbetitelung) interpretieren auch „Everlong“ von der Nirvana-Nachfolge-Band „Foo Fighters“ – wobei der Afro von Bassist Hotte wild durch die Gegend wirbelt.

Kurz vor vier ist dann Schluss mit der diesjährigen Cover-Nacht in der Ilse, und es bleibt Moderator Chris vorbehalten, schon die Gruppe anzukündigen, die 2017 kopiert werden soll: Die Softrocker von U2. „Die sind zwar nicht jedermanns Sache, aber ich bin mir sicher, dass viele von euch CDs von ihnen zu Hause haben“, sagt der Ilse-Mitarbeiter.

Ganz vorbei ist die Party im Connewitzer Etablissement aber noch nicht, schließlich legt Kurdt Cocaine auf. „Morgen ist Sonntag, wir können lange ausschlafen“, sagt er. Wohl wahr.

Von Christian Dittmar

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