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Wenn das Hochwasser zweimal kommt ... Leiterin des Kreismuseums Grimma im Interview

Wenn das Hochwasser zweimal kommt ... Leiterin des Kreismuseums Grimma im Interview

Wieder Grimma und wieder das Kreismuseum: Erneut hat die Flut das Gelände, das im Mittelalter dem Augustinerkirchhof angehörte, verwüstet. Im Gegensatz zu 2002 war man aber vorbereitet.

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Museumsleiterin Marita Pesenecker.

Quelle: Silke Hoffmann

Grimma. Museumsleiterin Marita Pesenecker spricht im Interview über die aktuelle Situation und mögliche Konsequenzen aus der ungünstigen Lage an der Mulde. Das Museum, fürchtet sie, wird in diesem Jahr nicht mehr öffnen.

LVZ:

Sie haben 2002 ein Drama erlebt, blieben nachts im Museum, als die Flut kam, um zu retten, was zu retten war. Wie war das für Sie, als das Wasser wieder kam?

Marita Pesenecker:

Ich dachte, das würde nie wieder ein Thema für mich sein, dass wir mit 2002 unser Hochwasser hinter uns haben und mich das im Laufe meiner Dienstzeit nicht mehr betreffen würde. So war es für mich natürlich erschreckend, dass es schon nach elf Jahren wieder da war.

Waren Sie dennoch vorbereitet, soweit das überhaupt geht?

Ja. Nachdem wir das Museum nach dem Hochwasser 2002 saniert und die neue Dauerausstellung etabliert hatten, war alles so eingerichtet, dass man die Objekte relativ schnell und problemlos aus dem Raum hinaus bringen kann. Es war damals auch ein Problem, dass die Ausstellungsstücke zum Teil so fest an der Wand angebracht waren, dass man sie nicht abmontieren konnte. Dieses Mal war alles anders. Die Vereinsmitglieder waren da, dann sind auch noch Feuerwehrmänner gekommen und haben geholfen, die Exponate nach oben zu tragen. An den Objekten sind die Schäden sehr gering, das ist für uns schon mal ein schönes Fazit, dass wir richtig reagiert haben nach 2002.

Was ist mit den Büchern?

Die haben wir nach 2002 aus der Hochwasserzone herausgenommen und in der 1. Etage unseres neuen Magazingebäudes untergebracht. Die Bibliothek war damals völlig vom Wasser erfasst worden, mit 10 000 Büchern, Schriften und Zeitungen, das war eine echte Katastrophe. In den folgenden Jahren dann die Bücher gefrierzutrocknen, auszubürsten, Buchbinder zu bestellen und alles wieder reparieren zu lassen, war ein riesiger Arbeitsaufwand und mit viel Geld verbunden.

Das Museumsgebäude kann man leider nicht wegräumen. Wie sieht es da aus?

Wir haben Schäden in den Erdgeschossräumen des Museums und des Magazingebäudes. Das Wasser stand etwa 1,60 bis 1,70 Meter hoch. Wir haben die Dielung in den Ausstellungsräumen gleich nach dem Hochwasser ausgebaut, in der Hoffnung, dass sie hier im Museum anschließend wieder eingebaut werden kann. Dann sind natürlich große Schäden an der Elektrik entstanden. Drüben im Magazingebäude war eine Fußbodenheizung - in der Werkstatt und im Veranstaltungsraum. Es kann durchaus sein, dass der gesamte Fußboden mitsamt Dämmung noch raus muss, das würde dann richtig teuer.

Was ist noch zu tun im Moment?

Zum Teil werden wir den Putz abschlagen müssen. Andere Räume brauchen wir wohl nur neu zu streichen. Das entscheidet das Bauamt zusammen mit der Architektin, die hier die Bauschäden begutachtet hat. Glücklicherweise haben wir die Heizungen jeweils oben im Dachgeschoss eingebaut, so waren zwar unser Heizkörper im Wasser, was aber kein großes Problem ist.

Haben Sie irgendwann mal daran gedacht, das Museum zu verlegen, raus aus dem Hochwassergebiet zu gehen?

Ja, schon in den 90er Jahren hatte ich mit dem zuständigen Dezernenten darüber gesprochen, ob wir mit unserem Museum nicht ins Schloss gehen könnten, was dann aber aus finanziellen Gründen abgelehnt wurde. Natürlich muss man sich jetzt, nach dem zweiten Hochwasser, fragen, ob das so nah an der Mulde der richtige Ort ist. Aber das Museum besteht hier seit 1901. Keine leichte Entscheidung.

Kann man den Schaden schon beziffern?

Die Versicherung hat alle Bau- und Objektschäden, aufgenommen. Jetzt dürfen wir gespannt sein, wie viel Geld wir für die Schadenbeseitigung bekommen. Bund, Land und Kreis werden wahrscheinlich wieder Geld zur Verfügung stellen. Eine erst Hochrechnung der Schäden beläuft sich auf ca. 450 000 Euro für beide Häuser zusammen. In welchem Umfang dann letztendlich saniert wird, muss noch entschieden werden.

Wann wird das Museum wieder für Besucher geöffnet sein?

So lange noch nicht klar ist, was hier im Haus konkret gemacht werden muss, kann ich das nicht sagen. Ich befürchte allerdings, dass es in diesem Jahr nicht mehr öffnen wird. Man braucht in einem Museum ein vernünftiges Raumklima. Wenn die Luftfeuchtigkeit im Raum zu hoch ist, drohen neue Schäden an den Objekten: Metall rostet, Holz quillt auf und reißt dann. Unsere gotischen Plastiken und alten Gemälde sind hier besonders gefährdet. Das Raumklima muss erst stabil werden. Außerdem kostet der Aufbau einer neuen Dauerausstellung viel Geld. Hier müssen wir erst einmal sehen, wo das herkommt. Außerdem prüfen wir gerade zusammen mit unserem Museumsgestalter, inwiefern wir hier moderne Kunststoffmaterialien zum Einsatz bringen, die unempfindlich gegenüber Wasser sind. Bei der Wiedereinrichtung aller Räume wird es eine wichtige Rolle spielen, wie wir die Schäden bei einem erneuten Hochwasser so gering wie möglich halten können. Und das fängt eben auch bei der Auswahl der zu verwendenden Materialien an.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.07.2013

Interview: Julia Patzsch

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