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Wenn sich Puppen entspannen: Rückschau auf 20 Jahre Figurentheater-Duo „Wilde & Vogel“

Lindenfels Westflügel Wenn sich Puppen entspannen: Rückschau auf 20 Jahre Figurentheater-Duo „Wilde & Vogel“

Das Figurentheater „Wilde & Vogel“ blickt auf 20 gemeinsame Jahre zurück. Die Retrospektive beginnt am Donnerstag mit dem Stück „Sommernachtstraum – reorganisiert“ im Lindenfels Westflügel.

Die Premiere war 2004 in Wien: Christoph Bochdansky (links) und Michael Vogel in „Sommernachtstraum – reorganisiert“.

Quelle: Stefan Lorenzoni

Leipzig. Mit dem Gitarrenkoffer über das Rollfeld während der Indien-Pakistan-Tournee. Barfuß auf einer Bühne in Japan. Am Grab Baudelaires, dessen Gedichte sie zu einer Inszenierung inspirierte. Ein Bilderbogen läuft durch am unteren Rand der gerade erschienen Publikation zum 20-jährigen Bestehen des Puppenspiel-Duos „Wilde & Vogel“. Fotos von Proben, Begegnungen, Tourneen rund um die Welt. Ihre künstlerische Heimat aber haben Charlotte Wilde und Michael Vogel 2005 im Leipziger Westflügel gefunden. Und dort beginnt ab Donnerstag mit „Sommernachtstraum – reorganisiert“ der erste Teil einer großen Rückschau der gemeinsamen Arbeit, die 23 Produktionen umfasst.

„Wir graben die Stücke nicht aus, wir spielen sie durch“, sagt Charlotte Wilde. Man darf die Rückschau also nicht als Wiederaufnahmen verstehen. Die meisten Produktionen bleiben im Repertoire, kehren immer wieder auf die Bühne zurück und erneuern sich unwillkürlich. „Wenn das nächste Stück Premiere hat, entspannen sich die Stücke davor“, findet Michael Vogel. Der Druck lässt nach und gibt Freiraum für Neues. Oder Erfahrungen aus der aktuellen Arbeit fließen in die alten Produktionen ein, verleihen den Puppen neue Ausdruckskraft.

Die Rückschau gliedert sich in drei Blöcke. Zum Auftakt sind drei Produktionen zu sehen, die mit dem Wiener Puppenspieler Christoph Bochdansky entstanden sind. Auf „Sommernachtstraum“ am Donnerstag folgen „Faust spielen“ (Samstag) und „Die Empfindsamkeit der Giganten“ (Sonntag). Alles Stücke, die keine Selbstverständlichkeit sind, wie Vogel andeutet. Weil am Anfang der Zweifel über der Kooperation schwebte, ob die Figuren zweier Künstler tatsächlich in einen Dialog treten können oder sich fremd bleiben. Der Dialog, das lässt sich an den drei Abenden beobachten, ist gelungen. Zwischendurch, am Freitag, ist eine Gesprächsrunde mit Regisseuren eingeplant.

Der zweite Block vom 2. bis 4. November widmet sich drei „Duetten“. So nennt das Duo die Stücke ohne weitere Künstler. Darunter findet sich auch „Exit. Eine Hamletfantasie“, das am 30. Oktober 1997 am Stuttgarter Figurentheater-Zentrum in der Regie von Frank Soehnle Premiere feierte. „Exit“ war zugleich Abschluss für Michael Vogels Figurentheater-Studium in Stuttgart und offizieller Beginn des freien Ensembles „Wilde & Vogel“. Und sofort ein Erfolg, der später zu Einladungen rund um den Globus führte. Teil drei des Rückblicks findet von 30. November bis 2. Dezember mit einer Special Edition von „Songs for Alice“ statt.

Der Westflügel – ein Geschenk

Den Westflügel bezeichnet Michael Vogel als „Geschenk“ für die eigene Arbeit. „Wir können hier Produktionen mit großem Risiko machen und haben nie das Gefühl, das Publikum zu überfordern“, sagt Charlotte Wilde. Auch die Umgebung selbst, das damals noch raue Lindenau, hat die Arbeit beeinflusst, etwa das Baudelaire-Stück „Spleen“, das 2006 als erste in Leipzig erarbeitete Premiere auf die Bühne kam.

Zum Westflügel gehört längst auch das Duo „Lehmann und Wenzel“, das im Februar wieder seinen „Freischütz“ zeigt. Außerdem sieht der Winterspielplan wieder internationale Gäste vor. Am 27. Oktober feiert der Israel Ari Teperberg mit „And My Heart Almost Stood Still“ Europa-Premiere. „Ich weiß nicht, ob man es noch Figurentheater nennen kann“, sagt Jonas Klinkenberg, Teil der künstlerischen Leitung am Westflügel.

Ab 9. November findet „Biotopia“ seinen Abschluss mit Konzerten, einer gemeinsamen Session und Diskussionen. „Biotopia“ ist eine länger angelegte Koproduktion von Westflügel und Solniki 44, einem Theater auf dem polnischen Land. Internationale Künstler arbeiten zusammen. Und sie sind längst eingeholt von den politischen Veränderungen in Polen, die zum Zentrum der öffentlichen Gesprächsrunden werden dürften.

20 Jahre Wilde & Vogel, Teil 1 – Kooperationen mit Christoph Bochdansky: Donnerstag, 21 Uhr, „Sommernachtstraum – reorganisiert“; Freitag, 21 Uhr, „Was sagt die Regie?“, Gesprächsrunde mit Astrid Griesbach, Hendrik Mannes, Christiane Zanger, Christoph Bochdansky, Charlotte Wilde, Michael Vogel (Eintritt frei); Samstag, 21 Uhr, „Faust spielen“; Sonntag, 19 Uhr, „Die Empfindsamkeit der Giganten“ – Lindenfels Westflügel (Hähnelstraße 27); Karten 12/8 Euro, Jubiläumsticket 50 Euro (alle drei Blöcke); 0341 2609006; www.westfluegel.de.

Von Dimo Rieß

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