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Wie Damien Rice in Leipzig gravitätisch knödelt und jammert

Parkbühne Wie Damien Rice in Leipzig gravitätisch knödelt und jammert

Damien Rice ist aktuell eine der gefragtesten musikalischen Kapazitäten für den gepflegten Herzschmerz im Weltschmerzmaßstab. Bei seinem Konzert im Clara-Zetkin-Park wirkte er am Samstag allerdings eher egomanisch und weinerlich als introvertiert und traurig.

Herzschmerz im Weltschmerzmaßstab: Damien Rice in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Bevor Damien Rice an diesem sommerlich milden und zudem partiell passend theatralisch wolkenverhangenen Samstag auf der ausverkauften Parkbühne erscheint, gibt es von der Konserve einen Packen alter Leonard-Cohen-Songs zu hören. Also Musik, die in ihrer wunderbar weltverlorenen Melancholie eine schöne Einstimmung auf das Konzert ist. Sollte man meinen.

Schließlich ist Damien Rice aktuell eine der gefragtesten musikalischen Kapazitäten für den gepflegten Herzschmerz im Weltschmerzmaßstab. Was allerdings auch daran liegt, dass irgendwie irgendwann in zunehmendem und umfassendem Maße der Grat, der den oft kleinen, aber immer entscheidenden Unterschied zwischen traurig und weinerlich, zwischen introvertiert und egomanisch, zwischen Melancholie und Manierismus, Erhabenheit und Bombast und zwischen Kunst und Kitsch sowieso gehörig verwischt wurde. Wie auch dieses Damien-Rice-Konzert zeigt.

Und das schon bei den ersten Stücken („Delicate“, „Elephant“, „My Favourite Faded Fantasy“) des Abends, deren Aufbau zuverlässig im Tonfall seufzend stillen Sinnierens zu getragenen Akkorden beginnt, um dann zuverlässig nach circa zwei Minutendreißigsekunden in weidwundem Pathos zum Gipfel erhöhter Dezibel aufzusteigen, nur um von selbigem – zuverlässig – im leiser werdenden Trudelflug wieder runter ins Jammertal zu gleiten.

Der Grat zwischen gebrochenem Herzen und gekränkter Eitelkeit

Von wo dann Rice sogleich erneut den Aufstieg in bewährter Form angeht, gern mal mit forcierter Echoverzerrung hier, hallenden Loops dort und opernhaften Light-Show-Gewitterblitzen auf den Sturmhöhen der Empfindsamkeit. Bis er sich dann endlich doch noch entschließt, mal für eine Weile im Tal (sprich: auf dem Boden) zu bleiben, um einfach und ruhig einen einfachen und ruhigen Song wie „The Rat Within The Grain“ zu durchwandern. Oder mit „Coconut Skins“ eine Lakonie und Beschwingtheit erschafft, die trauriger und berührender wirkt als alles gravitätische Knödeln und Jammern.

Welches zudem, da machen auch einige Rice-Texte keinen allzu großen Hehl draus, neben dem Gestus des Sensiblen gelegentlich auch den der Selbstgerechtigkeit (von Selbstmitleid nicht zu reden) pflegt. Der Grat zwischen gebrochenem Herzen und gekränkter Eitelkeit – auch er verwischt gern mal. In den ruhigen, unprätentiösen Songs mag man das als „ehrlich“ empfinden. In der Neigung zum Emotionsdröhnen, zu dem Rice sich dann im Konzert bald wieder in aller Ausgiebigkeit aufschwingt, klingt das Gegenteil davon an.

Freilich: Man muss derlei nicht gleich so streng bewerten wie Leonard Cohen, der noch wusste, was einem Sänger blühen kann für „the lie in his voice“. Zumal ja in Zeiten, in denen oben erwähnter kleiner Grenzgrat weitgehend inexistent ist, die Mahnungen alter Barden eh keine Rolle mehr spielen.

Von Steffen Georgi

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