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Wiedergeburt: Sarah Connor vor 1400 Fans im ausverkauften Haus Auensee

Wiedergeburt: Sarah Connor vor 1400 Fans im ausverkauften Haus Auensee

Es gibt da diesen Moment inmitten der 100 Konzertminuten, in dem einem Sarah Connor irgendwie ans Herz wächst. Gerade hat sie am Mittwochabend im ausverkauften Haus Auensee ein Lied angekündigt, das immer da gewesen sei.

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Gut behütet: Sarah Connor im Haus Auensee.

Quelle: Wolfgang Zeyen

"Mit dem ich groß geworden bin", hat sie erklärt, "aber ich verrate nicht, welches". Woraufhin ein paar der insgesamt 1400 Zuschauer lachen. "Was ist denn so witzig?", fragt Connor. In einem Tonfall, der etwas kokett tut, aber auch leicht beleidigt, jedenfalls unsicher klingt, möchte sie wissen: "Lacht ihr mich aus?"

 In dem Augenblick wirkt die ganze image-mäßige und künstlerische Neu­erfindung der 35-Jährigen mit einem Mal unbedingt glaubwürdig. Sarah Connor, die einen Großteil der Nullerjahre damit zugebracht hat, im Fernsehen mit dem Popo zu wackeln und Marc Terenzi zu heiraten, will spätestens seit diesem Frühsommer ehrlich eine ernsthafte Musikerin sein. Aber vielleicht steckt tief in ihr noch ein klein bisschen Angst, dass man ihr den handgefertigten Liedermacher-Soulpop, die mitunter nachdenklichen deutschen Texte, ihre Natürlichkeit nicht abnimmt. Dass man über sie lacht.

Sarah Connor ist sich über all die Jahre treu geblieben. Im Haus Auensee begeisterte sie ihre Leipziger Fans.

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Eigentlich muss sie sich jedoch keine Sorgen machen. Diese neue Authentizität hat schon im Vorprogramm Celina Bostic äußerst charmant auf die Bühne gebracht und das anfangs quasselnde Publikum zu ausgelassenem Jubel hingerissen. Der Hauptakteurin gelingt es sogar, diese Euphorie um ein Vielfaches zu steigern. Die erste halbe Konzertstunde groovt sich Connors hochkarätige Band samt dreier Hintergrundsängerinnen durchweg durch die Titel des aktuellen "Muttersprache"-Albums. Auf das fette "Halt mich" folgt mit "Anorak" das erste von vielen Mutmachliedern und die Frage an die Fans, ob sie die neue Platte auswendig mitsingen können. "Ist ja nicht so einfach mit deutschen Texten", spielt sie auf ihre eigenwillige Version der Nationalhymne an, die ihr vor zehn Jahren Schlagzeilen bescherte.

 Die Stühle im Saal stünden zudem nur für die Balladen bereit. "Ihr dürft aufstehen", erlaubt Connor. Gleich beim nächsten Stück, dem "Deutschen Liebeslied", halten sich die allermeisten daran. Einen Hutwechsel später (von hell zu dunkel) kündigt sie in roter Lederjacke "Songs in meiner Vatersprache" an. Lieder, die "ich liebe, auch wenn ich sie heute nicht mehr so singen würde" - und die sie eilig in einem Medley hinter sich bringt. "French Kissing", "Let's Get Back to Bed - Boy!", "From Zero to Hero" und so weiter. Die Dancefloor-Wucht, die diese Hits immerhin einmal hatten, kann die Gruppe freilich nicht recht entfalten und klingt wie eine (gute) Partyband, die Sarah Connor covert. Dann lieber ihre Verneigung vor Michael Jackson mit "Rock With You".

 Auf diese Songs, die, wie sie sagt, "in eine bestimmte Zeit gehören", folgt also besagtes Stück, "das immer da ist". Dessen Titel sie geheimhält. Nur Jazz-Gitarrist Torsten Goods begleitet sie zunächst. Er spielt einen Bossa Nova, der sich irgendwann zu Connors erstem großen Hit wandelt: "From Sarah With Love". Sehr schön gemacht - und wirklich kein Anlass, über sie zu lachen.

 Stattdessen - ja so viel Pathos darf in einem Text über Sarah Connor sein - lachen ihre Fans mit ihr. Darüber, dass ihr ein Käfer in den Ausschnitt fliegt und das ganze Pathos einreißt, mit dem sie "Das Leben ist schön" ankündigen will. Ein Lied für ihre eigene Beerdigung. Gitarrist Goods zupft und zupft das Intro, während seine Chefin - erstmals an diesem Abend ohne Hut - den Käfer zuerst zur Reinkarnation Michael Jacksons erklärt und schließlich Otto tauft.

 Die Laune ist glänzend, die Zuschauer feiern "Bedingungslos" ebenso wie das kraftvolle "Kommst du mit ihr" und Gregor Meyles zartes "Keine(r) ist wie du". Der Titel, den Connor 2014 in der Vox-Sendung "Sing meinen Song" interpretierte, steht am Anfang ihres Entschlusses, auf Deutsch zu singen - und zieht im Konzert ihren ersten eigenen Hit in der Muttersprache nach sich. "Wie schön du bist", das Lied für ihren Sohn, beschließt den regulären Teil.

 Als Zugabe kramt die Band den Etta-James-Klassiker "Something's Got A Hold On Me" hervor, und Connor spaziert ins Publikum, um dem einen und anderen verdutzten Fan zum Sprechsingen das Mikro in die Hand zu drücken. Allein zum Klavier singt sie noch "Mein König" und ein Stück, "das mir ganz besonders am Herzen liegt": "Wenn Menschen alles verlieren. Und wenn Mütter auf der Flucht das Leben ihrer Kinder riskieren", lautet eine Zeile in "Augen auf". Mit dem erschütternden Foto des toten Flüchtlingskinds Aylan Kurdi auf einer Leinwand, das keiner weiteren Worte bedarf, endet das Konzert.

 Celina Bostic gastiert am 9. Oktober, 20 Uhr, mit June Cocó im Horns Erben (Arndtstraße 33), Vorverkauf 15/12 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.09.2015

Mathias Wöbking

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