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Willkommen in der Satire-Republik: Pofalla-Meldung sorgt für Verwirrung im Netz

Willkommen in der Satire-Republik: Pofalla-Meldung sorgt für Verwirrung im Netz

Kaum war die Meldung draußen, lachte das Netz. Das war am Donnerstag um 13.59 Uhr. Die „Saarbrücker Zeitung“ hatte als erste „aus Kreisen“ erfahren, dass Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla zur Deutschen Bahn wechselt.

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Überraschend ist Ex-Kanzleramtsminister Pofalla als künftiger Bahn-Manager im Gespräch.

Quelle: dpa

Berlin. Keine Stunde später schloss sich die Nachrichtenagentur dpa an und vermeldete unter Berufung auf die „Saarbrücker Zeitung“ sowie aus eigenen Quellen jene Pofalla-News, die zu diesem Zeitpunkt bereits auf Twitter genüsslich kommentiert wurde: „Pofalla erklärt die Debatte über Verspätungen für beendet.“ „Die Klimaanlagen haben glaubhaft versichert, es habe nie eine Störung gegeben.“ Und so weiter und so fort. Der Witz regiert seit jeher das Internet, Häme liegt davon nicht weit entfernt.

Als dann plötzlich auch die Satire-Seite „Der Postillon“ eine scheinbare „Exklusiv-Meldung“ veröffentlichte, brach der Twitter-Sturm erst so richtig los. „Der Postillon“ behauptete, er habe bereits einen Tag vor „Saarbrücker Zeitung“, dpa, „Spiegel Online“ und all den anderen erfahren und veröffentlicht, dass Pofalla demnächst bei der Bahn in Lohn und Brot steht. Der Wahrheitsgehalt dieser Nachricht: Gleich null. Richtig war der Wechsel Pofallas, die „Exklusiv-Meldung“ des Postillon die Ente - nur merkte das zunächst kaum jemand. Denn „Der Postillon“ formuliert zwar gekonnt im Nachrichtenstil, verbreitet allerdings ausschließlich Meldungen, die die Realität in der Regel gehörig aufs Korn nehmen.

Der Unterschied im Fall Pofalla: Sogar die Tagesschau berichtete über den Seitenwechsel des ehemaligen Kanzleramtsministers und musste eine Welle der Empörung über sich ergehen lassen, man habe nicht ordentlich recherchiert. Denn zu diesem Zeitpunkt suhlte sich die Internetgemeinde bereits in selbstzufriedener Gewissheit, eine Satire-Meldung habe es in die Hauptnachrichten geschafft. Was - natürlich - eine Blamage ohnegleichen gewesen wäre.

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Stefan Sichermann, Gründer des «Postillon», in seinem Büro in Fürth. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Sogar Politiker wie die Grüne Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt begannen, am Wahrheitsgehalt der Pofalla-Nachricht zu zweifeln. Das Berliner Boulevardblatt „BZ“ zweifelte kurzzeitig sogar an sich selbst und fragte auf ihrer Internetseite: „War die Nachricht, dass Ex-Kanzleramtschef Pofalla in den Bahnvorstand wechseln soll, nichts als ein großer Witz der Satire-Website „Der Postillon“? Zumindest bläst gerade ein entsprechender Tweet-Storm durchs Netz.“

Die Frage des Abends, die sich zunächst allerdings kaum einer stellte, lautete: Wer hatte hier eigentlich von wem abgeschrieben und wem galt am Ende der Spott?

Erst am nächsten Morgen wurde klar, was der Macher der Grimme-Preis gekrönten Satire-Seite, Stefan Sichermann, vor allem im Sinn gehabt hatte: Am Beispiel einer geschickt rückdatierten Satire-Meldung zeigen, dass die besten Geschichten immer noch das Leben selbst schreibt. Herzlich Willkommen in der Satire-Republik Deutschland.

Nora Lysk

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Von Redakteur Nora Lysk

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