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"Willkommen in der wunder-BAR" feiert im Leipziger Krystallpalast Premiere

"Willkommen in der wunder-BAR" feiert im Leipziger Krystallpalast Premiere

Ziemlich runtergekommen ist sie, die "wunder BAR". Drum muss, wer grad nichts zu tun hat, Hand anlegen, malern, polieren, tapezieren, feucht durchwischen, und nach wenigen Minuten haben die Artisten aus Spanien, Lettland, den USA, Holland, Russland und der Schweiz den Laden auf Vordermann gebracht.

Leipzig. Im Ergebnis steht sie blitzblank prunkend auf der Bühne, die elegante "wunder-BAR" - und der rote Faden, der von Klaus Seiffert inszenierten Show ist bereits weitgehend abgewickelt.

Was nicht weiter stört. Denn die wunderbare Bar gibt ein attraktives Bühnenbild ab und ist für Stammgastgeber Martin von Barabü immerhin immer mal wieder Stichwortgeber für seine Conférencen, die geschmeidig und treffsicher zwischen Marktschreierei und Anzüglichkeit, Poesie und Anarchie hindurch mäandern, derweil er Panik am "Mitmachtisch" verbreitet, erstaunliche Mengen Konfettis aus seinen Sakkotaschen hervorkramt und als Illusionist und Mentalist eine gute Figur macht. Seine schwebende Stangen-Jungfrau holpert zur Aschenbrödel-Musik noch ein wenig, aber wie er sich mentalistisch an der Getränkekarte arbeitet und Carsten aus dem Publikum um sein Sakko bringt, das hat Witz und Klasse.

Leipzig. Ein klassisches Nummern-Programm zwischen Lasso und Hula Hoop, Tierdressur und Vertikalseil, mit fabelhaften Artisten, so charmant wie notdürftig zusammengehalten vom zaubernden Conferencier Martin von Barabü: Im Leipziger Krystallpalast-Varieté feierte am Donnerstagabend die neue Show "Willkommen in der wunder-BAR" freundlich beklatschte Premiere.

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Bei diesem Trick unterstützt ihn in der mobilen Umkleidekabine tatkräftig und gefesselt die sündige Natalia Bakun aus Russland, die mit wenig an und vielen Hula-Hoop-Reifen um Hüften und Extremitäten vor der Pause zu Rhythmen aus Brasilien einen der Hingucker des Abends auf die Bühne stellt.

Da hat die Show bereits mächtig Fahrt aufgenommen, die sich vom Flaschenkatapult von Jonas und Esther Slanzi aus der Schweiz, die gemeinsam als "E1inz" firmieren und bei der letzten Newcomer-Show abräumten, über die atemberaubende Peitschen- und Lasso-Akrobatik Michael Laners aus Spanien und die hinreißende Katzen- und Hundedressur (eine Premiere auf der Krystallpalast-Bühne), die Darja aus Lettland mit graziler Kontorsion und komplexen Sieben-Viertel-Takten von Dave Brubeck kombiniert, immer weiter steigert.

Kontorsion ist auch das Tätigkeitsfeld von Fleeky aus den Staaten, aber die insektenhafte Quirligkeit des androgynen Meisters der Selbstverbiegung setzt mehr auf den Charme des Bizzarren. Da verbinden sich zu kühn verwursteten Klängen aus Paul Dukas' "Zauberlehrling" Kraft und Geschmeidigkeit, Witz und ein Fünkchen Irrsinn zu einer sehr eigenen Poesie, die im Publikum für staunendes Kopfschütteln und offene Münder gut ist.

Dafür sorgt auch die bezaubernde Esther Slanzi solo am Vertikalseil. Aber mit ganz anderen Mitteln: Ungeheuer kraftvoll und geschmeidig auch sie. Aber sie entwickelt den Zauber ihrer Nummer eher aus der beherrschten Stille heraus, in die sie wirkungssicher ihre Schrecksekunden kantet.

Den ganz großen Bogen schlägt zum Schluss Marcel Penoux, den es aus Surinam über die Niederlande auf die Showtreppe des Krystallpalastes verschlagen hat. Gleich mehrere Weltmeister-Titel schmücken die Biografie des Stepptänzers, und aus seinem komödiantischen Talent hätte sich mehr Profit schlagen lassen, als ihn im Hausmeister-Kittel mit allerlei Weihnachts-Nippes in der Hand und der schüchtern vorgetragenen Frage "Darf ich jetzt?" zum Running Gag des Abends zu machen.

Auch seine Funken-sprühende Stepp-Nummer kann nicht verheimlichen, wie schwer es ist, die beschlagenen Sohlen wirklich punktgenau zur Musik auf den Boden zu bringen oder zur körperlichen Höchstleistung auch noch zu singen. Der Ausflug in die große alte Zeit des US-Entertainments, ist dennoch einer der Höhepunkte des Abends. Wie ein Derwisch wirbelt Peneux über die Bühne, präsentiert und kommentiert einen Katalog seiner Kunst, schraubt zwischendrin das Tempo ein wenig zurück, auf dass das Publikum ein wenig mittun möge, und zeigt schließlich an den illuminierten Stufen, dass er seine vielen Meistertitel zu Recht trägt.

Nach dem Finale, in dem sich von Barabü das Glas mit dem flüchtigen Goldfisch Houdini unter dem Arm geklemmt hat, läuten er und seine Artisten via Kuhglocken dem Publikum mit Heino Gazes "Lalelu" heim. So hinreißend nostalgisch bis altmodisch wie fast die ganze Show in der "wunder- BAR".

i"Willkommen in der wunder-BAR", bis 2. März, Karten/Infos: 0341 140660; www.krystallpalastvariete.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.11.2013

Peter Korfmacher

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