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"Wir predigen nur Heavy Metal, keine Religion": Powerwolf vor Leipzig-Konzert im Interview

"Wir predigen nur Heavy Metal, keine Religion": Powerwolf vor Leipzig-Konzert im Interview

Kaum eine andere deutsche Metal-Band hat in den vergangenen beiden Jahren eine solche Erfolgskurve hingelegt: Powerwolf treffen mit ihren Hymnen und ihren opulenten Bühnenshows offenbar den Nerv vieler Langmähnen.

Leipzig. Morgen kommen die Wölfe nach Leipzig - zuvor spricht Organist Falk-Maria Schlegel (38) über Metal-Messen, Pathos und Blasphemie.

Frage: Ihr seid zum Heavy-Metal-Aufsteiger des Jahres gekürt worden, bekommt euphorische Rezensionen, das neue Album "Preachers Of The Night" verkauft sich wie geschnitten Brot. Wie lebt sich's so auf dieser Erfolgswelle?

Falk-Maria Schlegel: Wir haben zehn Jahre hart gearbeitet - und jetzt spüren wir, dass sich diese lange Zeit gelohnt hat. Das fühlt sich natürlich geil an. Der Charts-Platz 1 ist dabei das i-Tüpfelchen. Obwohl Charts für Heavy-Metal-Bands eigentlich nicht relevant sind, ist es trotzdem ein riesengroßes Ausrufezeichen, dass wir in so einem Mainstream-Ding ganz vorn stehen. Viel wichtiger ist uns aber die Straße, dass die Hallen voll sind, dass bei unseren Konzerten ordentlich gefeiert wird.

Braucht man nicht auch Glück, um ganz vorn zu landen?

Von Glück würde ich nicht reden. Für uns trifft eher der alte Spruch zu: Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Die Zeit war reif für unsere Art, Heavy Metal zu spielen und zu zelebrieren. Powerwolf sind eine Selfmade-Band, die sehr detailverliebt ist. Es zahlt sich eben aus, wenn man immer das volle Programm gibt, egal ob nun vor 20, 50 oder 500 Leuten. Irgendwann stellten die Leute fest: Mensch, da steckt etwas dahinter. Und: Mit denen kann man Spaß haben.

Eigentlich spielt ihr "nur" 80er Jahre-Metal à la Running Wild oder Helloween und hübscht ihn etwas auf.

Wir sind schließlich alle mit diesem Heavy Metal groß geworden, das sind unsere Helden! Da ist es doch klar, dass unsere Musik etwa den gleichen Sound hat. Aber: Bei uns gibt es eben noch eine Kirchenorgel, wir benutzen Chöre, unser Sänger klingt nicht nach German Metal, sondern hat eine klassische Ausbildung. Der harte Metal wird ja immer populärer - aber ich glaube, die Leute haben einfach auch mal Bock auf gute Melodien.

Du spielst die Orgel, die für euren sakralen Pathos wesentlich ist. Wie bist du zum Heavy Metal gekommen?

Ich habe klassische Orgel gelernt, sowohl Heim- als auch Kirchenorgel, auch schon in Kirchen gespielt. Und irgendwann hat mich der Metal gepackt. Dummerweise passten damals Metal und Keyboard aber nicht zusammen. Doch dann kam die Prog-Zeit mit Tiamat und solchen Bands - da hatte mein Stündchen geschlagen. Mittlerweile ist es ein Segen, dass ich ein Instrument spielen kann, das teilweise finsterer klingt als eine Gitarre, also wunderbar zum Heavy Metal passt.

Kommt ihr auch aufgrund der sakralen Elemente so gut an?

Wir lieben Klischees, spielen mit ihnen. Unser Credo lautet: Wir feiern eine Metal-Messe. Dafür verwenden wir natürlich auch viele Elemente aus der katholischen Kirche. Im Wesentlichen wird es aber unsere Party sein, die bei den Leuten so gut ankommt.

Seid ihr auch selbst gläubig?

Wir haben alle eine christliche, eine katholische Erziehung genossen, sind aber trotz des Images keine religiösen Fanatiker. Wir sehen uns als Beobachter, beschreiben - oft mit einem Augenzwinkern - religiöse oder historische Ereignisse. Auf "Preachers Of The Night" beschäftigen wir uns beispielsweise mit den Kreuzzügen.

Der Bezug zur Religion bringt euch nicht nur Lob ein. Wie geht ihr mit Kritik um?

Natürlich spalten wir: Entweder man liebt uns - oder man hasst uns. Aber: Wir verarschen weder den Heavy Metal, noch betreiben wir Gotteslästerung, was uns auch von manchen vorgeworfen wird. Wir predigen nur Heavy Metal, keine Religion.

Wie passt das zu Textzeilen wie "Catholic In The Morning, Satanist At Night"?

Solche griffigen Wortspiele müssen erlaubt sein, die beziehen sich ja nicht nur auf die Kirche. Es gibt doch viele Beispiele, bei denen nach außen auf "lieber Mann" gemacht wird, und abends schlägt derselbe zu Hause seine Frau.

Gab es noch nie Probleme mit der Kirche?

Nein, nie. Auch wenn man sich das bei all den Glaubensdiskussionen nicht vorstellen kann. Kunst ist frei, und sie muss frei sein. Die Orgeln und Chöre nehmen wir schließlich auch in Kirchen auf. Zwar in entweihten, aber immerhin. Allerdings bezweifle ich, ob wir tatsächlich in einer katholischen Kirche spielen dürften. Unser Pfarrer in Saarbrücken hat jedenfalls immer ein Dauergrinsen im Gesicht, wenn er Powerwolf hört.

Powerwolf, Vorbands: Majesty, Battle Beast und Wisdom, morgen, 18.45 Uhr, Hellraiser (Werkstättenstraße 4), Abendkasse 25 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.10.2013

Andreas Debski

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