Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
"Wir sind das Sahnehäubchen": Klaus Maria Brandauer vor seinem Leipzig-Auftritt

"Wir sind das Sahnehäubchen": Klaus Maria Brandauer vor seinem Leipzig-Auftritt

Bis Donnerstag ist Klaus Maria Brandauer im Leipziger Centraltheater zu Gast. In der Festspiel-Arena trägt er Richard Wagners Schrift "Eine Pilgerfahrt zu Beethoven" vor.

Voriger Artikel
Nach dem Besucheransturm - die Buchmesse-Organisatoren denken über Änderungen nach
Nächster Artikel
Selbstkritischer Satiriker - Kabarettist Peter Ensikat gestorben

Schauspieler Klaus Maria Brandauer gastiert bis Donnerstag im Centraltheater.

Quelle: dpa

Im Interview erklärt Brandauer seine Beziehung zu Leipzig und Wagner und spricht auch darüber, was es für ihn heißt, Künstler zu sein.

Frage: Sie treten nicht zum ersten Mal in Leipzig auf. Was bedeutet Ihnen, der Sie zwischen Wien und, sagen wir mal, Tbilisi die Metropolen kennen, die sächsische (Kultur-)Stadt?

Klaus Maria Brandauer: Vor einigen Jahren bin ich im Gewandhaus mit Peer Gynt aufgetreten, ich habe das Gastspiel noch in sehr guter Erinnerung. Leipzig hat eine besondere Mischung, es ist sehr selbstbewusst und sehr freundlich, nicht nur die Menschen, sondern auch als Ganzes. Das gibt es in dieser Kombination nicht so oft. Und natürlich ist es die Geburtsstadt Richard Wagners.

Mit kaum einem zweiten Komponisten scheint so eine "Rausch-Wirkung" verbunden. Verstehen Sie die "Wagnerianer", oder sind Sie gar selbst einer?

Ich bin für jegliche Art von Personenkult vollkommen ungeeignet, dazu bin ich viel zu neugierig, was es sonst noch alles gibt. In gewisser Weise kann ich aber verstehen, dass man bei Wagner einem Rausch verfällt. Mir geht das ja selber so, wenn ich in einer Aufführung sitze, nur dass mich das im Nachhinein eher irritiert.

Wagner war ein schwieriger Charakter. Genie und Wahnsinn lagen eher dicht beisammen. Muss man eigentlich ein bisschen Wagner sein, um überhaupt ein ganz großer Künstler sein zu können?

Nein, das glaube ich nicht. Schwieriger Charakter gleich großer Künstler, das geht in beide Richtungen nicht auf, denn das wäre viel zu einfach. Wagner war auch als Person ein großes Gesamtkunstwerk, es gab für ihn keine Trennung in eine private, berufliche, politische Existenz, sondern diese Sphären gingen mitunter sehr heftig ineinander über. Aber das ist ja nicht nur bei Künstlern so, sondern eigentlich bei jedem. Wir sind geneigt, das nur Künstlern zuzugestehen, dort liegt das Problem.

Wagner schrieb, dichtete, komponierte, er war Revolutionär, Freund der Frauen und vieles mehr. Welchen Wagner mögen Sie - und welchen eher nicht?

So wie ich für mich selber hoffe, als Person nicht teilbar zu sein, so muss das auch für jeden anderen gelten. Wagner war ein ganz großer Theatermann, wir zehren bis heute von seinen Ideen und Erfindungen. Dass die Theaterbühne eine Herausforderung für Künstler und Publikum sein muss, an der man auch scheitern kann, das gab es vor ihm noch nicht. Und auch privat war er kein Langweiler, eher im Gegenteil, das ist doch wunderbar!

Ihr Vortragsabend widmet Sie sich der Verbindung von Wagner zu Beethoven. Durch eine Fidelio-Aufführung am Leipziger Stadttheater im Jahr 1829 hat Wagner die Initialzündung für sein Opernschaffen erhalten.

Wagner oder Beethoven waren ja keine Solitäre, sondern eng eingebunden in die Zusammenhänge ihrer Zeit, sie hatten Wurzeln, Vorbilder, Prägungen. Wir sehen heute nur noch ihre großen Werke und vielleicht ihre Biografien, aber es gab ja ringsherum viel mehr, was wir einfach nicht mehr kennen.

Sie werden in diesem Jahr 70. Was möchten Sie als Künstler noch bewegen?

Wer etwas bewegen will, muss sich einen anderen Beruf suchen, auch wenn das jetzt hart klingt. Wir vom Theater sind doch mehr für die Unterhaltung zuständig, und wenn das einigermaßen ernsthaft und authentisch gelingt, dann bin ich schon sehr zufrieden. Das hört sich vielleicht etwas nüchtern an, aber so sehe ich das. Wir sind der Luxus, das Sahnehäubchen obendrauf, ein unentbehrliches Sahnehäubchen vielleicht, mehr aber nicht!

Bis Donnerstag jeweils 20 Uhr (ausverkauft), für die Zusatzvorstellung Mittwoch um 22 Uhr gibt es noch Restkarten unter Telefon 03411268168

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.03.2013

Thomas Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipziger Buchmesse

    Rückblick auf die LVZ-Autorenarena auf der Leipziger Buchmesse 2017. Alle Gespräche noch einmal ansehen! mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2016/2017 im Schauspiel Leipzig mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Titanic-Panorama im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Leipzig und die evangelisch-lutherische Kirchenbehörde wachten zu Bachs Zeiten streng über "unliebsame" Glaubensausübungen. Das Bach-Museum Leipzig beleuchtet in der Ausstellung "Glaubenswelten" die religiöse Situation in der Stadt zu jener Zeit. Hier geht's zur Schau des Monats April! mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr