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"Wir sind der Gegenentwurf" - AnnenMayKantereit im Interview

Konzert im Haus Auensee "Wir sind der Gegenentwurf" - AnnenMayKantereit im Interview

Die Band AnnenMayKantereit ist durch die Decke gegangen. Neue Songs brachten die Kölner am Dienstagabend ins längst ausverkaufte Haus Auensee. Wir sprachen mit den Jungs.

AnnenMayKantereit spielten am Dienstag im Leipziger Haus Auensee.

Quelle: Dietrich Flechtner

Leipzig. In einen verrauchten Jazzclub passt diese Stimme natürlich besser. Aber für über 3400 in der Mehrzahl unter 25-jährige, weibliche Fans brauchte es am Dienstag doch das randvolle Haus Auensee, um AnnenMayKantereit eine Bühne zu bieten, übrigens die größte der aktuellen Tour. Dass eine Band unabhängig vom kalkulierten Popzirkus und einem Radiohit derart aus dem Stand mit ihrem Debütalbum einschlägt, ist selten und zuletzt wohl so ähnlich bei Kraftklub passiert. Wir sprachen vor dem Konzert mit den Jungs.

LVZ: Mit dem offiziellen Debütalbum „Alles nix Konkretes“ haben Sie sich Zeit gelassen. Warum?

Henning May: Wir wollten nichts erzwingen, weshalb wir das Songmaterial ein Jahr lang auf Tour ausprobiert haben. Während dieser Zeit sprachen wir immer wieder mit unserem Produzenten Moses Schneider.

Wo fühlen Sie sich wohler: auf der Bühne oder im Studio?

Christopher Annen: Unsere Live-Gang ist für uns momentan das Wichtigste. Es ist die Familie, mit der man rumfährt. Und ich glaube, es spricht sich herum, dass uns das Livespielen großen Spaß macht.

May: Ich hoffe, es liegt auch daran, dass wir etwas richtig gemacht haben. Wir bemühen uns, ehrlich zu sein und uns nicht zu verstellen. Wir hinterfragen vieles. Wir haben zum Beispiel keinen Bock auf Coca Cola im Kühlschrank. Diese Marke wollen wir bei uns nicht sehen. Ich glaube, wir sind ein Gegenentwurf zu vielem, was momentan in der Musikbranche erfolgreich ist.

3400 in Mehrzahl unter 25-jährige, weibliche Fans sahen AnnenMayKanterei im Leipziger Haus Auensee.

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Wie halten Sie es mit der Vermarktung Ihrer Band?

May: Natürlich versuchen wir, uns zu vermarkten und probieren dies gerade mit einem großen Label. Es stärkt uns den Rücken und eröffnet finanzielle Möglichkeiten. Dabei behalten wir weiterhin unsere Prämissen im Auge und versuchen, alles mit Geduld zu machen.

Annen: Wir wollen alles unter Kontrolle behalten, was wir uns in den letzten Jahren aufgebaut haben. Das Management hat zum Beispiel ein guter Freund und ehemaliger Schulkamerad übernommen. Wir fühlen uns da sehr gut aufgehoben.

War die Entscheidung, bei einem großen Label zu unterschreiben, einhellig?

Annen: Wir haben lange dafür gebraucht. Wir wollten einen Partner, der uns nicht reingrätscht, sondern unsere Ideen unterstützt.

Viele Entscheidungen im Bandgeschehen scheinen „politisch“ begründet zu sein. Schlägt sich das in den Songs nieder?

Annen: Ich finde es immer schwierig, wenn eine Band klare politische Statements abgibt. Das ist aus meiner Sicht oft halbherzig. Wir wollen niemandem unsere Positionen aufdrängen. Einen politischen Song muss man ja auch erst mal schreiben können.

In Ihren Liedern geht es oft um die Liebe. In „Dritter Stock“ werden jedoch die traurigen Seiten der Liebe besungen. Was hat Sie dazu bewogen?

May: Ich habe den Jungs erzählt, wie es gerade war mit meiner Fernbeziehung. Dass mich dieser Zustand fertig machte. Irgendwann fing ich an, darüber zu schreiben. Auf diese Weise konnte ich es ablegen. Bei „Dritter Stock“ wurde ich anfangs für die eindeutige Wortwahl verspottet, jemand meinte, der Text sei fürchterlich kitschig. Aber ich meine das so! Ich hätte es sehr schön gefunden, wenn meine Freundin und ich das damals geschafft hätten. Aber es hat nicht geklappt und ich war sehr traurig.

Zu welchem Zeitpunkt haben Sie den Song geschrieben?

May: Noch in der Krise. Und zwar mit dem Hintergedanken, noch etwas rumreißen zu können. Auch wenn ich den Text geschrieben habe, ist das ein Lied, das uns alle vier sehr berührt. Immer, wenn wir es im Konzert spielen, fühlen wir gemeinsam. Mit einem Thema, das einen sehr beschäftigt, geht man leichter um, wenn man es in Kunst umsetzt. Dies kann ein Lied, ein Bild oder eine Skulptur sein.

Wie haben Sie zu Ihrem Sound gefunden?

Severin Kantereit: Wir sind zusammen zur Schule gegangen und schon ewig befreundet. Dann haben wir Straßenmusik gemacht und durch das Improvisieren unseren Stil gefunden. Das Live-Spielen war für uns ganz wichtig.

Ihre Songs wurden mit Rio Reiser vergleichen. Ist das ein Künstler, auf den sich alle einigen können?

May: Die Hommage an Reiser habe ich gemacht, um meinen Vater zum Lachen zu bringen, denn eine Platte von Rio haben wir zusammen im Auto rauf und runter gehört.

Interview: Olaf Neumann

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