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With Full Force 2016: Annisokay im Interview

„Wir hatten echt Angst“ With Full Force 2016: Annisokay im Interview

Annisokay aus Halle überzeugt mit sphärischem Metalcore der Extraklasse und liefert am Samstag eine mehr als gelungene With Full Force-Premiere ab. Wir haben mit Basser Norbert, Gitarrist Christoph und Sänger Dave über Tourleben und Szene gesprochen.

Annisokay liefern eine 1-A-Show beim With Full Force 2016.
 

Quelle: Bastian Fischer

Roitzschjora.  Dass der Raum Leipzig-Halle eine perfekte Brutstätte für harte Gitarrenklänge ist, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Ein wenig aus dem Rahmen fallen da Annisokay aus Halle. Die junge Band überzeugt mit sphärischem Metalcore der Extraklasse, kann auf Touren quer durch Europa zurückblicken und liefert am Samstag eine mehr als gelungene With Full Force-Premiere ab. Wir haben mit Basser Norbert, Gitarrist Christoph und Sänger Dave über Tourleben und Szene-Eigenheiten gesprochen.

LVZ: Die vergangenen Jahre waren für Euch sehr ereignisreich: Konzerte mit Silverstein, Bring Me The Horizon oder Of Mice and Men, eine Tour durch England – ist das With Full Force für Euch dann nicht schon fast Routine?

Norbert: Nein, gar nicht. Das ist für uns etwas absolut besonderes. Immerhin ist es unser erstes Mal auf diesem wunderschönen Festival hier in unserer Heimatregion. Und so etwas haben wir ja auch wirklich nicht jedes Wochenende.

Am letzten Tag des Festivals gab es auf dem "With Full Force 2016" in Roitzschjora nochmal richtig was auf die Ohren. (Bilder: Susanne Richter)

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Christoph: Wir haben uns ja auch viel Zeit gelassen. Ich war hier beispielsweise nie als Gast, obwohl ich immer herkommen wollte. Jetzt bin ich das erste Mal hier und darf auch gleich noch spielen. (lacht) Ich kannte das bisher nur aus Videos und vom Hörensagen. Von daher war das heute wirklich aufregend.

LVZ: Hat es Euch denn überrascht wie viele Leute bei Eurem Gig vorbeigeschaut haben – gerade als erste Band des Tages?

Norbert: Ja, hat es. Wir hatten echt Angst, denn das Wetter dieses Jahr ist ja unberechenbar. Wir haben wirklich unseren Soundcheck für eine ganze Stunde unterbrechen müssen und wussten gar nicht, ob wir überhaupt spielen können. Zudem war erst gefühlt zehn Minuten bevor wir anfangen sollten Einlass und wir hatten schon ein wenig Bammel, dass die Leute einfach nicht reinkommen, weil die Zeit relativ knapp ist. Aber am Ende war dann alles gut. Die Organisation hier klappt einfach reibungslos und die Leute sind letztlich wirklich sehr schnell vor die Bühne gekommen. Das war schön.

Rund 70 Bands und zehntausende Besucher werden zum Metal-Festival "With Full Force" erwartet. Unsere Reporter sind dabei und wir haben die ersten Band-Fotos vom Event auf dem Flugplatz Roitzschjora. Foto: Susanne Richter

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Vor allem wenn man bedenkt, dass unser Schlagzeuger noch eine andere Band hat und damit dieses Jahr einer der Leidtragenden bei Rock am Ring war (das Festival musste wegen schweren Unwetters vorzeitig abgebrochen werden, d.Red.). Ich meine, das ist die Riesen-Sache schlechthin und die durften bei Rock am Ring nicht spielen. Wir hatten schon kurz Angst, dass er Unglück bringt und dass uns das gleiche Schicksal ereilt (lacht) Aber wir haben gespielt und es war klasse.

LVZ: Habt ihr bei der Bandgründung eigentlich jemals damit gerechnet, dass Eure Karriere mal diesen Punkt erreicht?

Norbert: Wir hatten einen langen, steinigen Weg, haben aber nicht locker gelassen.

Christoph: Wir können ja auch nichts anderes, was sollen wir sonst machen. (lacht)

Dave: Als Musiker träumt man ja immer davon, dass man so etwas mal erleben darf. Darauf arbeitet man ja hin. Als ich in die Band eingestiegen bin habe ich das Potenzial dazu schon gesehen.

Christoph: Aber rechnen darf man damit nie. Wenn man anfängt, damit zu rechnen, kann man nur enttäuscht werden. Also, ich rechne jetzt etwa nicht damit, dass wir irgendwann mal bei Rock am Ring spielen. (lacht)

Norbert: Wie gesagt, unser Weg war wirklich lang. Manche denken ja, wir sind Senkrechtstarter aber für uns war das wirklich ein langer Weg. Und es gab auch oft Zeiten, in denen es schwer war und wir uns dachten: Warum machen wir eigentlich so einen Quatsch hier, warum tun wir das überhaupt?

LVZ: Ihr wart im vergangenen Jahr in Deutschland, England und vielen anderen europäischen Ländern unterwegs. Wie habt Ihr die Tour erlebt?

Norbert: Das war ja schon unsere zweite Headliner-Tour.

Dave: Und die war noch geiler als die erste. (lacht)

Christoph: Ja, da war schon eine Steigerung drin, das hat uns sehr gefreut. Und seitdem waren wir ja nochmal auf Tour. Und nochmal. (lacht)

Norbert: Und nochmal.

Christoph: Es passieren so viele Sachen. Wir haben letztes Jahr 72 oder 73 Shows gespielt. Und da weiß man dann manchmal gar nicht mehr so genau, was alles passiert ist.

Norbert: Naja, da gab es die berühmte Luxemburg-Show.

Dave: Das war der Tiefpunkt des ganzen Jahres. Und es war auch noch mein Geburtstag.

Christoph: Dave hat Geburtstag, wir spielen in Luxemburg und es kommen sechs zahlende Besucher.

Dave: Da war keine Werbung für das Konzert, es gab eigentlich nicht einmal wirklich Eintritt, wir spielten im Dachgeschoss einer Table-Dance-Bar, es gab keine Bässe für die PA. Eigentlich war alles scheiße (lacht). Fürs Catering musste man betteln, das Hotel war noch nicht gebucht. Letztlich war wirklich alles Mist.

Norbert: Aber im Großen und Ganzen war die Tour wirklich erfolgreich. Es ist immer eine andere Herausforderung, wenn man die Hauptband des Abends ist und die Leute ‚müssen’ wegen einem selbst kommen. Da sieht man dann die bittere Wahrheit, ob auch wirklich Leute kommen. Die Deutschlandshows waren auf jeden Fall super, da waren wir sehr zufrieden. Es hat wie immer Spaß gemacht.

LVZ: Aber Dave hatte dann trotzdem noch eine angemessene Geburtstagsparty?

Dave: Nee, ich war schlafen. (lacht)

Norbert: Das war die Zeit, in der wir jeden Tag mindestens sechs Stunden Fahrt hatten. Und da sagen dann die Knochen auch irgendwann mal: Es reicht jetzt. (lacht)

LVZ: Ihr habt euer zweites Album in den USA mit Joey Sturgis produziert. Wie habt ihr das erlebt?

Christoph: Das ist schon überwältigend. Wir haben natürlich auch selbst Geld in die Produktion investiert, das muss man auch sehen. Uns hat das niemand geschenkt. Wir wollten das einfach machen. Ich produziere selbst Musik. Und für mich war Joey Sturgis immer ein Vorbild. Über meinen Beruf kannte ich natürlich auch seine Arbeit ein wenig – und habe ihn einfach gefragt, ob er sich vorstellen könnte, uns zu produzieren. Die ganze Sache war natürlich für uns auch deshalb sehr cool, weil Joey Sturgis viele Alben unserer Lieblingsbands produziert hatte. Wir sind dann in die USA geflogen und es war eine ganz andere Erfahrung. Man fühlt sich ganz anders in seine Aufnahmen rein, wenn man in einem anderen Land ist, mit anderen Leuten und was weiß ich nicht allem. Die Stimmung unterscheidet sich natürlich stark von der, die wir im Proberaum haben, wenn wir dort die Gitarre auspacken und aufnehmen. Das war wirklich eine krasse Erfahrung und wir haben auch viel gelernt. Wie sie arbeiten, wie sie mit uns die Stücke aufnehmen, wie sie uns während der Aufnahmen coachen – das war schon bereichernd.

LVZ: Norbert schreibt ja den Löwenanteil der Texte. Wie ist das für Euch als Sänger, die Gedanken von jemand anderem zu transportieren?

Christoph: Ein Song entsteht ja nicht dadurch, dass einer den Text und der andere die Musik schreibt. Das ist eine Zusammenarbeit und man überlegt sich immer, was der jeweils andere sich beim Schreiben gedacht hat. Interessanterweise habe ich manchmal ganz andere Interpretationen zu Norberts Texten. Wenn ich ihm das dann sage, ist er meistens selbst überrascht davon und wir feilen weiter daran. Und so entstehen manchmal ganz andere Dinge in der Zusammenarbeit als das, was ursprünglich einmal geplant war.Ich fühle mich also nie so, als würde ich nur Norberts Texte singen. Wir sind uns eigentlich immer recht einig in dem, was wir transportieren wollen.

LVZ: Also letztendlich ein Puzzlespiel zwischen Euch beiden?

Norbert: Genau. Ich mache ja auch nicht den endgültigen Text, sondern schicke Christoph quasi eine Art Archiv, aus dem er sich dann etwas heraussucht. Das ist dann die erste Idee und am Ende steht dann meistens trotzdem etwas völlig anders. Es ist einfach ein Prozess, der sich bei uns so bewährt hat.

Dave: Am Ende sind wir alle ein Team. Norbert bringt die Grundidee, Christoph und ich sitzen im Studio und machen den Feinschliff. Thematisch werfen wir alle etwas in den Pool und daraus greift Norbert dann etwas heraus und baut den Text.

LVZ: Gerade um Halle und Leipzig herum gibt es ja eine große und lebendige Hardcore- und Punk-Szene. Wie erklärt sich das Eurer Meinung nach? Warum kocht die Szene gerade hier so stark?

Norbert: Lustigerweise waren wir eine Band, die es in der ihrer Anfangszeit lokal immer schwer hatte. Wir haben unsere ersten ‚coolen’ Konzerte in Nürnberg oder Hamburg gespielt. Aber in Halle war das wirklich schwer - obwohl das unsere Heimat ist. Und Leipzig kam auch erst spät dazu.

Christoph: Hardcore ist auf jeden Fall gerade in Leipzig sehr angesagt. Da geht viel. Aber ich sage mal, im jüngeren Metalbereich fühlen wir uns manchmal ganz schön alleine.

Dave: Die Szene an sich ist allerdings schon groß. Wir haben ja Impericon in Leipzig, die seit Jahren ihr eigenes Festival auf die Beine stellen, das die Leute massenhaft hier her zieht. Dann haben wir das With Full Force um die Ecke, das Highfield findet bei uns statt. Ein Faktor ist sicherlich auch die Verkehrsanbindung, die so viele Konzerte hier ermöglicht. Und natürlich spielt auch die lebendige Alternativkultur eine Rolle, vor allem in Leipzig, in Halle leider eher weniger. Durch das Conne Island, durch das Werk 2 und all die Clubs, die schon immer Konzerte aus diesem Bereich veranstaltet haben, hast du einfach viel Angebot. Und viel Angebot bedeutet natürlich, dass auch viele Leute kommen.

LVZ: Ihr habt beim Konzert schon angekündigt, dass ihr derzeit an neuem Material schreibt. Gibt es schon einen Termin für die Veröffentlichung?

Norbert: Bald, auf jeden Fall noch in diesem Jahr. Wir planen derzeit eine Veröffentlichung im Herbst, im Oktober. Und wir wollen auch direkt danach wieder auf die Straße. (lacht)

LVZ: Letzte Frage: Lieber im kleinen Club oder auf der Festival-Bühne.

Norbert: Also für mich ist es ganz klar dieses Festival. Du hast einfach die Möglichkeit, vor so vielen Leuten zu spielen. Und dann auch noch dieses ganze Event drum herum, diese großartigen Bands, von denen man selbst seit Jahren Fan ist – das ist einfach ein Mega-Erlebnis.

Christoph: Man soll natürlich die kleinen Clubshows nicht schlecht reden. Die sind auch richtig geil.

Norbert: Man kann das schlecht vergleichen. Aber ein Festival ist immer ‚besonderer’, denn man spielt natürlich einfach weniger Festivals als Clubshows. Und dann noch diese Größe wie hier beim With Full Force – das ist natürlich auch Wahnsinn.

Christoph: Aber trotz allem, so eine richtig voll gepackte Clubshow, bei der alle richtig ausrasten, das ist natürlich auch absolut der Hammer. Man ist einfach näher an den Leuten dran.

Dave: Ich mag auch eher den Club. Das liegt aber vor allem daran, dass ich gerne mit dem Publikum interagiere. Und das ist bei einem Festival mit einem Security-Graben von gefühlten achtzig Metern echt schwer. Das ist etwas, das ich an Clubs mehr schätze. Wenn die Leute wirklich direkt vor mir stehen und ich mit denen spielen kann.

Von Bastian Fischer

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