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With Full Force in Roitzschjora: Matsch und Regen stellen 25.000 Fans auf die Probe

With Full Force in Roitzschjora: Matsch und Regen stellen 25.000 Fans auf die Probe

Das Metaler-Leben ist kein Wunschkonzert. Beim größten Ost-Festival der härteren Musikstile wurde die Liebe von mehr als 25.000 Fans am Wochenende auf dem Flugplatz Roitzschjora (Nordsachsen) zur triefenden Probe freigegeben.

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Legion OF The Damned aus Holland.

Quelle: Susanne Richter

Roitzschjora. Das Fazit nach 40 Stunden Regen und 64 Bands: Der Bund fürs Leben lässt sich nicht aufweichen – die Prüfung des Donnergottes wurde bestanden.

Etwas Warmes braucht der Mensch. In diesem Fall fleischgefüllte Ravioli eines international operierenden Konservenherstellers in einer Tomatensauce. Löffel um Löffel verschwindet unter Rolands dunklem Schnauzer. Zu Hause würde jetzt der Sonntagsbraten auf dem Tisch dampfen. Doch der 50-jährige Cottbusser hat sich für eine Auszeit entschieden. Für eine Auszeit vom konventionellen Leben als Berufsfeuerwehrmann und Familienvater.

Roland ist Kopf und vor allem gute Seele einer 20-köpfigen Abordnung aus der Lausitz, die sich seit fünf Jahren an jedem ersten Juli-Wochenende auf dem Flughafen Roitzschjora einrichtet und für vier Tage wie tausende Andere das Menschsein umdefiniert. „Ich fühle mich hier sauwohl. Und für das Wetter kann ja niemand was“, schmatzt Rock’n’Roland, wie ihn seine 19 „Kinder“ liebevoll getauft haben.

Sauwohl, diese Zustandsbeschreibung trifft das Festivalgefühl sicherlich am besten. Denn zum einen bringt das With Full Force von Hardcore bis Black Metal so ziemlich jede Spielart der härteren Musik auf die Ohren, zum anderen sind der Quadratkilometer große Zeltplatz, die Kiesgrube nebenan und die dreitägige Partygarantie in Fankreisen längst zur Institution geworden.

 

Selbst wenn der härteste Acker Deutschlands diesmal eher ein aufgeweichter, ein matschiger ist – am Kultstatus ändert das nichts. Im Gegenteil: Das With Full Force anno 2011, immerhin die 18. Auflage, reiht sich in eine erlesene Reihe schlammiger Festivals ein, von Woodstock bis Roskilde. „Davon werden wir noch in einigen Jahren sprechen“, prophezeit René, angehender Fitnessfachwirt aus Leipzig sowie Bassist und Sänger der aufstrebenden Mathcorler Everlasting Struggle, bereits.

Trotz dieser Weissagungen hatte es am Freitag, zum WFF-Auftakt, noch so ausgesehen, als würde der Donnergott das Festival abermals mit einer Schönwetterbürgschaft ausgestattet haben. Entgegen sämtlichen Warnungen vor dem nahenden Tief Jörg scheint Roitzschjora eine Insel der Wetterseligen. Disbelief schwingen auf der Hauptbühne schon am Nachmittag die Nagelkeule, die Krawallbrüder schrauben zur allgemeinen Freude an ihrem Oi!-Core, Bring Me The Horizon puzzeln ihr Mathcore-Riffwalzeninferno, Agnostic Front wuchten trotz fortgeschrittenen Alters die tätowierte Faust in tausende Magengruben, und in der härtesten aller 365 Nächte des Jahres, der Knüppelnacht, blasphemieren die Black Metaler Watain und Negator allerliebst. Als Misery Index die Herde morgens kurz vor fünf in die Zelte grindet, ist der feuchte Jörg allerdings schon Wegbegleiter.

Es wäre an dieser Stelle müßig, alle 64 Bands aufzuzählen und zu bewerten. Doch eines muss dringendst erwähnt werden: Als der große Landregen über das Festival kommt, legen die Bands auf der Hauptbühne – vor der die Fans stundenlang bei 14 Grad und Windböen ausharren – alle noch einen Zacken drauf. Selbst der gern mürrische Metalgott Max Cavalera, der qua brasilianischer Geburt die Wärme mag, hämmert bei bester Laune seinen Neo-Thrash aufs durchweichte Partyvölkchen.

Die New-School-Prügler Terror und Hatebreed verwandeln den Acker in ein gewaltiges Mosh-Schlachtfeld, während tags darauf, am Sonntag, die Brachial-Australier Parkway Drive und die Ruhrpott-Thrasher Kreator zumindest ein kleines Loch in das Himmelsgrau reißen.

Rock’n’Roland ist auch gestern Abend noch bei bester Bierlaune. Eine Band, die ihm am besten gefallen hat? „Gibt’s nicht, kann ich nicht sagen – ich mag alle Stilrichtungen, das ganze Festival.“ Ab Montag beginnen für den 50-Jährigen und die mehr als 25.000 WFF-Fans wieder die 362 leeren Tage des Jahres.  

Informationen im Web: www.withfullforce.de

Andreas Debski

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