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Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg wird heute 80 Jahre alt

Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg wird heute 80 Jahre alt

Zum 75. hatte er sich davon gemacht, oder, wie er selbst sagt, war "ausgebüchst, nur weit weg". Zum 80. zeigt Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg Präsenz und wird die Lobreden über sich ergehen lassen.

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Freiherr Speck von Sternburg

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Die gibt es auf alle Fälle, schließlich widmet das  Museum der bildenden Künste seinem derzeit größten Gönner zu dessen Jubiläum eine Ausstellung. Aus dem Familienbesitz von 204 Gemälden und fast 1000 Zeichnungen und Grafiken, der vor rund 200 Jahren vom Vorfahren Maximilian Speck von Sternburg zusammengetragen wurde und der 1996 in die gleichnamige Stiftung überging, werden unter dem Titel "Kleine Werke - Große Namen" ausgewählte Zeichnungen gezeigt.

 So ein runder Geburtstag ist für den Jubilar Anlass, wieder einmal auf sein Leben zurückzublicken. Das ist die Weltoffenheit, die ihn prägt. Der junge Mann, ein gut ausgebildeter Hotelkaufmann, ging Ende der 1950er-Jahre nach Amerika, erst nach Peru, dann in die USA. Der Vater hatte ihm zwar noch die Überfahrt auf dem Ozeandampfer bezahlt, darüber hinaus gab es aber keine Schecks von zu Hause. Wolf-Dietrich jobbte in der neuen Welt als Kellner und Concierge, um sich in den Staaten das Studium des Hotel-Managements leisten zu können. In der Fremde auf sich allein gestellt zu sein, war eine Urerfahrung Speck von Sternburgs. Die andere hatte sich schon in seiner Kindheit ereignet, als er, gerade mal 10, mit seiner Mutter und den drei jüngeren Geschwistern (der Vater war in britischer Gefangenschaft) 1945 aus Stolp in Pommern vertrieben wurde.

 Dort war er 1935 an einem Sonntag zur Welt gekommen. Das Erlebnis Krieg und bald das Leben in aller Freiheit - diese unvereinbaren Gegensätze werden in Specks Erinnerungen nur übertroffen von den Jahren 1989/90. Darüber spricht er sogar vom Schönsten, was ihm geschah. Leipzig war Sternburg nicht fremd, er kannte die Stadt von einigen Messebesuchen zu DDR-Zeiten, er wusste, wie es um das enteignete Speck'sche Rittergut in Lützschena bestellt war und auch wie die vom Sozialismus vereinnahmten Gemälde der Familie im damaligen Bildermuseum im Reichsgericht präsentiert wurden. Vor 25 Jahren kehrte er trotzdem nicht als Fordernder zurück, sondern wollte sich einbringen - und tat das ohne Wenn und Aber. "Ihr braucht vor mir keine Angst zu haben, ich nehme keinem Menschen etwas weg", sagte der Nachfahre des Wollhändlers Maximilian Speck von Sternburg, der im 19. Jahrhundert zu einem erfolgreichen Unternehmer Leipzigs aufgestiegen und der auf Grund seiner wirtschaftlichen Kontakte nach Russland von Zar Alexander im Jahr 1825 geadelt worden war. Maximilian hinterließ Haus und Hof, seinen guten Namen und vor allem die wertvolle Kunstsammlung. Die wollte Ururenkel Wolf-Dietrich Leipzig erhalten. Also wurde die Maximilian Speck von Sternburg Stiftung gegründet. Sie wird von der Familie geleitet, mit der Stadt wurde ein unkündbarer Leihvertrag geschlossen, die Bilder gehören zum Bestand des Museums für bildende Künste.

 Speck von Sternburg ist Gönner, Vertrauensperson, Botschafter Leipzigs. Für ihn trifft der Leitspruch "Adel verpflichtet" voll und ganz zu. Speck berät mit diplomatischem Geschick. Laute Töne sind nicht seins, zielorientiert kann er auch ohne sie, beispielsweise als er sich mit seiner freundschaftlichen Direktheit dafür einsetzte, dass Lützschena eine Pfarrerstelle behält. Das Alter scheint an ihm spurlos vorbeizugehen. Gerade war er wieder auf Mallorca, um mit Freunden Tennis zu spielen. Ganz gut in Form sei er noch, wenn auch Aufschlag und Return nicht mehr so kraftvoll übers Netz fliegen. Der Mann hat auch im fortgeschrittenen Alter gut zu tun. Da gibt es Freundschaften, die unverzichtbar für ihn sind und die das Leben reich machen, da engagiert er sich im sozialen Bereich. Auch der Familie fühlt sich das Oberhaupt der selbigen verbunden. So ist es ihm als Majoratsherr ein Bedürfnis, die von ihm vor 18 Jahren verfasste Familienchronik fortzuschreiben und zu vervollständigen. Möglich wurde das, weil sich dem Autor im Jahr 2013 eine besondere Fundgrube aufgetan hatte: "Ich konnte Kontakt aufnehmen mit dem Staatsarchiv des Freistaates. Dort befindet sich, hervorragend archiviert, ein bedeutender Teil von Dokumenten, die das Rittergut Lützschena betreffen. Eine Zusammenführung des von mir angelegten Familienarchivs mit den Unterlagen im Staatsarchiv ist denkbar. Und wenn ich es nicht mehr selbst realisieren werde, so können es meine Erben tun. Geschichte ist ein ständiger Prozess und kein Zustand. Geschichte darf nicht als Belastung verstanden werden, sie sollte stets lebendig bleiben und kann so beflügelnd wirken. Sehr zu Recht vermerkte meine ostpreußische Großmutter Anna von Sternburg vor über 110 Jahren in ihrem Tagebuch: Doppelt lebt, wer auch das Vergangene genießt."

 Wie wird man denn nur so mobil so alt? - Speck von Sternburg: "Wichtig ist es, positiv zu denken und zu handeln." Ein Fehler Ihrerseits? - "Ungeduldig zu sein, Dinge sofort durchsetzen und alles perfekt machen zu wollen. Damit gehe ich wohl manchmal den Leuten auf den Geist." - Was ist für Sie irdisches Glück? - "Eigene Gesundheit und Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, helfen zu können." Auch zu seinem 80. will von Sternburg nicht mit Geschenken beglückt werden. Er bittet seine nicht gerade bedürftigen Gäste um Spenden fürs Kinderhospiz Bärenherz, dem er sich seit Jahren eng verbunden fühlt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.02.2015

Thomas Mayer

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