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Wolfgang Menge ist tot - Abschied vom Erfinder von "Motzki" und "Ekel Alfred"

Wolfgang Menge ist tot - Abschied vom Erfinder von "Motzki" und "Ekel Alfred"

Die Crux von Drehbuchautoren ist: Keiner kennt sie. Damit müssen sie leben. Wolfgang Menge lebte damit nicht schlecht. Den groß gewachsenen Glatzkopf kannte man – aus dem Fernsehen.

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Wolfgang Menge ist tot.

Quelle: Bodo Marks

Berlin/Leipzig. Er war einer der Gründer von „III nach Neun", dem Radio-Bremen-Talk, den er von 1974 bis 1982 auch moderierte. Da saß dann also für Millionen sichtbar jener Mann, der „Stahlnetz" und „Ein Herz und eine Seele" geschrieben hatte – und am Mittwoch 88-jährig gestorben ist.

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Berlin. Wolfgang Menge, der populäre Fernsehfiguren wie „Ekel Alfred“ erfand und im „Millionenspiel“ die Schattenseiten der Mediengesellschaft vorahnte, ist tot. Der Film- und Fernsehautor starb am Mittwoch im Alter von 88 Jahren in einem Berliner Krankenhaus. Nach der Wiedervereinigung ließ Menge den Berliner Frührentner „Motzki“ über die „Ossis“ herziehen - und erntete vor allem im Osten damit viel Beifall.

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Allzu viele Legenden kennt das deutsche Fernsehen nicht. Wolfgang Menge war ganz sicher eine. Er kam von der Journalistik, was man seinen Arbeiten durchaus anmerkte, blieb aber immer mehr als nur faktischer Berichterstatter. Er war genauer Milieuzeichner und psychologischer Charaktermaler, bissiger Satiriker und moralischer Ironiker, Warner und Mahner – und vergaß trotzdem nie jenen Grundsatz, den Billy Wilder in die Welt gesetzt hat: Langweile nie dein Publikum! Wolfgang Menge hat nie gelangweilt. Dafür war er viel zu sehr Einmischer und Seher, der manches prophetisch vorweg nahm, was erst später eintreten sollte.

Die deutsche Wiedervereinigung hat den Berliner bereits sehr früh umgetrieben. So spielte er 1969 in „Die Dubrow-Krise" den Beitritt eines kleinen DDR-Ortes zur Bundesrepublik sarkastisch durch und entdeckte so manches deutsch-deutsche Zerwürfnis, das 20 Jahre später prompt eintrat. In „Grüß Gott, ich komm von drüben" (1978) spielte er durch, was passiert, wenn ein ostdeutsch geführter Betrieb Fuß im Westen zu fassen versucht.

Das machte Wolfgang Menge so leicht keiner nach: Aus Ahnungen und Gedankenketten Geschichten stricken, die wie wirklich aussahen – weil ihr Stoff in der Luft lag. Mit „Das Millionenspiel" (1970) gelang ihm ein Medienthriller lange bevor die Quotenjagd ihre Sumpfblüten zu treiben begann: Ein Kandidat wird eine Woche lang von Killern, Kameras und einem schnelllippigen Anheizer gejagt. Überlebt er, gewinnt er eine Million Mark. In „Smog" (1973) schildert Menge, beklemmend von Regisseur Wolfgang Petersen („Das Boot") unterstützt, eine bedrohliche Wetterlage im Ruhrgebiet. Ein Umwelt-Dokudrama lange vor jeder Diskussion um die Klimakatastrophe.

Stoffe, die ihren Ursprung im ersten Beruf von Wolfgang Menge hatten. Da war er Reporter, arbeitete, gleich nach dem Kriegsdienst, beim German News Service, dem Vorläufer der dpa, und berichtete aus London, ging dann 1949 zum Hamburger Abendblatt, wechselte 1954 zu Die Welt, war der erste deutsche Journalist, der aus Tokio berichtete und der von Peking nach Moskau mit der Transsibirischen Eisenbahn fuhr. Bis er Ende der 50er auf den Regisseur Jürgen Roland traf. Für den schrieb er ab 1958 die Drehbücher zu 21 TV-Krimis der Reihe „Stahlnetz", dramatisch geschickt gebaute Milieustudien, die mit ihrem semidokumentaren Straßenrealismus wirkliches Leben atmeten. Diesem Stil blieb Menge auch in „Polizeirevier Davidswache" treu, während er mit „Der rote Kreis" und „Der grüne Bogenschütze" Edgar-Wallace-Kinokrimis verfasste. Die Erfahrungen mit „Stahlnetz" flossen später in die Drehbücher zu den „Tatorten" um Zollfahnder Kressin ein.

Seinen wohl größten Erfolg landete Wolfgang Menge allerdings Mitte der 70er Jahre mit der Serie „Ein Herz und eine Seele" um den Macho, Reaktionär und Bilderbuchspießer Alfred Tetzlaff. Der Versuch, den phänomenalen Erfolg dieser teutonischen Satire mit der Variation „Motzki" über einen West-Motzer, der gegen alle Ossis wettert, zu wiederholen, scheiterte allerdings.

Ab den späten 90ern schrieb Menge altersbedingt immer weniger. Nur 2001, da gelang ihm noch einmal ein auch emotional berührendes TV-Drama. 24 Jahre nach „Planübung", in der er die Gefahren der modernen Kriegführung beschwor, porträtierte er in „Kelly Bastian – Geschichte einer Hoffnung" die Liebe einer Grünen und eines Ex-Bundeswehr-Offiziers, die im Selbstmord endete.

Nun ist Wolfgang Menge, der 1968 auch ein chinesisches Kochbuch schrieb („Ganz einfach – chinesisch"), seine Frau und drei Söhne hinterlässt, 88-jährig gestorben. Als Drehbuchautor, der Namen und Gesicht besaß.

Norbert Wehrstedt

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