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Wolkenbilder, Bach und Bars: Solodebüt des Jazzpianisten Clemens Christian Pötzsch

Soundcheck L.E. Wolkenbilder, Bach und Bars: Solodebüt des Jazzpianisten Clemens Christian Pötzsch

Sehr stilsicher und jenseits aller Geschwätzigkeit reiht Clemens Christian Pötzsch auf seinem Solodebüt „People and Places“ zehn Pianoperlen aneinander. Geboren in Dresden, lebt er mittlerweile in Leipzig. Im Horns Erben feiert der 30-Jährige die Veröffentlichung am Freitag mit einem Konzert.

Pianist Clemens Christian Pötzsch, Jahrgang 1985.

Quelle: Christian Debus

Leipzig. Solopianisten haben anhaltende Konjunktur, wenn sie das Harmoniebedürfnis in uns allen füttern wie Ketil Bjørnstad, Ryuichi Sakamoto oder Chris Beier. Mit klassischem Etüden- und Sonatenrepertoire im Hinterkopf navigieren sie unaufgeregt zwischen simplen Songs, Folkloreversatzstücken und Jazzimprovisation im klassischen Gestus. Nun macht sich unverhofft ein Pianist aus Sachsen auf, in dieser Liga mitzuspielen. In dieser Woche erscheint „People and Places“, das Solodebüt des in Leipzig wohnenden Dresdners Clemens Christian Pötzsch, das am Freitag im Horns Erben seine Premiere haben wird.

Es wird beim Londoner Label Two Rivers Records veröffentlicht, dessen Macher Pötzsch im Herbst 2014 vor Ort mit einem Konzert überzeugt hat. Sehr stilsicher und jenseits aller Geschwätzigkeit reiht er nun zehn Pianoperlen aneinander, die in diesem immer neu zu definierenden melancholischen Niemandsland von World, Pop, Klassik und Jazz verortet sind. Das speist sich bei ihm aus einer nach innen leuchtenden Weltläufigkeit, aus der er sehr gekonnt stimmige und nicht überstrapazierte Atmosphären destilliert, ohne in die Einaudi-Endlosschleife des bloß Pathetischen abzudriften.

Pötzsch kann Pausen sprechen lassen, sich ostinat versenken, in Melodik schwelgen, drängend repetitiv sein und Nuancen schichten, ohne sich dabei zu verlieren. So erhebt er die vermeintliche Schlichtheit seines Materials – neun Eigenkompositionen und ein sorbisches Volkslied – zu etwas Höherem, das sich nicht aufdrängt und eben deswegen lange nachschwingt.

Pötzsch ist kein Unbekannter. Zwei Alben mit der deutsch-libanesischen Band Masaa sind preisdekoriert, auf diversen Tourneen in mehreren Kontinenten hat er sein Sensorium geschärft. Das kommt seinem Soloalbum zugute. Es klingt nach einem imaginären Film, nach Naturbildern auch, nach Einkehr, aber nicht nach Weltferne. Wolken, Bars, Seen und Wälder rücken ins Bild, Bach, Jarrett und Bartók irrlichtern auf. Doch kommt das aus ohne vordergründiges Epigonentum und zeugt stattdessen dezent von einer eigenen Individualität.

CD-Premiere: Clemens Christian Pötzsch, „People and Places“, Freitag, 20 Uhr, Horns Erben (Arndtstraße 33), 12/10 Euro

Von Ulrich Steinmetzger

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